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Katholische Kirche Die Freiheit des Papstes

17.02.2009 ·  Der Fall des mittlerweile demissionierten Linzer Weihbischofs Wagner zeigt, dass man mitunter den Freunden und Ratgebern des Papstes nur wohl genug gesinnt sein muss, um Bischof zu werden. Einen Königsweg, um Dramen dieser Art auszuschließen, gibt es nicht - aber Alternativen.

Von Daniel Deckers
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Weniges ist im Recht der römisch-katholischen Kirche aus dem Jahr 1983 mit so wenigen Worten geregelt wie die Bestellung der Bischöfe: „Der Papst ernennt die Bischöfe frei oder bestätigt die rechtmäßig Gewählten“, heißt es kurz und bündig. Das war im Laufe der Kirchengeschichte nicht immer so. Doch die Zeiten, in denen weltliche Autoritäten von Rechten und Privilegien bei der Besetzung geistlicher Ämter fleißig Gebrauch machten, liegen länger zurück, und Begriffe wie Simonie und Nepotismus klingen nicht nur ihrer fremdsprachigen Herkunft wegen wie aus einer versunkenen Welt.

Für den Papst stellt sich freilich die Frage, wie er von dieser Freiheit Gebrauch macht. Wie in vielem ist er auch bei der Vorauswahl der Kandidaten für ein Bischofsamt auf eine funktionierende Verwaltung angewiesen - und weniges wird in der katholischen Kirche mit so viel Aufwand betrieben wie die Erstellung eines Persönlichkeitsbildes potentieller Bischöfe. Der Rest wiederum ist Kirchenpolitik, die ebenso macht- und interessengeleitet ist wie jede weltliche Politik auch.

In diesen Ränkespielen zu bestehen erfordert fast übermenschliche Kräfte. Johannes Paul II. verließ sich in Personalfragen oft auf seine mit politischem Kalkül gepaarte Intuition - nicht immer mit Erfolg. In den Niederlanden, Österreich und der Schweiz, aber auch in einigen Ländern Lateinamerikas wurde die nachkonziliare Krise der Kirche durch seine Ernennungspolitik noch verschärft.

Benedikt XVI. schien dagegen geneigt, der Auswahl der Nuntien und der Bischofskongregation zu trauen. Doch wie es um deren Fähigkeiten stehen kann, zeigte sich vor zwei Jahren in Polen: Der Rückzug des ernannten Erzbischofs von Warschau Wielgus wegen Stasi-Kontakten hätte Rom eine Warnung sein müssen. Es ist nicht zu erkennen, dass sie ernstgenommen wurde.

Mehr noch: Der Fall des mittlerweile demissionierten Linzer Weihbischofs zeigt, dass man mitunter den Freunden und Ratgebern des Papstes nur wohl genug gesinnt sein muss, um Bischof zu werden. Einen Königsweg, um Dramen dieser Art auszuschließen, gibt es nicht. Aber es gibt in der Kirche längst ein Verfahren, das die unvermeidlichen Risiken minimiert: das in Deutschland traditionell weitverbreitete Recht der Domkapitel, aus einer im Vatikan erstellten Dreierliste einen Bischof zu wählen. Der Papst ist frei, diesem Recht auch andernorts Geltung zu verschaffen.

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Jahrgang 1960, in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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