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Kinderbetreuung Politik und Wirklichkeit

Neue Zahlen zur Kinderbetreuung zeigen: Die Zahl der fehlenden Krippenplätze ist offenbar wesentlich geringer als von Bund und Ländern angegeben. Woran liegt das?

© dpa Vergrößern Ein Spiel mit vielen Bällen: Wie viele Kita-Plätze fehlen wirklich?

Politik beginnt mit der Wirklichkeit, heißt es gern unter Politikern. Doch was die Wirklichkeit ist, haben sie da meist schon im Kopf.

Jasper von Altenbockum Folgen:  

Bislang wurde in Bund und Ländern der Eindruck vermittelt, es fehlten noch massenweise Plätze für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren. Von 220.000 Plätzen ist die Rede, die fehlten, um den Rechtsanspruch zu erfüllen. Wie diese Zahl zustande kommt, wie überhaupt die Zahlen zustande kommen, die den Bedarf an Betreuungsplätzen beziffern, hat offenbar mehr mit Politik als mit Wirklichkeit zu tun.

Denn wie kommt es, dass ein für die kommunale Selbstverwaltung maßgeblicher Verband, der Deutsche Landkreistag, ganz andere Zahlen ermittelt hat, nämlich nur 11.700 fehlende Plätze? Das ist das Ergebnis einer Umfrage in 251 von insgesamt knapp 300 Landkreisen, die der Deutsche Landkreistag durchgeführt hat. Die Landkreise sind als Träger der Jugendhilfe für die Kinderbetreuung zuständig - neben den 107 kreisfreien Städten.

Der große Unterschied zwischen den Zahlen, die der Landkreistag ermittelt hat, und den Zahlen, die von Sozialverbänden und der Regierung in Umlauf gebracht werden, lässt sich nicht nur damit erklären, dass die kreisfreien Städte nicht berücksichtigt wurden. Dort ist der Bedarf wesentlich höher als in den Landkreisen, wesentlich höher auch als die 39 Prozent, die per Gesetz (mehr oder weniger willkürlich) vorgegeben wurden.

Die Diskrepanz beruht vielmehr auch darauf, dass politische Zahlen nichts mit wirklichen Bedürfnissen zu tun haben müssen, sondern mit politischen Programmen. Dazu zählen schon die 39 Prozent Versorgungsbedarf. Dazu zählt aber auch, dass bei allen Berechnungen der Bedarf nach Teilzeitplätzen unter den Teppich gekehrt wird. Denn es könnte ja sein, dass die Wirklichkeit noch nicht so weit ist, wie es die Politik gerne hätte.

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Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 22.02.2013, 15:21 Uhr

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