In Kolumbien macht sich die „Gesellschaft für technische Zusammenarbeit“ (GTZ) für das Konzept der „Alternativen Entwicklung“ stark. Kleinbauern sollen dadurch vom Anbau von Schlafmohn und Koka abgebracht werden. Doch Washingtons "Plan Colombia" lässt keine alternative Entwicklung zu.
Verdorrte Maisstauden stehen inmitten von ausgebleichten Schlafmohnpflanzen, deren Knospen schlaff herunterhängen. Die Wiese daneben hat sich braungelb verfärbt. Im Kräutergarten hinter dem properen Häuschen mit den weißgetünchten Lehmwänden stehen nur noch kümmerliche Reste. Oberlinda Daigón zeigt auf ein Kartoffelfeld und sagt verzweifelt: „Die ganze Ernte ist verloren.“
„Die Regierung kennt die traurigen Zustände in diesen Winkeln des Landes nicht“, meint ihr Mann Hermes Narváez. Vor einer Woche sind über ihr Anwesen in den südkolumbianischen Anden, das kaum ein Hektar groß ist, drei Sprühflugzeuge und fünf Hubschrauber der Polizei gebraust. Durch die Besprühung mit dem Pflanzengift Glyphosat soll der Schlafmohn im Territorium der Yanacona-Indianer vernichtet werden.
Die Logik der Kleinbauern
Doch das gelingt nur teilweise. Ein paar hundert Meter weiter ist ein Mohnfeld fein säuberlich in zwei Hälften geteilt: Vorne sterben die Stängel ab, hinten sind die Pflanzen intakt. Dunkelrot und rosa leuchten die Blüten herüber. Wie so viele hier haben Narváez und seine Frau einen kleinen Teil ihres Landes dem Mohnanbau gewidmet. „Dadurch, so dachten wir, kommen pro Jahr wenigstens ein paar hundert Mark herein“, erklärt der 55-jährige Kleinbauer. Obst, Gemüse, und Getreide dienen der Eigenversorgung, denn auf dem Markt bekämen sie dafür nur ein paar Pesos.
GTZ zwischen den Fronten
In dieser bergigen, bis zu 3000 Meter hohen Region will das GTZ-Projekt Bota Caucana Abhilfe schaffen: Statt Schlafmohn, aus dem Heroin gewonnen wird, sollen die Kleinbauern freiwillig legale Produkte anbauen. In der Gemeinde San Sebastián betreiben sie Forellenzucht. Früchte werden zu Säften und Marmelade weiterverarbeitet.
Allerdings setzt die kolumbianische Regierung trotz gegenteiliger Zusagen die Besprühungen im Projektgebiet fort. Deswegen hatte die GTZ bereits im vergangenem Jahr mit Rückzug gedroht. Die FARC-Guerilla, die die Region beherrscht, spricht sich zwar gegen Besprühungen und für Substitutionsprojekte aus. Doch mit der Entführung des GTZ-Projektleiters Ulrich Künzel hat sie die Arbeit vor Ort vollends zum Erliegen gebracht.
„Unter solchen Voraussetzungen kann die Substitution nicht funktionieren“, stellt Angel Solano von der Bauernorganisation Fundecima fest. Mit der ineffektiven Besprühung von kleinen Parzellen, so vermutet er, solle vor allem die Arbeit der sozialen Organisationen getroffen werden.
Kritik am „Plan Colombia“
Dass die Drogenbekämpfung aus der Luft ihren angeblichen Zweck verfehlt, räumt auch Marco Cordón ein. Von Popayán aus leitet der junge Polizeioberst die Sprüheinsätze in den südkolumbianischen Provinzen Cauca und Nariño. Wenn er über die Gebiete fliegt, die im letzten Jahr besprüht wurden, stellt er fest, dass „der Mohnanbau nicht wirklich zurückgeht.“ Doch das sei „ein politisches Problem“.
Amerikaner heizen Konflikt an
In der Tat: Repression und alternative Entwicklung schließen einander aus. Auch deswegen setzt sich der Gouverneur von Cauca, der Guambiano-Indianer Floro Tunubalá, vehement gegen den amerikanischen „Plan Colombia“ ein, durch den die Vereinigten Staaten Polizei und Armee aufrüsten. Ähnlich wie die GTZ plädiert der Gouverneur für zivile Ansätze, die von den Interessen der Kleinbauern ausgehen. Nach einem Auftritt des Gouverneurs vor dem amerikanischen Kongress erkannte der demokratische Abgeordnete John Conyers: „Anstatt zu helfen, heizen wir den internen Konflikt in Kolumbien an.“