09.07.2009 · Was in Krümmel passiert ist, lässt in der Tat Zweifel aufkommen an der hohen Sicherheitskultur, welcher sich Deutschlands Kernkraftbetreiber gern rühmen. Tatsache ist aber auch, dass alle Fehler zusammen nicht einmal in die Nähe einer akuten Gefahr geführt haben.
Von Stefan DietrichDie Reise nach Tschernobyl hätte sich Sigmar Gabriel sparen können. Der Bundesumweltminister hatte eigens einen Besuch der Ukraine gebucht, um sich im dortigen Katastrophengebiet für seinen Wahlkampfschlager, den „Atomausstieg“, in Szene zu setzen. Er konnte ja nicht ahnen, dass ihm Vattenfall den Anlass dazu quasi vor der Haustür liefern würde. Nun war der Minister ausgerechnet nicht da, als Vattenfall-Chef Hatakka in Berlin seine gewundenen Entschuldigungen für die hochnotpeinlichen Vorfälle im Kernkraftwerk Krümmel vortrug.
Was in Krümmel passiert ist, lässt in der Tat Zweifel aufkommen an der hohen Sicherheitskultur, welcher sich Deutschlands Kernkraftbetreiber gern rühmen: Ein Messgerät wurde versehentlich nicht eingebaut, die Aufsichtsbehörde wurde nach dem Kurzschluss versehentlich zu spät informiert, ein defektes Brennelement wurde erst nach dem Anfahren entdeckt. Tatsache ist aber auch, dass all diese Fehler zusammen nicht einmal in die Nähe einer akuten Gefahr geführt haben.
Alle Sicherheitssysteme haben nach dem Kurzschluss im Transformator einwandfrei funktioniert. Wie bei Hunderten anderer „meldepflichtiger Ereignisse“, die es jedes Jahr in Kernkraftwerken gibt und die hierzulande immer wieder zu „Störfällen“ aufgebauscht werden, hat die Technik gehalten, was sie verspricht: den Schutz der Bevölkerung vor radioaktiver Strahlung. Schaden genommen haben vor allem Vattenfall selbst und die übrigen drei Konzerne, die solche Anlagen betreiben. Alle vier wissen, dass sie unter schärfster Beobachtung stehen und manche Politiker nur darauf warten, der Kernenergie in Deutschland den Todesstoß versetzen zu können.
Im Geschrei über die Unzuverlässigkeit von Vattenfall ist allerdings untergegangen, dass offenbar auch auf die Aufsichtsbehörden, die das Wiederanfahren von Krümmel genehmigt haben, kein Verlass mehr ist. Gibt es im zuständigen Sozialministerium von Schleswig-Holstein überhaupt noch genügend Fachkräfte, die über die notwendige Erfahrung für ihre Kontrollfunktion verfügen? Ein Skandal ist jedenfalls der Personalmangel in der Atomaufsicht von Bund und Ländern, dem die Politik seit Jahren tatenlos zusieht. Auch so kann man eine zum Absterben verurteilte Technik vorzeitig beenden.
Kernkraft und Elektrotechnik
Klaus Rommel (klrommel)
- 09.07.2009, 22:32 Uhr
Alles easy?
Horst Günther (MarkTwain)
- 10.07.2009, 01:50 Uhr
Et hat noch immer jotjegange
Klaus Henzler (thinkbest)
- 10.07.2009, 17:08 Uhr