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Kommentar Berichtet

17.01.2005 ·  Es gibt auch in der zweiten Bush-Regierung vermutlich Leute, die dem Konzept des militärisch erzwungenen Regimewechsels weiter anhängen. Ein Schlag gegen Iran führte aber ins Desaster. Nach Bushs irakischer Erfahrung kann man das nicht glauben.

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Die Zeitschrift ist politisch eindeutig positioniert, aber kein Revolverblatt; der Autor ist der Regierung Bush gewiß nicht zugetan, aber einer jener Reporter, die um einer guten Geschichte willen die "Fakten" erfinden, ist er bekanntermaßen nicht: Seymour Hersh hat jetzt in der Zeitschrift "New Yorker" berichtet, daß die Regierung Bush seit Monaten mögliche Angriffsziele in Iran habe ausspähen lassen - was das Weiße Haus zu einem eher lauen Dementi veranlaßte. Steht also der nächste Waffengang eines Präsidenten bevor, der partout den Mittleren Osten aus den Angeln heben will?

Zunächst fällt der Zeitpunkt der Veröffentlichung auf, deren Wahrheitsgehalt zwangsläufig unbewiesen ist: In wenigen Tagen wird Bush zum zweiten Mal in sein Amt eingeführt. Es ist keine beschwingte Melodie, welche die Amerikaner und die Welt auf die Zukunft da einstimmt.

Dumpf dröhnt der Baß des Umstürzlers Bush, der Iran ja schon mal auf einer Achse des Bösen verortet hatte und bei einem Teil des Publikums im Ruf des Kriegstreibers steht, dem alles Schlechte zugetraut wird.

Richtig ist auch, daß der lancierte Bericht über die Ausspähung militärischer Ziele der iranischen Führung und ihren europäischen Verhandlungspartnern signalisieren könnte, daß Washington die Entwicklung einer militärischen Nuklearkapazität Irans nicht hinnehmen werde. Die Adresse der Drohung wäre Iran ebenso wie die Europäer, denen dauerzumißtrauen eine schlechte amerikanische Angewohnheit geworden ist. Selbst Skeptiker werden zugeben müssen, daß es im Moment nur diese Initiative der Europäer gibt. Es wäre unklug, sie zu sabotieren und überdies jenen Kräften in Teheran das Wasser abzugraben, die es mit Öffnung, Verhandlungen und der Abkehr vom Terror ernst meinen.

Es gibt auch in der zweiten Bush-Regierung vermutlich Leute, die dem Konzept des militärisch erzwungenen Regimewechsels weiter anhängen. Vermutlich sind militärisch-geheimdienstliche Aufklärer in Iran, wo Amerika noch immer attraktiv wirkt, tatsächlich unterwegs. Sollte diese Aufklärung allen Ernstes zur Vorbereitung eines militärischen Schlages dienen, brauchte man allenfalls über das Ausmaß des Desasters zu spekulieren. Nach Bushs irakischer Erfahrung kann man das nicht glauben.

Quelle: K.F.; Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.01.2005, Nr. 14 / Seite 1
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