18.07.2001 · Höhere Temperaturen und steigende Meere sind nur zwei Faktoren, die bei einer Klimaänderung Flora und Fauna beeiflussen könnten.
Von Cornelia PretzerDie Erwärmung des Weltklimas wird verheerende Folgen für die Menschheit haben, erwarten Wissenschaftler. Das Weltklima erwärmt sich nach Daten der vereinten Nationen bis Ende des Jahrhunderts um 1,4 bis 5,6 Grad. Damit einher gehen eine Erhöhung des Meersspiegels, die Verschiebung von Klimazonen und alle damit zusammenhängenden Konsequenzen.
Nach den Berechnungen des internationalen Wissenschaftlerkomittees International Panel on Climate Change (IPCC, siehe Link IPCC) im Auftrag der Vereinten Nationen sind viele der Veränderungen schon sichtbar. Das arktische Eis sei bereits um 10 bis 15 Prozent zurück gegangen, die Eisdecke auf Flüssen und Seen schmelze zwei Wochen früher als vor 150 Jahren. In Europa blühten Gartenpflanzen 1993 im Schnitt 10,8 Tage länger als 35 Jahre zuvor. Zugvögel ziehen später im Jahr in wärmere Gefilde und kommen früher zurück. Schmetterlinge, Käfer und Libellen finden sich in immer nördlicheren Regionen.
Ideale Bedingungen für Orkane
In den mittleren Breiten prognostiziert das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) eine Verschiebung der Klimazonen in Richtung Nordpol um 150 bis 550 Kilometer. Dazu gehören mehr extreme Witterungsbedingungen, betont Peter Werner, Meteorologe am PIK. Durch die globale Erwärmung gerate immer wärmere, regnerische Luft nach Mitteleuropa; ideale klimatische Voraussetzungen für Orkane, sturmartige Windböen und Tornados, aber auch Überschwemmungen. Die selbe Beobachtung haben auch die Versicherer gemacht: „In den letzten fünf Jahrzehnten hat sich die Zahl der großen Naturkatastrophen vervierfacht“, erläutert Gerhard Berz, Klimaforscher und Leiter der „Forschungsgruppe Geowissenschaften“, der Münchener Rückversicherung.
Landwirtschaft und Weinbau
Für Deutschland prognostiziert das PIK im Nordosten ein Sinken der landwirtschaftlichen Erträge wegen Trockenheit um zwei bis sechs Prozent. Der Umstieg auf andere Getreidesorten könnte durch eine längere Wachstumsphase aber sogar höhere Erträge bringen. Zudem könnte deutscher Wein durch mehr Sonnenstunden voller werden.
Feldern wie Wäldern drohen durch das veränderte Klima mehr Schädlinge. Denn auch diese Lebewesen gedeihen bei höheren Temperaturen besser. Waldbrände werden wahrscheinlicher. Gerade in den Wäldern sind laut Petra Lasch vom PIK aber in den vergangenen 30 Jahren die Bäume besonders schnell gewachsen. Der erhöhte Kohlendioxydgehalt der Luft sowie die Düngung durch Stickstoffe aus Abgasen begünstigten das Wachstum.
Weltweite Veränderungen
Für die Welt sehen die Prognosen weniger rosig aus als für Deutschland. Bis 2100 steigt der Meeresspiegel schätzungsweise um neun bis 88 Zentimeter. Bei einem Steigen von 40 Zentimeter in den nächsten 80 Jahren sind nach Angaben des IPCC bis zu 200 Millionen mehr Menschen als heute von verheerenden Küstenstürmen bedroht. Zudem würde der Wasseranstieg die Niederlande rund sechs Prozent ihrer Landfläche kosten, Bangladesh bis zu 17,5 Prozent. Vom Majuro-Atoll auf den Marschall-Inseln würde nur ein Fünftel der Fläche übrigbleiben.
In trockenen Gebieten könne es hingegen zu starkem Wassermangel kommen. 1,7 Milliarden Menschen leben bereits in Regionen, in denen Trinkwasser knapp ist. Vor allem in Asien seien Ernten bedroht, warnen die Wissenschaftler.
Langfristige Veränderungen
Für eine globale Klimaänderung sprechen aber nicht so sehr die einzelnen Katastrophen wie Überschwemmungen oder Trockenheiten, heiße oder trübe Sommer, sondern viel mehr die langfristigen Messreihen, die eindeutig eine Zunahme der Treibhausgase und der Temperatur belegen. Selbst ein totaler Stopp der Produktion von Treibhausgasen würde nicht verhindern, dass die Gase, die schon in der Atmosphäre sind, eine Erwärmung herbeiführen.