25.07.2003 · Der britische Premierminister hat im Streit um die Rechtfertigung des Irak-Kriegs an Glaubwürdigkeit verloren. Und nun meldet auch noch die BBC, Blairs umstrittener Kommunikationschef Campbell wolle zurücktreten.
Die britische Regierung von Tony Blair hat nach dem Selbstmord des Waffenexperten David Kelly weiter an Vertrauen in der Bevölkerung verloren. In einer Umfrage des „Daily Telegraph“ bekannten 47 Prozent von insgesamt mehr als 2.200 Befragten, man könne Tony Blair „nicht ein Wort glauben“. 68 Prozent teilten die Ansicht, die Regierung habe offenbar die Kontrolle verloren.
Blairs Regierung wird vorgeworfen, Berichte über den Stand eines möglichen irakischen Waffenprogramms vor dem Krieg aufgebauscht zu haben. Für vertrauenswürdig halten der Umfrage zufolge nur 24 Prozent der Befragten den Premierminister.
Die Regierung ist seit Wochen wegen der Debatte um die Irak-Kriegsgründe unter Druck. In der vergangenen Woche hatte dieser noch zugenommen, nachdem sich der Biowaffenexperte David Kelly das Leben nahm. Kelly war dem Rundfunksender BBC zufolge die Quelle für einen Bericht, in dem der Regierung vorgeworfen wurde, Geheimdienstberichte über Iraks Massenvernichtungswaffen übertrieben zu haben. Kritiker werfen der Regierung vor, Kelly in einem nicht hinnehmbaren Maß unter Druck gesetzt zu haben, um den BBC-Bericht zu widerlegen.
BBC: Campbell tritt zurück
Die BBC läßt derweil nicht locker. Ihre jüngste Meldung über den Fall rückt Tony Blairs mächtigen Kommunikationschef und „Fädenspinner“ Alastair Campbell in den Mittelpunkt. Angeblich wolle er im Zusammenhang mit dem Selbstmord Kellys zurücktreten. Der BBC-Redakteur Andrew Marr berichtete unter Berufung auf Quellen in der Downing Street, daß Campbell dem Premierminister gesagt habe, er wolle gehen, sobald sein Name im Zuge der richterlichen Untersuchung zu den näheren Todesumständen Kellys reingewaschen sei. Seitens der Regierung in London wurde der Bericht am Freitag als „Wunschdenken“ zurückgewiesen.
Marr berichtete, Campbell wolle möglicherweise im Herbst sein Amt niederlegen. Ein Rücktritt vor Ende der Kelly-Untersuchung komme nicht in Frage, weil dies so interpretiert werden könnte, als habe die Regierung etwa falsch gemacht, hieß es. In gleichem Sinne berichtete auch der „Guardian“. Nach seinen Angaben könnte Campbell voraussichtlich im September zurücktreten.