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Kommentar Die Rundschau am Ende

 ·  Nicht nur der allgemeine Leserschwund, unter dem viele Zeitungen leiden, hat zum Ende der „Rundschau“ geführt. Das links-grüne Blatt hielt trotz schwindender Leserschaft zu lange am überregionalen Anspruch fest.

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Was hat die „Frankfurter Rundschau“ nicht alles versucht: Sparrunden, Gehaltsverzicht der Belegschaft, die Umstellung auf das kleinere Papierformat, eine Redaktionsgemeinschaft mit anderen Blättern aus der Dumont-Verlagsgruppe. Geholfen hat es nicht. Weil sie überschuldet ist, hat die Zeitung, die immerhin seit dem 1. August 1945 erscheint, Insolvenz angemeldet.

Allgemeine und besondere Ursachen kommen zusammen. Die deutschen Tageszeitungen - nicht jede einzelne, aber die Gattung insgesamt - verlieren Leser. Dieser Entwicklung, deren Ursache nicht nur das Internet ist, war die „Frankfurter Rundschau“ im besonderen ausgesetzt. Das links-grüne Blatt machte eine bleierne Phase durch, in der die Zeitung für viele schlicht langweilig, weil vorhersehbar wurde, während auf ihrem politischen Terrain die „taz“ frischer und frecher wirkte.

Und obschon die Leserschaft außerhalb Frankfurts schwand, hielt der Verlag an dem überregionalen Anspruch fest, erkauft mit hohen Vertriebskosten. Als die Zeitung wieder munterer wurde, war es zu spät. Der Einstieg der SPD-Medienholding und später des Kölner Verlages Dumont-Schauberg verschaffte der „Rundschau“, wie sich jetzt zeigt, nur einen Aufschub. Beide Gesellschafter glichen jahrelang Millionenverluste aus, die weiter zu tragen sie nun nicht mehr bereit sind.

Für die gedruckten Medien kommt derzeit auf jede gute Nachricht eine schlechte - oder umgekehrt. Das Magazin „Newsweek“ stellt am Jahresende seine Papierversion ein, die „Financial Times Deutschland“ steht auf der Kippe. Andererseits hat sich Warren Buffett, ein Mann, der sich aufs Geldverdienen versteht, an 63 amerikanischen Zeitungen beteiligt - nicht aus Mitleid, wie man vermuten darf. Und hierzulande gibt es Hinweise darauf, dass der Leserschwund zum Stillstand kommt.

So oder so sollte das ungewisse Schicksal der „Frankfurter Rundschau“ einer an die Gratismasche der digitalen Welt gewöhnten Gesellschaft Anlass zum Nachdenken darüber geben, was ihr unabhängige Zeitungen und eine Vielfalt der Stimmen wert sind.

Die Basislektion lautet: Gratismahlzeiten gibt es nicht. Wer für guten Journalismus nicht gutes Geld ausgeben will, liefert sich dem Kommerz und den Suchmaschinen aus, die gierig sind auf unsere Daten. Und wenn die letzte anständige Zeitung verschwunden ist, bleibt nur noch das Geschwätz.

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13.11.2012, 16:58 Uhr

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