http://www.faz.net/-gpf-74byv

Kommentar : Die Rundschau am Ende

Nach der Insolvenz bleibt nur wenig Hoffnung für die Mitarbeiter Bild: dpa

Nicht nur der allgemeine Leserschwund, unter dem viele Zeitungen leiden, hat zum Ende der „Rundschau“ geführt. Das links-grüne Blatt hielt trotz schwindender Leserschaft zu lange am überregionalen Anspruch fest.

          Was hat die „Frankfurter Rundschau“ nicht alles versucht: Sparrunden, Gehaltsverzicht der Belegschaft, die Umstellung auf das kleinere Papierformat, eine Redaktionsgemeinschaft mit anderen Blättern aus der Dumont-Verlagsgruppe. Geholfen hat es nicht. Weil sie überschuldet ist, hat die Zeitung, die immerhin seit dem 1. August 1945 erscheint, Insolvenz angemeldet.

          Allgemeine und besondere Ursachen kommen zusammen. Die deutschen Tageszeitungen - nicht jede einzelne, aber die Gattung insgesamt - verlieren Leser. Dieser Entwicklung, deren Ursache nicht nur das Internet ist, war die „Frankfurter Rundschau“ im besonderen ausgesetzt. Das links-grüne Blatt machte eine bleierne Phase durch, in der die Zeitung für viele schlicht langweilig, weil vorhersehbar wurde, während auf ihrem politischen Terrain die „taz“ frischer und frecher wirkte.

          Und obschon die Leserschaft außerhalb Frankfurts schwand, hielt der Verlag an dem überregionalen Anspruch fest, erkauft mit hohen Vertriebskosten. Als die Zeitung wieder munterer wurde, war es zu spät. Der Einstieg der SPD-Medienholding und später des Kölner Verlages Dumont-Schauberg verschaffte der „Rundschau“, wie sich jetzt zeigt, nur einen Aufschub. Beide Gesellschafter glichen jahrelang Millionenverluste aus, die weiter zu tragen sie nun nicht mehr bereit sind.

          Für die gedruckten Medien kommt derzeit auf jede gute Nachricht eine schlechte - oder umgekehrt. Das Magazin „Newsweek“ stellt am Jahresende seine Papierversion ein, die „Financial Times Deutschland“ steht auf der Kippe. Andererseits hat sich Warren Buffett, ein Mann, der sich aufs Geldverdienen versteht, an 63 amerikanischen Zeitungen beteiligt - nicht aus Mitleid, wie man vermuten darf. Und hierzulande gibt es Hinweise darauf, dass der Leserschwund zum Stillstand kommt.

          So oder so sollte das ungewisse Schicksal der „Frankfurter Rundschau“ einer an die Gratismasche der digitalen Welt gewöhnten Gesellschaft Anlass zum Nachdenken darüber geben, was ihr unabhängige Zeitungen und eine Vielfalt der Stimmen wert sind.

          Die Basislektion lautet: Gratismahlzeiten gibt es nicht. Wer für guten Journalismus nicht gutes Geld ausgeben will, liefert sich dem Kommerz und den Suchmaschinen aus, die gierig sind auf unsere Daten. Und wenn die letzte anständige Zeitung verschwunden ist, bleibt nur noch das Geschwätz.

          Quelle: F.A.Z.

          Topmeldungen

          Bereits bei Wahlkampfauftritten der Kanzlerin hatte es in Sachsen massive Proteste gegen Merkel gegeben.

          AfD-Hochburg : Das macht ihnen Angst

          Nirgends ist die AfD so stark wie in Ostsachsen. Manche fühlen sich dort von der Politik vergessen. Doch das sind nicht nur zornige alte Männer.
          Arbeiter transportieren in Berlin ein CDU-Plakat ab.

          Ist Merkel schuld? : Bloß kein Scherbengericht in der CDU

          Die CDU drückt sich fürs Erste um eine tiefere Analyse ihres historisch schlechten Ergebnisses. Doch Merkels Partei steht nun vor riesigen Herausforderungen.

          Kanzlerkandidat a.D. : Noch schont die SPD Schulz

          Am Tag nach dem historischen Wahldebakel beginnt in der SPD die Suche nach Fehlern, Konsequenzen und Schuldigen. Auch wenn es keiner offen ausspricht, ist die Machtbasis von Ex-Kanzlerkandidat Schulz wacklig.
          „Epochale Herausforderungen“: Horst Seehofer am Montag in München

          Selbstverständnis der CSU : Ein Hauch von Kreuth

          Franz Josef Strauß hätte es geschüttelt angesichts des Zustands der CSU nach der Wahl. Die Partei ringt um Orientierung – und die Kritik an Horst Seehofers Kurs wächst.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.