Home
http://www.faz.net/-gpf-7gwxz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Katholische Kirche Der freigebige Bauherr von Limburg

Die Kosten der Bauten für Bischof Tebartz-van Elst haben sich vervielfacht. Woher kam das Geld? Wurde es rechtens verwendet? Das Bistum lässt Anfragen ins Leere laufen.

© Rosenkranz, Henner Vergrößern Hier mauern nicht nur die Maurer: Das Bistum Limburg gibt keine Auskunft zur Finanzierung der Bauten

Das Buch trägt den Titel „Rechtskultur in der Diözese“ und hat, dem Erhaltungszustand nach zu urteilen, nicht viele Leser gefunden. Fast unberührt schlief es in der Bibliothek des Priesterseminars Limburg den Dornröschenschlaf, der den meisten Büchern bestimmt ist, die Themen wie „Bischofsprofil. Kanonische Eignung und Bestellung“ oder „Administrative Rechte und Pflichten des Diözesanbischofs“ gewidmet sind. Doch die Verachtung, die viele Theologen dem Recht der katholischen Kirche bis heute entgegenbringen, könnte sich bald rächen, jedenfalls im Bistum Limburg.

Daniel Deckers Folgen:  

Das Drama begann im Jahr 2004. Das Limburger Domkapitel war der Situation überdrüssig, dass Bischof Kamphaus abseits der Stadt im zweiten Stock eines Seitenflügels des Limburger Priesterseminars wohnte. Ein Bischofshaus in der Nähe des Domes sollte her, wie es in den meisten Bistümern in Deutschland schon immer gute Übung war. Eine geeignete Fläche war schnell zur Hand: das Areal rings um die „Alte Vikarie“, ein imposantes mittelalterliches Fachwerkgebäude vis-à-vis dem Limburger Dom. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte es schon einmal als Bischofshaus gedient. Nun sollte die Vikarie um ein Wohnhaus ergänzt werden und als Ensemble den Ausgangspunkt bilden, um den gesamten Domberg kirchlich zu beleben. Doch das Domkapitel machte die Rechnung ohne den Bischof. Kamphaus widersetzte sich dessen Wünschen und wohnte bis zu seiner Emeritierung im Februar 2007 im Priesterseminar.

Aus zwei wurden zehn Millionen Euro

Sein Nachfolger, der Münsteraner Weihbischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, war noch nicht im Amt, als das Domkapitel auf den Umzugsplan zurückkam. Für die Ertüchtigung der Alten Vikarie und den Neubau eines Wohnhauses veranschlagte das Gremium im Dezember 2007 etwa 3,5 Millionen Euro, in Zeitungsberichten war unter Berufung auf einen namhaften Architekten von sechs bis sieben Millionen Euro die Rede. Im Bistum erhob sich daraufhin ein Sturm der Entrüstung. Gerade erst waren die Pfarrgemeinden unter dem Motto „Sparen und Erneuern“ zu maßvoller Haushaltsführung angehalten worden, und nun das. Mitte Januar 2008 und damit kurz vor Tebartz’ Amtseinführung begrenzten Kapitel, Finanzdirektor und Baudezernat die Kosten für alle Baumaßnahmen auf zwei Millionen Euro.

Zu Beginn dieses Sommers wurde das nunmehr „Diözesanes Zentrum Sankt Nikolaus“ genannte Ensemble offiziell seiner Bestimmung übergeben. Doch selbst der zwischendurch auf 5,5 Millionen Euro erweiterte Kostenrahmen erwies sich nach dreijähriger Bauzeit als zu eng. Am Morgen des 29. Juni 2013 teilte das Bistum Limburg mit, die Gesamtkosten für die Errichtung des Diözesanen Zentrums betrügen 9,85 Millionen Euro. Doch auch die Steigerung auf das Fünffache des zunächst veranschlagten Betrags sollte noch nicht das letzte Wort sein.

Schon am Eröffnungstag wurde rings um den Domberg darüber gerätselt, wer überhaupt für die fast zehn Millionen Euro aufgekommen sei. Das Bistum Limburg hatte aus Kirchensteuermitteln eine Rücklage von 2,5 Millionen Euro gebildet. Dieser Betrag war offenbar ebenso verbraucht wie die drei Millionen Euro, von denen es bis dahin geheißen hatte, sie sollten dem Vermögen des sogenannten Bischöflichen Stuhls entnommen werden, einer Körperschaft des öffentlichen Rechts. Woher stammten die übrigen rund vier Millionen Euro, die für den Bau ausgegeben worden sein mussten?

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Bistum Limburg Keine Planung für Tebartz-Abschied

Es gibt einige Spekulationen darüber, dass für Tebartz-van Elst eine Abschiedsveranstaltung bevorsteht. Das Bistum verwehrt sich dem. Doch die Frage, wie die Amtszeit von Tebartz-van Elst beendet wird, bleibt. Mehr Von Stefan Toepfer, Frankfurt

16.12.2014, 06:35 Uhr | Rhein-Main
Nofretete tanzt in Berlin mit den Sternen

In Berlin wird wieder wild getanzt, und das so aufwändig wie noch nie: Mehr als zehn Millionen Euro hat sich das Revuetheater Friedrichstadtpalast seine neue Show The Wyld - Nicht von dieser Welt kosten lassen. Mehr

13.10.2014, 10:41 Uhr | Gesellschaft
Jochen Riebel Der Klartextredner

Ein Konservativer, der gerne aneckt und den ehemaligen Bischof von Limburg öffentlich angriff: Jochen Riebel, vormals Chef der Staatskanzlei in Hessen, ist auch im Ruhestand ein streitbarer Mann. Mehr Von Heike Lattka, Mainz

06.12.2014, 10:25 Uhr | Rhein-Main
Aktuelle Steuerverschwendung

Aussichtsplattformen mit Blick auf Nichts. Straßen, die nicht befahren werden. Eine Bundeswehrkita, die fast 2.5 Millionen Euro kostet. Der Bund der Steuerzahler hat ein neues Schwarzbuch herausgegeben. Mehr

07.10.2014, 19:10 Uhr | Wirtschaft
9,5 Millionen Euro zusätzlich Bistum Limburg will mehr Geld ausgeben

223,2 Millionen Euro - diese Summe umfasst der Etatplan des Bistums Limburg für 2015. Rund 102 Millionen Euro sollen in die Gemeinden gehen. Mehr

15.12.2014, 12:40 Uhr | Rhein-Main
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 26.08.2013, 12:25 Uhr

Falsche Führung

Von Reinhard Müller

Der Bamberger Erzbischof Schick warnt Christen vor der Teilnahme an „Pegida“-Demonstrationen. Gegen was soll ein Christ demonstrieren dürfen, wenn nicht gegen die „Islamisierung Europas“? Mehr 10 57