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Kommentar Bedrohungen

25.09.2006 ·  Kein Feld der internationalen Politik ist so vermint wie das Verhältnis zwischen der östlich-islamischen und der westlich-christlichen Welt. Zu glauben, Benedikt habe seine Regensburger Worte nicht ernst gemeint, hieße freilich, ihn zu unterschätzen.

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Kein Feld der internationalen Politik ist seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und dem Irak-Krieg unter Führung der Vereinigten Staaten so vermint wie das Verhältnis zwischen der östlich-islamischen und der westlich-christlichen Welt. Das muß auch Papst Benedikt XVI. bewußt gewesen sein, als er vor vierzehn Tagen in seiner Vorlesung an der Universität Regensburg einen spätbyzantinischen Kaiser zum Zeugen dafür nahm, daß das Verhältnis des Islam zur Gewalt historisch ungeklärt, ja in Gestalt der unveränderbaren Lehren des Korans sogar strukturell ambivalent sei. Die Frage ist also nicht unberechtigt, ob sich der Papst der möglichen Folgen seines Tuns bewußt war.

Die Ereignisse der vergangenen Tage von der Ermordung einer Nonne über die Verbrennung von Papstpuppen bis zu der als sensationell zu bezeichnenden Einladung des Papstes an Botschafter muslimischer Länder und Repräsentanten der islamischen Gemeinde in Italien erwecken den Anschein, als habe man im Vatikan die Tragweite der päpstlichen Äußerungen unterschätzt - vorausgesetzt, Benedikt XVI. hat überhaupt jemanden vorab um Rat gefragt. Schadensbegrenzung ist indes leichter gesagt als getan. Denn mit jedem Wort des Bedauerns über mögliche Mißverständnisse und der Erläuterung setzt sich Benedikt der Gefahr neuer Fehldeutungen aus. Gleichwohl hat der Vatikan nicht die Wahl. Der prekäre Status vieler christlicher Kirchen und Gruppen in islamisch geprägten Ländern vom indischen Subkontinent bis nach Schwarzafrika verlangt derzeit nach Diplomatie mehr als nach akademischem Diskurs.

Zu glauben, Benedikt habe seine Regensburger Worte nicht ernst gemeint, hieße freilich, ihn zu unterschätzen. Der Papst zitierte einen byzantinischen Kaiser, der sich der islamischen Expansion entgegenstemmte, die die orientalische Christenheit bald unter sich begraben sollte. Heute steht das okzidentale Christentum in einer vergleichbaren Gefahr. Seine Gegner kämpfen indes weniger mit Waffen, sondern setzen auf die selbstzerstörerischen Tendenzen von Atheismus und Materialismus. Mit einer Mischung intellektueller Harmlosigkeit und konfliktverschleiernder Beschwichtigungspolitik ist den inneren und äußeren Bedrohungen der Christenheit kaum beizukommen, jedenfalls nicht aus der Sicht dieses Papstes.

Quelle: D.D. ; F.A.Z., 26.09.2006
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