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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Die Last von Gaza

 ·  Für die nach Propagandacoups lechzende Hamas war es ein Coup, den Bewohnern des Gazastreifens den Weg nach Ägypten freigebombt zu haben. Alle übrigen Parteien sind Verlierer - auch die Palästinenser, die zwei Tage Freiheit schnuppern und einkaufen konnten.

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Allein die islamistische Hamas hat Grund zum Jubeln. Alle übrigen Parteien sind Verlierer - auch die Bewohner des Gazastreifens, die nun zwei Tage in Ägypten Freiheit schnuppern und einkaufen konnten.

Diese Palästinenser sind Opfer des Machtkampfs zwischen der säkularen Fatah und der islamistischen Hamas. Sie bezahlen zudem dafür, dass die westliche Welt ihnen vor zwei Jahren die Wahl der rassistischen und terroristischen Hamas freistellte und sie dies Angebot auch nutzten.

Im Gazastreifen leben auf etwa 360 Quadratkilometern - der Stadtstaat Bremen hat 330 - mehr als 1, 5 Millionen Menschen. Seit Juni, als die Hamas die Macht an sich riss, dringen Israel und palästinensische Autonomie auf seine Isolierung. Nachdem sich in jüngster Zeit der Hagel von Kassem-Raketen auf das südliche Israel noch verstärkt hat - etwa 450 Geschosse schlugen in Sderot ein -, machte Israel mit einem rechtlich fragwürdigen Stopp der Diesellieferungen ernst.

Die schon wegen politischer Unfähigkeit nach Propagandacoups lechzende Hamas hat diese Situation genutzt und bombte den Weg nach Ägypten frei. Der ägyptische Präsident durfte den Hunger nach Mehl und Freiheit nicht mit Pistolen stoppen. Zugleich muss er fürchten, dass Israel ihm den 1967 aus ägyptischer Besetzung übernommenen Küstenstreifen wieder zuschieben will. Das Zusammenwachsen von Hamas und Muslimbruderschaft, die Mubaraks Regime am Nil gefährdet, könnte für ihn explosive Folgen haben.

Israel will die Last von Gaza loswerden, sieht sich aber weiter genötigt, als Besatzungsmacht aufzutreten, um die Terrorgefahr zu bannen. Es kontrolliert die Grenzen, die Vorräte an Wasser, Strom und Treibstoff und hält nicht zuletzt das Bevölkerungsregister in seiner Hand. Seit Monaten warnt die Armee davor, dass eine Großoperation gegen die Kassem-Raketen unabwendbar werde - und schreckt zugleich davor zurück.

Ein zweites Debakel wie den Libanon-Feldzug will im Gaza niemand riskieren. Fast unbeteiligt sah der palästinensische Präsident Abbas dem Gaza-Chaos zu. Wenn er seine Chance auf einen Friedensdialog mit Israel nicht verspielen will, darf er jetzt nicht den Ausgleich mit der Hamas suchen. Die aber zeigte nun allen Parteien, dass man 1,5 Millionen Menschen nicht einsperren und Hamas nicht einfach ignorieren kann.

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Jahrgang 1952, politischer Korrespondent für Italien und den Vatikan mit Sitz in Rom.

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