23.10.2002 · Zehn Tage lang versuchen 3.000 Delegierte aus 180 Ländern, das Beste fürs Klima zu tun.
Welche Bedrohungen gehen von einem Klimawandel aus, was ist dagegen zu tun? Diese Fragen bestimmen die internationale Klimakonferenz, die am Mittwoch in Neu Delhi eröffnet wurde. Zehn Tage lang versuchen die 3.000 Delegierten aus 180 Ländern unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen, das Beste fürs Klima zu tun.
Der Konferenzpräsident, der indische Umweltminister T.R. Balu, machte gleich zum Auftakt auf die Auswirkungen des Klimawandels auf das Leben auf der Erde aufmerksam. Besonders für die armen Länder sei er ein großes Risiko. „Häufige Fluten und Dürren haben ernste Folgen“, warnte Balu. In Entwicklungsländern steige auf Grund drohender negativer Folgen der Erderwärmung das Armuts- und Hungerrisiko. Die Welt stehe vor einer „beunruhigenden Situation mit täglichen Katastrophen, die enorme Schäden verursachen und den Klimawandel zu einer nicht zu leugnenden Tatsache machen“, sagte der scheidende Konferenzpräsident Mohamed Elyazghi.
Umsetzung des Kyoto-Protokolls
Als ersten Schritt zur Lösung dieser Probleme nannte Balu das Kyoto-Protokoll zur Verminderung von Treibhausgasen. Das Protokoll müsse so schnell wie möglich in Kraft treten und umgesetzt werden. Zusätzlich regte er an, Klimaschutz und umweltgerechte Entwicklung miteinander zu verknüpfen. Dazu werde zum Abschluss der Konferenz eine „Deklaration von Neu Delhi“ verabschiedet.
Das Kyoto-Protokoll von 1997 ist trotz erheblicher Bemühungen auf den Klimakonferenzen in Bonn und Marrakesch erst von 96 Staaten ratifiziert worden, zuletzt von Afghanistan. Es soll Anfang kommenden Jahres umgesetzt werden. Neben den USA steht aber auch Russland den Vereinbarungen kritisch gegenüber. In Neu Delhi sollen die Weichen neu gestellt werden. Die Amerikaner sind zwar mit einer Delegation vertreten, sehen ihre Rolle aber eher als Beobachter denn als aktive Teilnehmer. Nach den Vorverhandlungen auf Beamtenebene wird Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) zum Ministerteil der Konferenz Mitte nächster Woche nach Indien reisen.
Ausstoß von Treibhausgasen senken
Außer dem Kyoto-Protokoll werden Möglichkeiten beraten, in einzelnen Ländern den Ausstoß der Treibhausgase zu vermindern. Dabei ist ein Thema die Anrechnung und der Handel mit so genannten Emissionsrechten und klimafreundlichen Projekten in Entwicklungsländern (wie Aufforstungen oder Anlagen mit erneuerbarer Energie). Balu sagte, es dürfe nicht übersehen werden, „dass diejenigen mit den geringsten Ressourcen die geringste Kapazität zur Anpassung haben und am meisten verwundbar sind“. Daher müssten die Industrieländer die Führung übernehmen, wenn es um die Änderung von Verhaltensweisen gehe. Umweltverbände mahnten dabei zu Beginn der Konferenz an, dass echte Reduktionen das Ziel sein müssten.
Zudem soll es um die weitere Zukunft gehen. Das Kyoto-Protokoll reicht nur bis 2012 und zieht bislang nur Industriestaaten in die Verantwortung. Entwicklungs- und vor allem Schwellenländer sollen nach 2012 in die Pflicht genommen werden.
Am Rande der Umweltkonferenz versammelten sich auch Nicht-Regierungsorganisationen zu einem Treffen. Sie kritisierten, die Vereinbarungen zur Verringerung der Treibhausgas-Emissionen würden zu langsam umgesetzt und es fehle den Entwicklungsländern an Geld für die Einführung alternativer Technologien. „Wir glauben, das Kyoto-Protokoll ist beklagenswert unzureichend für den Abbau der Emissionen, wenn man das ungeheure Ausmaß des Problems betrachtet, vor dem wir stehen“, sagte Kate Hampton von der Umweltschutzorganisation Friends of the Earth (FoE).