20.12.2004 · V.Z. Im Fall Daschner scheinen alle Verfahrensbeteiligten den Umständen entsprechend zufriedengestellt zu sein. Die Staatsanwaltschaft hatte für den angeklagten vormaligen Vizepräsidenten der Frankfurter Polizei ein Urteil angestrebt, das im Grunde einer Verwarnung gleichgekommen wäre.
V.Z. Im Fall Daschner scheinen alle Verfahrensbeteiligten den Umständen entsprechend zufriedengestellt zu sein. Die Staatsanwaltschaft hatte für den angeklagten vormaligen Vizepräsidenten der Frankfurter Polizei ein Urteil angestrebt, das im Grunde einer Verwarnung gleichgekommen wäre. Der Verteidigung war es mit dem geforderten Freispruch nicht Ernst, denn es ist nun einmal so, daß für Daschners Verhalten auch im Polizeirecht die gesetzliche Grundlage fehlte. Nun wird die Sache mit einer vergleichsweise milden Strafe beigelegt, die Daschners Tat als ungesetzlich qualifiziert, ohne ihn zugleich moralisch und beruflich weiter zu schädigen.
Doch kann all die Zufriedenheit ein Gefühl der Unzufriedenheit nicht auslöschen. Denn obgleich Daschner nicht gesetzmäßig gehandelt hat, wie man es von einem Hoheitsträger und schon gar von einem führenden Polizisten verlangen muß, so fällt es doch schwer, sein Verhalten als unmoralisch zu verurteilen. Er hat versucht, ein Leben zu retten. In dieser Lage war nicht Daschner, sondern Gaefgen der Mächtige. Das Kind lebte, wie dann herauskam, nicht mehr. Gaefgen hatte den Jungen schon ermordet. Er hatte ihm erst den Mund mit Klebeband verschlossen, dann die Nase, weil er "einfach Ruhe" wollte. Und den Mercedes. Im Prozeß gegen Daschner hat Gaefgen dann von seiner Angst erzählt, als man ihm Schmerzen androhte. Er habe um sein Leben gefürchtet. Er habe gesagt, wo das Kind zu finden sei, aber weiter große Angst gehabt. Wer hat sie ihm denn wohl gemacht?
Im "Rheinischen Hausfreund" von 1810 erzählt Johann Peter Hebel von einem Bauernpaar, das am Markttag einen Metzger zu Gast hat. "Da stoßt der Teufel die Frau an den Ellenbogen: ,Sieh, was dem Metzger eine Gurt voll Geld unter dem Brusttuch hervorschaut.'" Sie schlagen den Metzger tot, doch gewahrt die Frau, daß ihr Kind den Mord mit angesehen hat. Sie lockt es in die Waschküche, "steckt dem Kind den Kopf in die heiße Lauge und brüht es zu Tod". Der Hund des Metzgers findet die Spur seines Herrn, winselt und jault Hilfe herbei. Die Frau kann nicht fliehen, sie erblickt vor dem Fenster eine furchtbare Gestalt. Sechs Wochen später werden die Leichen der Mörder aufs Rad geflochten. "Und die Raben sagen jetzt: ,Das Fleisch schmeckt gut.'"