28.09.2003 · Nachdem Papst Johannes Paul II. am Samstag in besserer Verfassung als im Lauf der Woche die philippinische Präsidentin Arroyo empfangen hatte, gab er am Sonntag die Namen von 31 neuen Kardinälen bekannt.
Der schwer kranke Papst Johannes Paul II. hat am Sonntag die Namen von 31 neuen Kardinälen bekannt gegeben. Damit hat der 83Jährige auch die Weichen für die Wahl seines Nachfolgers an der Spitze der katholischen Kirche gestellt. Unter den genannten neuen Kardinälen ist ein Schweizer, aber kein Deutscher. Einen weiteren Namen will der Papst später bekannt geben.
Bisher gibt es 109 Kardinäle, die das 80. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und damit bei einer Papstwahl stimmberechtigt sind - das sind elf weniger als vorgesehen. Der Papst verlas die Namen der künftigen Purpurträger vom Fenster seines Amtszimmers aus. Die neuen Kardinäle kommen aus Nigeria, Frankreich, Sudan, Spanien, Schottland, Brasilien, Ghana, Indien, Australien, Kroatien, Vietnam, Guatemala, Ungarn, Kanada und Italien. In den Kardinalsstand erhoben wurde auch der als Außenminister des Vatikans fungierende Jean-Louis Tauran. Ein 31. designierter Kardinal wurde namentlich nicht genannt, da er offenbar aus einem Land stammt, in dem die katholische Kirche unterdrückt wird.
Die offizielle und feierliche Kardinalsernennung, die zunächst zum Jahresanfang 2004 geplant war, soll wegen der angeschlagenen Gesundheit des Papstes nun am 21. Oktober erfolgen. Dem Kardinalskollegiums, das eines Tages den Nachfolger von Johannes Paul II. wählen wird, gehören bislang 164 Geistliche an. Zuletzt hatte der Papst im Februar 2001 Kardinäle ernannt
Gesundheitlich bessere Verfassung
Am Samstag hatte der Papst in deutlich besserer gesundheitlicher Verfassung als noch Mitte der Woche die philippinische Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo empfangen und eine Messe im Petersdom abgehalten. Am Mittwoch hatte er seine Generalaudienz wegen eines Darmleidens abgesagt, seitdem aber wieder mehrere Termine mit Kirchenvertretern wahrgenommen. Während des 20minütigen Treffens mit Arroyo wirkte das Kirchenoberhaupt munter und verhältnismäßig erholt.
Johannes Paul war am Donnerstag, einen Tag früher als vorgesehen, von seinem Landsitz in Castel Gandolfo nach Rom zurückgekehrt. Er hielt seitdem bereits mehrere Treffen mit Kirchenvertretern ab. Im Anschluß an die Audienz verlas der Papst eine Predigt während einer Messe für zwei seiner Vorgänger. „Wir begehen heute das Mysterium des Glaubens in besonderer Erinnerung an meine verehrten Vorgänger, Papst Paul VI. und Papst Johannes Paul I.“, sagte der Pontifex. Beide starben im Jahr 1978. Die Messe, an der mehrere hundert Pilger teilnahmen, wurde von Kardinal Joseph Ratzinger zelebriert.