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Kaschmir-Konflikt Kaschmir: Keine Seite gibt nach

Es gibt Gesprächsangebote über den Kaschmirkonflikt, doch auch im neuen Jahr sind bei Gefechten schon mindestens 14 Menschen getötet worden.

© AP Ende der Gefechte nicht in Sicht

Das neue Jahr begann in Indien und Pakistan mit der Hoffnung, dass die gegenwärtigen schweren Spannungen doch nicht zu einem Krieg führen. Ein Ausweg aus der Krise ist in Sicht, weil Pakistan Moslemextremisten festgesetzt und Indien die Festnahmen gelobt hat.

Solange die eigentliche Ursache der Beinahe-Kriege der vergangenen Jahre, nämlich der Streit um das geteilte Kaschmir, ungelöst bleibt, werden derartige Krisen zwischen den Atommächten Indien und Pakistan nach Ansicht von Beobachtern aber immer wiederkehren. Indiens Regierungschef Atal Behari Vajpayee bot immerhin Gespräche an: „Gemeinsam sollten wir uns die Vergangenheit mit den nutzlosen Feindseligkeiten hinter uns lassen und eine Zukunft frei von Spannungen begrüßen“, schrieb Vajpayee in seiner Neujahrsbotschaft, während er vor wenigen Tagen noch einen Krieg zwischen den Atommächten nicht ausgeschlossen hatte.

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Die jüngste Krise begann am 13. Dezember. Mutmaßliche moslemische Extremisten überfielen das indische Parlament, 14 Menschen kamen um. Indien macht die Gruppen Lashkar-e-Toiba und Jaish-e-Mohammed dafür verantwortlich, die ihre Hauptquartiere in Pakistan haben, und verlangte, Pakistan müsse diese Gruppen zerschlagen. Als Pakistans Militärmachthaber Pervez Musharraf zögerte, begann Indien einen Truppenaufmarsch an den Grenzen in Kaschmir, Punjab und Rajasthan, der ohne Beispiel in den vergangenen Jahren ist.

„Wir wollen keinen Krieg, aber er wird uns aufgezwungen. Dem werden wir uns stellen müssen“, sagte Vajpayee und löste damit Alarmstimmung in aller Welt aus. Kommentatoren in Indien meinen, genau das, die Alarmstimmung, sei die Absicht Vajpayees gewesen. Er habe nicht wirklich vorgehabt, Lager der Extremisten auf pakistanischem Boden anzugreifen und damit einen Krieg auszulösen. Er habe nur den Druck auf Musharraf erhöhen wollen, die Extremisten festzunehmen, und das sei ja nun gelungen.

Westliche Diplomaten werten dies aber als gefährliches Manöver. Denn was wäre, wenn es noch einen schweren Anschlag gäbe und Vajpayee seinen Drohungen Taten folgen lassen müsste? Was wäre, wenn eines der täglichen Artilleriegefechte an der Grenze in Kaschmir eskalierte?

Zum ersten Mal schreckte die Welt auf, als Indien und kurze Zeit später Pakistan 1998 Atomtests unternahmen. Zum zweiten Mal hielt die internationale Gemeinschaft den Atem an, als 1999 pakistanische Freischärler in den indischen Teil Kaschmirs einfielen und Indien mit Luftangriffen hart an der Grenze reagierte. Nun löste die Terrorattacke auf das indische Parlament die dritte Krise aus. „Erst nachdem Indien von Krieg sprach, reagierte die Welt, und US-Präsident George Bush zwang Musharraf, gegen die Gruppen Lashkar-e-Toiba und Jaish-e-Mohammed vorzugehen“, meint ein indischer Kommentator.

Ein Diplomat aus der EU ist sich sicher, dass die Weltgemeinschaft nun, auch wenn die Krise beigelegt wird, nicht zur Tagesordnung übergeht. „Das Kaschmirproblem muss gelöst werden“, meint der Diplomat. Der Kampf um Kaschmir hat zwei der drei Kriege zwischen Indien und Pakistan ausgelöst. Initiativen zu Gesprächen hat es viele gegeben. 1999 reiste Vajpayee nach Pakistan, im Juli vergangenen Jahres kam Musharraf nach Indien. Aber keine Seite gibt nach. Nun müsse die internationale Gemeinschaft massiven Druck ausüben, damit die Nachbarländer endlich zu einer Lösung finden, meinen westliche Beobachter, sonst sei die nächste Krise programmiert.

Quelle: dpa

 
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