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Karl Rove Der Architekt des Sieges

04.11.2004 ·  Bushs Berater Karl Rove ist Vater der Strategie, mittels welcher die Republikaner eine Epoche konservativer Politik einleiten wollen. Politik, wie Rove sie betreibt, ist eine Ingenieurwissenschaft mit riesigen Datenbanken und „Schaltplänen“.

Von Matthias Rüb, Washington
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Bei seiner offiziellen Dankesrede nach der Bestätigung seines Wahlsieges erwähnte Präsident George W. Bush neben seiner Familie und den Köpfen seines Wahlkampfteams natürlich auch Karl Rove, seinen politischen Strategen seit fast zweieinhalb Jahrzehnten. Er führte ihn mit den Worten ein: „the architect“.

Tatsächlich ist Rove der Architekt des politischen Aufstieges des George W. Bush, zunächst zum Gouverneur von Texas und dann zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. Und Rove ist der Vater der Strategie, mittels welcher die Republikanische Partei eine Epoche der Vorherrschaft konservativer Politik einleiten will. Gewiß, Amerika ist noch immer tief in zwei Lager gespalten. Aber vielleicht verläuft die Grenze nicht mehr an der Linie zwischen zwei fast genau gleich großen Hälften, sondern zwischen einem wachsenden und inzwischen bei etwa 52 Prozent angelangten und einem schrumpfenden, bei jetzt nur noch rund 48 Prozent großen Lager. Diese noch immer wenig signifikante Verschiebung in der Bevölkerung für stabile politische Mehrheiten in Washington fruchtbar zu machen ist Karl Roves Mission.

Politik als Ingenieurwissenschaft

Spricht man irgendwo im Land mit Vorsitzenden von Ortsverbänden der Republikaner, sie alle kennen Karl Rove, und Karl Rove kennt sie alle. Er redet mit ihnen am Telefon, er tauscht E-Mails mit ihnen aus, er hämmert ihnen ein, sich nicht von schmeichelhaften Umfragen einlullen zu lassen, sondern bei jedem vermeintlichen Stammwähler sicherzugehen, daß er der Partei treu geblieben ist. An den letzten drei Tagen vor den Wahlen am 2. November haben alle straff organisierten, von ihrem politischen Auftrag überzeugten Mitarbeiter und Freiwillige in den Orts- und Kreisverbänden den berühmten „72-Stunden-Plan“ ins Werk gesetzt. Noch einmal wurden Millionen Telefonanrufe gemacht und Gespräche geführt, und Fahrgemeinschaften wurden organisiert.

Politik, wie Karl Rove sie betreibt, ist eine Ingenieurwissenschaft, mit riesigen Datenbanken, „Schaltplänen“ von demographischen Verschiebungen, parteipolitischen Profilen von Wohngebieten, Städten, Bundesstaaten. Der Mann mit dem schütteren Haar, der randlosen Brille und dem rosigen Gesicht, das in den Medien gerne als „baby face“ beschrieben wird, ist seit dem Amtsantritt von Präsident George W. Bush im Januar 2001 so etwas wie eine Sphinx im Weißen Haus, die sich nicht viel in der Öffentlichkeit zeigt, dafür aber mit schier unheimlicher Präzision im Hintergrund die Fäden zieht. Bush verdankt Rove viel, und deshalb lautet einer der Spitznamen für Karl Rove „Boy Genius“, was soviel wie „Buben-Genie“ heißt.

Der Anteil Roves an Bushs Aufstieg zum Gipfel der Macht und auch an der Festigung der republikanischen Mehrheit im Kongreß ist kaum zu überschätzen. Rove war schon der Kopf der politischen Leitzentrale Bushs, als der Sohn eines zwei Jahre zuvor abgewählten republikanischen Präsidenten im November 1994 in Texas die populäre demokratische Gouverneurin Ann Richardson entthrohnte und ins Capitol zu Austin einzog. Rove hatte beträchtlichen Anteil seiner Wiederwahl als Gouverneur im Jahre 1998 mit 68,6 Prozent der Stimmen. Und weil heute der 43. Präsident der Vereinigten Staaten kaum George W. Bush heißen würde, wenn es zuvor keinen texanischen Gouverneur gleichen Namens gegeben hätte, fällt allein schon deshalb der Titel eines Königsmachers Karl Rove zu.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.11.2004, Nr. 259 / Seite 3
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Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

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