25.12.2011 · Weihnachten gilt als Signal für den Aufbruch - auch für die katholische Kirche in Deutschland, die sich 2012 auf einem Katholikentag neu erfinden will. Aber wie?
Von Daniel DeckersRichtlinien für Lesermeinungen
Die FAZ.NET-Redaktion bietet allen registrierten und eingeloggten Nutzern die Möglichkeit, sich mit den aktuellen Beiträgen auf FAZ.NET konstruktiv und kritisch auseinanderzusetzen und eigene Leser-Kommentare zu veröffentlichen. Für jede Meinungsäußerung stehen 1000 Zeichen zur Verfügung. Voraussetzung für eine Veröffentlichung ist, dass die Verfasser und Verfasserinnen ihren wirklichen Namen nennen, d.h. in ihrer FAZ.NET-Registrierung den korrekten Vor- und Nachnamen eingetragen haben. Im Falle der Veröffentlichung des Leser-Kommentars weisen wir am Beitrag sowohl den Klarnamen als auch den Nickname des Lesers aus. Unter Pseudonym oder anonym verfasste Texte können nicht berücksichtigt werden.
Veröffentlicht werden nur Beiträge, die auf den jeweiligen Artikel und sein Thema seriös und sachbezogen eingehen. Links- und rechtsradikale, pornographische, rassistische, beleidigende, verleumderische sowie ruf- und geschäftsschädigende Inhalte können nicht berücksichtigt werden, ebenso wenig sachlich falsche oder in angemessener Zeit nicht nachprüfbare Behauptungen. Links sind in den Leser-Kommentaren von FAZ.NET nicht gestattet. Die Redaktion behält sich vor Leser-Kommentare zu kürzen oder zu modifizieren. Jeder verfasste Beitrag wird von der Redaktion geprüft und schnellstmöglich veröffentlicht, sofern er diesen Richtlinien für FAZ.NET-Lesermeinungen nicht zuwiderläuft. Nutzern, die wiederholt versuchen, den Richtlinien nicht entsprechende Beiträge zu veröffentlichen, kann die Registrierung entzogen werden.
Für veröffentlichte Meinungsbeiträge gewähren Sie uns das unentgeltliche, zeitlich und örtlich unbegrenzte und nicht ausschließliche Recht, diese Aussagen ganz oder teilweise zu nutzen, zu vervielfältigen, zu modifizieren, anzupassen, zu veröffentlichen, zu übersetzen, zu bearbeiten, zu verbreiten, aufzuführen und darzustellen, Dritten einfache Nutzungsrechte an diesen Aussagen einzuräumen sowie die Aussagen in andere Werke und/oder Medien zu übernehmen.
Wir möchten Sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass der gesamte Auftritt von FAZ.NET von verschiedenen Suchmaschinen intensiv ausgewertet wird und die Inhalte dort auch gelistet werden. Das schließt die Leser-Kommentare automatisch ein, so dass diese auch über FAZ.NET hinaus im Internet jederzeit recherchierbar sind.
Der Untertitel ist falsch. Die katholische Kirche will und wird sich
nicht neuerfinden. Und sie wird auch nicht die Tradition über Bord
werfen. Und der Katholikentag ist etwas regional, für die Kirche in
Deutschland, nicht die Weltkirche. Und die wächst übrigens
weiter stark.
Worum geht es? Es geht um die Glaubenskirche. Denn keine Änderungen
von Strukturen zeigt Wirkung, wenn Glauben ein Formalismus ist. Papst
Benedikt hat daher auch von einer Glaubenskrise gesprochen. Das ist der
Kern. Alle anderen Maßnahmen bekämpfen Auswirkungen, nicht
Ursachen. Daher ist so etwas wie Nightfever eine schöne Sache
Glauben (und nicht Kirche!) näher zu bringen.
Die katholische Kirche sollte die Abteilung" Glauben" und die Abteilung" Tradition" getrennt von einander führen.Die Vermischung der beiden Abteilungen und die gegenseitigen Abhängigkeiten fahren letztlich die Abteilung Glauben an die Wand.Es ist wie bei einer Bank,die Investmentbanking und normales Kundengeschäft vermischt,mit dem Ziel möglichst sehr hohe Gewinne einzufahren,wobei das normale Kundengeschäft zur Risikoreduzierung beiträgt.Das kann nicht gutgehen.Und deshalb sitzt die katholische Kirche samt Papst in ihrem eigenen Gefängnis.Die "Legitimität" aus Verfahren,hier der Tradition,macht letztlich die Abteilung Glauben kaputt. Irgendwann wird die katholische Kirche das Endstadium eines Traditionsvereins sein.Und dann dürfte der Glauben,so wie sich die katholische Kirche sich das vorstellt (wie bei den Banken) dahin sein.Und dann könnte ein neuer Anfang gemacht werden können.Irgendwann kommt ein historischer Zeitpunkt,wo das passieren wird.
So lange sich die katholische Kirche nicht ihrer arg verstaubten Dogmatik entledigt, das Zölibat oder das Verbot einer gemeinsamen Abendmalsfeier mit den Protestanten nicht über Bord wirft und nicht bereit ist, in ihren eigenen Reihen rückhaltlos aufzuräumen und Schadenersatz zu leisten, wird sie zu dem werden, wie ihre Vertreter andere christliche Gemeinschaften, wie etwa die Protestanten, gerne bezeichnen: Zu einer Sekte!
Ich verstehe nicht so genau warum der Dialog so im kirchlichen Kontext
diskreditiert ist. Seit dem überlieferten Beginn der Kirche wird in
ihr diskutiert und alle dogmatischen Wahrheiten sind Produkte von
Diskursen und Abstimmungen. An diesen haben zwar nur ein Teil der Kirche
teilnehmen können (geweihte Männer) aber immerhin gibt es mit
den Konzilien eine lange Diskurstradition in der Kirche.
Zu youcat: wenn ein Buch kostenlos ist, kann es leicht ein Welterfolg
werden. Die Jugendlichen, die aus unseren Gemeinde in Madrid begeistert
beim WJT waren, hat keiner diesen Katechismus gelesen. Und
"unser" Buchhändler hat nur eins verkauft.
zu nightfever: dieser katholische Versuch, die Taizéliturgie
für sich zu reklamieren und mit katholischen Essentials zu versehen
(Anbeteung, Katchese, Beichte) hat eine extrem hohe mediale
Aufmerksamkeit. Aber zu jedem Taizégebet in unserer Kirche kommen
mehr Menschen als zum Nightfever im Dom.
was die ewigen und letzten Fragen angeht, überhaupt so etwas wie einen Aufbruch, einen Umbruch oder sonstigen Bruch geben?
Papstrede bei Weihnachtmesse - Musterbeispiel an Doppelmoral
Papst Benedikts Aufforderung zu Demut und Bescheidenheit ist für mich ein Musterbeispiel an Doppelzüngigkeit und scheinheiliger Doppelmoral. Inmitten des Petersdomes umgeben von Pracht und Prunk der seines Gleichen sucht, scheint ein Aufruf zu Zurückhaltung und Entkommerzialisierung eine Verhöhnung aller Gläubigen. Umgeben und geblendet vom Gold des Petersdomes, scheint Benedikt wohl zu verkennen, dass für viele Menschen eine Fixierung auf das Materielle eine existenzielle Bedeutung hat.
Den Aufbruch in der katholischen Kirche gibt es schon, in den neuen
Gemeinschaften die in ihrer Bedeutung an vielen Orten die Pfarreien
übertreffen. Kennzeichen dieser Gemeinschaften ist die Nähe
zum Glauben und das man dort weitestgehend ohne Kirchensteuer auskommen
scheint ihnen gut zu bekommen. Denn während der ZDK und diverse
katholische Verbände von Sinn- und Bedeutungslosigkeit erfüllt
sind und entsprechend wenig Zuspruch bei den Katholiken haben, sind die
neuen Gemeinschaften sehr lebendig und auch für junge Menschen
interessant. Die Pfarreien sind deshalb kein Auslaufmodell. Dort wo man
sich dem Glauben hinwendet sind auch die Pfarreien erfolgreich und lebendig.
Noch was zur Mitgliederentwicklung: Man redet vom Mitgliederschwund und
meint das sei ein negatives Zeichen. Dabei wird übersehen das in
allen Kirchen, Vereinen und ähnlichen Gruppierungenein viel
größerer Mitgliederschwund ist als in der Katholischen Kirche
- das ist ein gesellschaftliches Problem, kein katholisches.
Daniel Deckers Jahrgang 1960, in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.
Jüngste Beiträge