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Papst-Reise : Petrus bei Andreas

Unglücklich ist das Patriarchat auch, weil es hofft, die Pentarchie wiederzubeleben. Das waren die von Kaiser Justinian (527 bis 565) kodifizierten fünf Patriarchate des frühen Christentums. In ihrem Mittelpunkt standen Rom und Konstantinopel, wobei letzteres noch heute Rom, wo Petrus und Paulus begraben sind, den Vorrang des Primus inter pares anerkennt. Große Kirchen gingen aus jedem der Patriarchatssitze hervor. Rom wurde Zentrum der lateinischen Kirche, Konstantinopel der Orthodoxie. Antiochien begründete die ostkirchliche Tradition mit den Armeniern und der Assyrern, Alexandria war die Mutterkirche der Kopten und Äthiopier. Das Patriarchat von Jerusalem war für alle Schwesterkirchen ein einendes Band.

Wiedersehen in Belgrad

Die Streichung des Titels „Patriarch des Abendlands“ und deren Folgen werden die gemeinsame Theologenkommission beschäftigen, erwartet Anagnostopoulos. Im September hatten sich katholische und orthodoxe Theologen nach langer Unterbrechung erstmals wieder in Belgrad getroffen. Der Patriarch und der Papst sprächen gewiß auch über die Kirchen in Osteuropa, die der orthodoxen Liturgie folgen, sich aber dem Papst unterstellen. Sie seien ein Dorn im Fleisch der orthodoxen Kirchen, sagt der griechisch-orthodoxe Erzbischof der Vereinigten Staaten, Erzbischof Dimitrios, der sich anläßlich des Papstbesuchs in der Türkei aufhält. Mit der Kommission habe man einen Rahmen, solche Themen zu behandeln.

Kaum mehr diskutiert wird heute über das „filioque“, über das Jahrhunderte gestritten wurde: Westgoten hatten 589 in das Glaubensbekenntnis, das die Konzilien von Nizäa 325 und Konstantinopel 381 formuliert hatten, ein „filioque“ eingefügt, und so fand es Eingang in die Kirche des Abendlands. Von da an glaubten die Christen des Abendlands, der Heilige Geist werde nicht allein vom Vater geleitet, sondern „filioque“ - auch vom Sohn. Heute steht anderes im Vordergrund. Und so kann Benedikt XVI. an diesem Donnerstag in der Patriarchatskirche St. Georg das Credo in Griechisch vorbeten, obwohl in ihm das „filioque“ der Lateiner nicht vorkommt.

Prekäre Lage

Türkische Nationalisten und Islamisten behaupten seit Tagen, der Patriarch wolle nach dem Gottesdienst, flankiert vom Papst, einen Kirchenstaat auf türkischem Borden ausrufen. Das werde nicht geschehen und sei nach orthodoxer Theologie auch gar nicht möglich, sagt Erzbischof Dimitrios. In der Türkei werde nicht verstanden, daß die seit dem 5. Jahrhundert bestehende Bezeichnung „ökumenisch“ ausschließlich spiritueller Natur sei. Noch heute unterstünden dem Ökumenischen Patriarchen direkt alle orthodoxen Christen, die nicht unter die Jurisdiktion einer autokephalen Kirche fielen, sagt Dimitrios. Noch immer aber weigert sich die Republik Türkei, diesen historischen Titel anzuerkennen. Sie sieht Bartholomaios nur als den Erzbischof für die 2000 orthodoxen Christen Istanbuls, nicht aber als das spirituelle Oberhaupt aller 300 Millionen orthodoxen Christen. Offiziell begründet die Republik ihre Weigerung damit, daß sie seit der Auflösung des Kalifats 1924 keine religiöse Institution anerkenne, die über die Grenzen der Türkei hinaus wirke. Dem Patriarchat werde der historische Titel verwehrt und jeglicher Rechtsstatus, klagt Dimitrios. Seine Immobilien wurden requiriert und die Hochschule zur Ausbildung orthodoxer Geistlicher auf der Insel Halki 1971 geschlossen.

Der Besucher aus dem Ersten Rom wird alle diese Probleme des Zweiten Rom erfahren, das Kaiser Konstantin gründete, indem er 330 den Mittelpunkt des Römischen Reichs vom Tiber an den Bosporus verlegte. Anders als das heidnische Erste Rom war das Zweite ja bereits christlich. Auch war der östliche Mittelmeerraum kulturell und wirtschaftlich dem im Westen klar voraus. Noch einmal schuf Kaiser Justinian I. ein einziges, das gesamte Mittelmeer umfassende Reich. In der Hagia Sophia schuf er 537 ein prächtiges Gotteshaus. Seine gewaltige, aber schwerelos schwebende Kuppel wurde zum Abbild des Himmels. Bis zum Fall von Konstantinopel 1453 war sie der Sitz des Patriarchen. Benedikt hat sie am Mittwoch besucht, bevor der Nachfolger Petri seinen „Bruder Andreas“ umarmte.

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