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21.04.2004 ·  Das Ende der Welteke-Affäre läßt hoffen. Die Wahl des angesehenen Wirtschaftsweisen Weber zum Nachfolger für den über luxuriöse Versuchungen gestolperten Präsidenten der Bundesbank ist eine kluge Entscheidung.

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Das Ende der Welteke-Affäre läßt hoffen. Die Wahl des angesehenen Wirtschaftsweisen Weber zum Nachfolger für den über luxuriöse Versuchungen gestolperten Präsidenten der Deutschen Bundesbank ist in mehrfacher Hinsicht eine kluge Entscheidung. Indem die Bundesregierung ihrerseits der Versuchung widerstanden hat, aus parteipolitischen Gründen einen Staatssekretär ohne ausreichendes fachliches Profil als obersten Währungshüter zu installieren, macht sie deutlich, daß sie die Unabhängigkeit der Bundesbank respektiert.

Die persönlichen Fehltritte von Welteke - die nicht zufällig gerade jetzt öffentlich wurden - und seine fehlende Einsicht in die Unzulässigkeit der Vermengung von Dienstlichem und Privatem haben dem Ansehen der Bundesbank schwer geschadet. Durch die Berufung eines von Parteien unabhängigen Fachmanns an die Spitze der Bundesbank kann das verlorene Vertrauen in der Bevölkerung wiederaufgebaut werden. Es braucht Zeit, bis das Zerrbild eines Party-Bankers als Währungshüter vergessen wird.

Kein Zurück zur geldpolitischen Macht der Vergangenheit

Webers zurückhaltendes Auftreten und seine stabilitätsorientierte Grundeinstellung werden ihm hierbei helfen und auch für einen freundlichen Empfang in der Bundesbank sorgen. Allen Beteiligten sollte daran gelegen sein, den fortgesetzten Bedeutungsverlust dieser ehemals stolzen Institution im In- und Ausland aufzuhalten. Natürlich gibt es nach der Euro-Einführung kein Zurück zur geldpolitischen Macht der Vergangenheit, als die Bundesbank allein über die Zinsen in Deutschland und indirekt in ganz Kontinentaleuopa entschied.

Doch in der Analyse der wirtschaftlichen Entwicklung und in der Unterstützung der richtigen Geldpolitik für das gemeinsame Währungsgebiet kommen ihr weiterhin wichtige Aufgaben zu. Auf der Suche nach ihrer Rolle im System der Europäischen Zentralbanken wird die Bundesbank nun von einem ideologiefreien Geld- und Währungsfachmann mit internationaler Erfahrung geführt. Aufgrund der deutschen Wirtschaftskraft wird dies eine herausgehobene Rolle bleiben.

Wenn Weber erfolgreich agiert, dann könnte aus der Bundesbank heraus im Mai 2006 - auch fachlich gut begründet - die Nachfolge von Issing, dem Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, angetreten werden. Angebahnt ist sie.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.04.2004, Nr. 94 / Seite 1 , hst.
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