22.09.2002 · Der amerikanische Verteidigungsminister Rumsfeld will sich angesichts der diplomatischen Krise zwischen Berlin und Washington nicht mit seinem deutschen Kollegen Struck treffen.
Angesichts der diplomatischen Krise zwischen Washington und Berlin sieht US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld keinen Anlass, sich bei der NATO-Konferenz in Warschau in der kommenden Woche mit seinem deutschen Kollegen zu treffen.
Im Nachrichtensender CNN verwies Rumsfeld am Samstag auf die Entlassung des damaligen Bundesverteidigungsministers Rudolf Scharping im Juli. „Ich habe keine Ahnung, ob ein Ersatz für diese Person in Warschau sein wird. Ich habe gewiss keine Pläne, mich mit jener Person zu treffen, während ich dort bin.“
Struck zur Nato nach Warschau
Scharpings Nachfolger Peter Struck (SPD) hatte am Freitag angekündigt, er werde direkt nach der Bundestagswahl zu dem informellen Treffen der NATO nach Warschau reisen. Er werde von Montag bis Mittwoch mit den anderen Verteidigungsministern der Allianz besonders den NATO-Gipfel der Staats- und Regierungschefs am 21. und 22. November 2002 in Prag vorbereiten, hatte sein Ministerium mitgeteilt. Es gebe jedoch weder eine offizielle Tagesordnung noch ein abschließendes Kommuniqué.
Vor Rumsfelds Äußerung hatte sein Stellvertreter Paul Wolfowitz Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) vorgeworfen, die Geschlossenheit der internationalen Staatengemeinschaft gegenüber dem Irak aufs Spiel zu setzen. Er hoffe, dass der Kanzler seine Haltung im Fall eines Wahlsiegs ändere.
Nach Schröders öffentlichen Stellungnahmen gegen einen etwaigen Militärschlag der USA gegen den Irak und seine Absage an eine deutsche Beteiligung daran hatten am Freitag angebliche Äußerungen
von Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) für Verärgerung in der amerikanischen Regierung gesorgt. Nach einem - von ihr selbst dementierten - Zeitungsbericht hatte die Ministerin die Irak-Politik von US-Präsident George W. Bush mit den Methoden des Nazi-Diktators Adolf Hitler verglichen.
In Washington deutete der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, am Freitag an, dass die US-Regierung dem Dementi der Ministerin wenig Glauben schenkt. Präsident Bush sei sehr verärgert.
Bushs Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice warf der Bundesregierung in der „Financial Times“ vor, sie habe die Atmosphäre mit antiamerikanischen Erklärungen vergiftet. „Ich würde sagen, dass wir
zuletzt keine glückliche Zeit mit den Deutschen hatten. Es wurden ein paar Sachen gesagt, die völlig inakzeptabel sind.“
Unterdessen berichtete die „Welt am Sonntag“, zwei Teilnehmer der Diskussionsrunde, in der die Ministerin ihre inkriminierten Äußerungen getan haben soll, wollten notfalls beeiden, dass sie sehr
wohl Bush mit Hitler in einen Zusammenhang gebracht habe. Die Zeitung berief sich dabei auf den Chefredakteur des „Schwäbischen Tagblatts“, Christoph Müller. Die beiden Gewerkschafter hätten sich beim „Tagblatt“ gemeldet, das Däubler-Gmelins umstrittene Äußerungen zitiert hatte, und ihre Bereitschaft zu eidesstattlichen Versicherungen bekundet.