18.10.2009 · Ohne eine Aufstockung der internationalen Truppen ist der Kampf gegen die Taliban nicht zu gewinnen - weder in Pakistan noch in Afghanistan. Im Frühjahr entscheidet sich, ob der Komplex „Afpak“ militärisch und politisch in den Griff zu bekommen ist.
Von Günther NonnenmacherIn Afghanistan steht die amerikanische Regierung und mit ihr die internationale Gemeinschaft gleich vor zwei Dilemmata. Das eine hat der kommandierende General McChrystal beschrieben: Ohne eine massive Aufstockung der internationalen Truppen und die verstärkte Ausbildung einheimischer Soldaten und Polizisten ist der Kampf gegen die Taliban nicht zu gewinnen. In Washington und in der Nato wird nun seit Wochen darüber gestritten, ob man McChrystals Forderungen nach Verstärkung nachkommen oder eine neue Strategie verfolgen solle.
Es wird Zeit, diesen Knoten zu durchschlagen. Zwar wird der Winter eine Verminderung der Kämpfe mit sich bringen; aber die afghanische Bevölkerung wird aus weiter anhaltender Unsicherheit ihre eigenen Rückschlüsse auf das zukünftige Engagement der internationalen Gemeinschaft in ihrem Land ziehen. Auch so kann man die Herzen und Seelen der Leute verlieren.
Fälschungen auf allen Seiten
Die Situation wird verschärft durch das zweite Dilemma: Die Präsidentenwahl hat keine Klärung der politischen Lage gebracht, im Gegenteil. Die Legitimität der Regierung Karzai - und vermutlich auch der anderen Politiker, die in Kabul eine Rolle spielen - ist geschwächt. Denn Fälschungen gab es offensichtlich auf allen Seiten, und eine Stichwahl - so gut demokratisch sich das anhört - würde die Bevölkerung noch einmal großen Risiken aussetzen; dass ihr Resultat „sauberer“ wäre, steht zu bezweifeln.
In dieser Lage eine Einheitsregierung zu bilden hört sich nicht schlecht an, und dass dies der Verfassung nicht entspräche, wäre noch das geringere Übel. Doch vermutlich würden sich die Rivalen gegenseitig lähmen, die Korruption würde nicht gestoppt, und die ohnehin schwache Zentralregierung verlöre den Rest ihres Ansehens.
In Pakistan hat die Armee inzwischen eine großangelegte Offensive gegen die dortigen Taliban gestartet. Damit soll vor allem die Scharte ausgewetzt werden, dass ihre Gegner sie zuvor in ihrem militärischen Hauptquartier angegriffen hatten. Einer der Effekte wird jedoch sein, dass sich unter den hunderttausend, die aus Südwasiristan fliehen, auch viele „Aufständische“ und Terroristen in unwegsame Grenzgebiete oder nach Afghanistan absetzen werden. Im nächsten Frühjahr wird sich entscheiden, ob der Komplex „Afpak“ militärisch und politisch in den Griff zu bekommen ist.
Endlich lernen
Markus Schwartz (Robaschi)
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