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Katholische Internetportale : Wächter und Hetzer

Papsttreu: Roland Noé, Chefredakteur von kath.net Bild: Rainer Schüller/derstandard.at

Kath.net, kreuz.net und gloria.tv haben sehr klare Vorstellungen davon, was katholisch ist. Inhalt und Methoden der Portale unterscheiden sich.

          Auf der einen Wand hebt Papst Benedikt XVI. segnend die Hand, von der anderen lächelt Johannes Paul II. Auch das Kruzifix über der Tür fehlt nicht. Auf den Quadratmetern dazwischen drängen sich Schreibtische mit Computern, Regale und ein Besprechungstisch. In Linz, nur einen Steinwurf entfernt vom Mariendom, betreibt Roland Noé kath.net. Es ist das erfolgreichste katholische Nachrichtenportal im deutschsprachigen Raum - und in privater Hand. Etwa 40.000 Nutzer zählt der 42 Jahre alte österreichische Theologe jeden Tag auf seiner Website, mehr als offizielle Portale wie katholisch.de oder Bistumsseiten. Während diese versuchen, mehreren kirchlichen Strömungen gerecht zu werden, setzt Noé auf ein scharfes Profil: papsttreu, rechtgläubig und streitbar. Kritiker werfen ihm Kampagnenjournalismus vor.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Noé setzt sich auf den Platz gleich unter dem Bild des deutschen Papstes. „Etwas Junges, Modernes, Katholisches“ habe er anbieten wollen, erzählt er und meint damit eine Alternative zu all den Kirchenzeitungen, die ihm zu progressiv, zu regional oder zu sehr beides waren. Die Redaktionsstube habe der Linzer Bischof gesegnet, und auch Benedikt XVI. sei glücklich, dass es kath.net gebe. Das habe der Papst ihm persönlich gesagt. Jungenhaftes Gesicht, graue Schläfen, das grüne Poloshirt wölbt sich ein wenig um die Leibesmitte - Noé entspricht eher dem Bild eines freundlichen Gemeindereferenten von nebenan, der jeder Seele hinterherrennt. Doch er glaubt, dass die katholische Kirche sich in einem Prozess des „Gesundschrumpfens“ befinde. Die zehn Prozent, die noch zur Messe gingen, seien der harte Kern, der bleiben werde. Von „Taufscheinkatholiken“ hält er wenig.

          Kath.net war nur die Vorhut

          Auf Wohlwollen stößt Noé bis weit hinauf in der Kirchenhierarchie. In Rom ist er bestens vernetzt. Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, den neuen Präfekten der Glaubenskongregation, und den Schweizer Kurienkardinal Koch kenne er gut, Georg Gänswein, den Privatsekretär des Papstes, „ein wenig“. Dem Wiener Kardinal Schönborn verdankt Noé finanzielle Unterstützung für sein Projekt. Als kath.net 2001 online ging, half die Österreichische Bischofskonferenz. 2005 stellte sie die Überweisungen ein, ohne offiziell einen Grund zu nennen. Beobachter sagen, damals hätten sich Beschwerden über die einseitige Berichterstattung gehäuft. Geld bekommt kath.net heute von Werbekunden und Spendern; auch erhält das Portal im Jahr 20.000 Euro von „Kirche in Not“ - wiederum auf Empfehlung Schönborns. Der Kardinal schätze es, dass sich junge Katholiken im Internet engagierten und dabei im Gegensatz zu anderen Seiten wie kreuz.net versuchten, auf dem Boden der katholischen Lehre zu bleiben, lässt sein Sprecher wissen.

          Das fromme Familienunternehmen, zu dessen Redaktion Noés Ehefrau und seine Schwester zählen, nimmt es mit den handwerklichen Regeln des Journalismus nicht immer ganz so genau: In den Beiträgen mischt sich Nachricht mit Kommentar und bisweilen auch Polemik, in den Nutzerkommentaren bleibt schon mal eine Diffamierung stehen. Dokumente aus Rom werden schnellstmöglich in voller Länge publiziert. Reformfreudige Priesterinitiativen, progressive Laiengruppen und liberale Bischöfe hingegen können mit Widerspruch rechnen.

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