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Kommentar Aufschwung

01.05.2007 ·  Die deutsche Wirtschaft boomt, die Gewinne der Unternehmen steigen, die Auftragsbücher der Firmen sind voll, Fachkräfte werden dringend gesucht, die Arbeitslosigkeit sinkt merklich, und an den Aktienbörsen klettern die Kurse. Sind da Streiks jetzt der richtige Weg?

Von Holger Steltzner
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Die deutsche Wirtschaft boomt, die Gewinne der Unternehmen steigen, die Auftragsbücher der Firmen sind voll, Fachkräfte werden dringend gesucht, die Arbeitslosigkeit sinkt merklich, und an den Aktienbörsen klettern die Kurse.

Die gute Stimmung kann selbst die Delle im Einzelhandel infolge der Erhöhung der Mehrwertsteuer nicht trüben. Die deutsche Wirtschaft gilt auch international als Überraschung des Jahres. In der EU ist sie wieder Lokomotive der europäischen Konjunktur. Mit einer Wachstumsrate von etwa drei Prozent überholt sie sogar Amerika.

Aus guten Gründen sind die Arbeitnehmer am Tag der Arbeit gefeiert worden. Denn für den Aufschwung zeichnen in erster Linie Beschäftigte und Unternehmer verantwortlich, die durch Innovation, Kostendisziplin und flexible Mehrarbeit ihre Betriebe international wieder wettbewerbsfähig gemacht haben. Vor allem durch Verzicht und Mehreinsatz der Mitarbeiter hat die deutsche Wirtschaft wieder Kraft gewonnen. Doch das verschweigen Gewerkschaftsfunktionäre, die nur ungern an ihre falschen Rezepte für mehr Wachstum erinnert werden. Lohnverzicht lohne nicht, predigten die Funktionäre, nur höhere Gehälter könnten den Konsum stimulieren und nur mit weniger Arbeit für alle (35-Stunden-Woche) könnten mehr Arbeitsplätze geschaffen werden. Außerdem würge die Europäische Zentralbank mit hohen Zinsen den Aufschwung ab und gefährde über den starken Euro die Exportfähigkeit der Industrie.

Der kräftigste deutsche Aufschwung seit der Wiedervereinigung kündet vom Gegenteil. Allein das ist ein Grund, den Aufruf des Vorsitzenden der IG Metall, Peters, zu verschärften Warnstreiks zu hinterfragen. Könnten auch persönliche Motive im Spiel sein? Noch ist nicht klar, ob Peters im Herbst seinen Stuhl für den stellvertretenden Vorsitzenden Huber räumen wird.

Natürlich wollen die Beschäftigten einen fairen Anteil an den Gewinnen in der Metallbranche. Es ist aber zu fragen, ob die Durchsetzung einer Lohnerhöhung um 6,5 Prozent mittels schädlicher Streiks der richtige Weg ist. Für die Beschäftigten und die deutsche Wirtschaft wäre es besser, wenn die Metallgewerkschaft nicht länger gegen eine moderate Erhöhung der Löhne bei einer ordentlichen Beteiligung der Arbeitnehmer an den Gewinnen der Unternehmen kämpfte.

Quelle: F.A.Z., 02.05.2007, Nr. 101 / Seite 1
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