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Kanzlerin Merkel über Lehmann : „Er hat mich mit seiner intellektuellen und theologischen Kraft begeistert“

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Besinnliche Zuhörerin mit geschlossenen Augen beim Festakt zum 70. Geburtstag von Kardinal Lehmann (r.) im Mai 2006: Bundeskanzlerin Angela Merkel Bild: AP

Der frühere Mainzer Bischof Lehmann ist tot. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, würdigte ihn als „begnadeten Theologen und guten Freund“. Bundestagspräsident Schäuble sprach von einem „Mann des Dialogs“.

          Der frühere Mainzer Bischof Karl Lehmann ist tot. Der Kardinal starb am frühen Sonntagmorgen im Alter von 81 Jahren, wie das Bistum Mainz mitteilte. Lehmann galt in den vergangenen Jahrzehnten als einer der prägendsten Repräsentanten der katholischen Kirche, von 1987 bis 2008 war er Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Er genoss den Ruf eines verhältnismäßig liberalen Vordenkers und besonnenen Reformers. Nach seiner Emeritierung mit 80 Jahren im Mai 2016 hatte er im vergangenen September einen Schlaganfall und eine Hirnblutung erlitten.

          Lehmanns Nachfolger, Bischof Peter Kohlgraf, schrieb in einem Brief an die Gemeinden und Mitarbeiter des Bistums: „Das Bistum Mainz trauert um einen weit über die Kirche hinaus hoch anerkannten Theologen und Seelsorger, einen leidenschaftlichen Brückenbauer zwischen den Konfessionen und einen Zeugen des Glaubens inmitten der Gesellschaft.“ Zum Tod Lehmanns werde die größte Glocke des Mainzer Doms, die Martinus-Glocke, am Sonntag um 14.30 Uhr eine halbe Stunde lang läuten. Einzelheiten zur Beerdigung sollen im Laufe des Sonntags bekanntgegeben werden.

          Lehmann, der Philosophie und Theologie studierte, empfing 1963 die Priesterweihe. Von 1962 bis 1965 nahm er als Mitarbeiter des Theologen Karl Rahner (1904-1984) am Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) teil, dessen weitreichende Beschlüsse die Öffnung der römisch-katholischen Kirche hin zur modernen Welt und zur Ökumene einleiteten. Ab 1968 unterrichtete er als Theologieprofessor an den Universitäten Mainz und Freiburg, bis er 1983 von Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Mainz ernannt wurde.

          Im langwierigen Streit um den vom Vatikan geforderten Ausstieg der katholischen Kirche aus der Schwangerenkonfliktberatung musste Lehmann sich 1999 einem Machtwort von Johannes Paul II. beugen. 2001 verlieh der Papst dem Mainzer Bischof überraschend die Kardinalswürde, nachdem Lehmann zuvor auffallend lange nicht in den Kreis der Kardinäle aufgenommen worden war.

          „Er war einer der wichtigen Brückenbauer zwischen den Konfessionen und Religionen“, erklärte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. „Er war ein Mann klarer Worte, der bei aller Nachdenklichkeit und Konzilianz auch die politische Kontroverse nicht scheute, wenn es um zentrale Fragen des Zusammenlebens in Staat und Gesellschaft ging.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von „tiefer Dankbarkeit“ für langjährige Begegnungen. „Er hat mich mit seiner intellektuellen und theologischen Kraft begeistert und war dabei immer auch ein Mensch voll bodenständiger Lebensfreude.“

          Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) sprach von Lehmann als ein ermutigendes Beispiel für ein weltoffenes, lebensbejahendes Christentum. Die katholische Kirche verliere mit ihm „einen den Menschen stets zugewandten Seelsorger und großen Gelehrten“, erklärte der CDU-Politiker am Sonntag in Berlin. Als Bischof von Mainz und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz sei Lehmann ein hoch angesehener Brückenbauer, ein Förderer der Ökumene und Mann des Dialogs zwischen Kirche, Gesellschaft und Politik gewesen. „Allen, die ihn persönlich erlebten, wird er als bescheidener, humorvoller und kluger Gesprächspartner in Erinnerung bleiben.“

          Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, beschrieb Lehmann als Wegbereiter für die Annäherung beider Kirchen. „Für die evangelische Kirche war er in den vergangenen Jahrzehnten ein ganz wichtiger Ansprechpartner und Mitstreiter für das ökumenische Miteinander“, schrieb der bayerische Landesbischof in einem Brief an Lehmanns Nachfolger in Mainz, Bischof Peter Kohlgraf. Er habe ein „weltweit beachtetes Zeichen für die Verständigung der beiden großen Konfessionen“ gesetzt.

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