04.12.2008 · Die kräftigen Leitzinssenkungen sind ein weiteres Zeichen der Finanzkrise. Nahezu alle Konjunkturindikatoren weisen auf eine Verschärfung der Rezession in den Industrienationen hin. Auch in zahlreichen Schwellenländern verdüstert sich die Lage immer mehr.
Von Gerald BraunbergerDie kräftigen Leitzinssenkungen der Europäischen Zentralbank, der Bank von England sowie der Schwedischen Reichsbank sind ein weiteres Zeichen der Krise, die auf einem Teil des amerikanischen Immobilienmarktes begann, anschließend das internationale Finanzsystem an den Rand des Zusammenbruchs führte und allmählich die gesamte Wirtschaft ergreift. Nahezu alle Konjunkturindikatoren weisen auf eine Verschärfung der Rezession in den Industrienationen hin, und auch in zahlreichen Schwellenländern verdüstert sich die Lage immer mehr.
Eine der wenigen guten Nachrichten ist der deutliche Rückgang der Inflationsraten. Er erleichtert es den Zentralbanken, deren vornehmste Aufgabe die Sicherung des Geldwertes ist, ihre Zinsen zu senken. Die niedrigen Zinsen sollen einen Anreiz für zusätzliche Kreditvergaben der Banken an Unternehmen und Privatpersonen geben. Billiges Geld ist ein wirksames Mittel gegen Wirtschaftskrisen, aber in der gegenwärtigen Situation könnten zusätzliche Schritte notwendig sein. Denn nur Schuldner allererster Güte erhalten derzeit zu sehr günstigen Konditionen Geld, wie der Fall der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf weniger als drei Prozent belegt. Aber das ist eine Ausnahme. Selbst an sich gesunde Unternehmen können Kredite nur noch mit hohen Aufschlägen erhalten, weil sich die Banken, denen es selbst nicht gut- geht, scheuen, zusätzliche Risiken einzugehen.
Daher stellt sich die Frage, ob die Regierungen zusätzliche Schritte gegen die Rezession einleiten sollten. Mehrere Staaten wie Amerika, China und nun auch Frankreich haben Konjunkturprogramme angekündigt, die überwiegend mit Krediten finanziert werden müssen. Diese Programme erhöhen die Staatsschulden, allerdings können solide Staaten wie Deutschland derzeit zu ungewöhnlich günstigen Konditionen Geld aufnehmen. Die Bundeskanzlerin zögert, neben den jetzt beschlossenen, in ihrem Umfang bescheidenen Maßnahmen eine auf Kredit finanzierte Steuersenkung anzupacken. Diese Haltung ist so lange zu vertreten, wie Deutschland nicht in eine schwere Rezession abgleitet. Die jüngsten Daten lassen allerdings Schlimmes ahnen. Steuersenkungen und staatliche Investitionsprogramme werden bald auf der Agenda der Regierung stehen.
Gerald Braunberger Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
Jüngste Beiträge