12.04.2005 · Dionigi Tettamanzi, Erzbischof von Mailand, gilt als konservativer Moraltheologe und Globalisierungskritiker. Er hatte oft das Ohr von Papst Johannes Paul II., dessen Haltung gegenüber der Abtreibung Tettamanzi stets verteidigte.
Dionigi Tettamanzi (71), Erzbischof von Mailand, gilt als konservativer Moraltheologe, aber auch als Globalisierungskritiker. Er hatte oft das Ohr von Papst Johannes Paul II. Dessen Haltung gegenüber der Abtreibung und anderen moralischen Fragen hat Tettamanzi stets verteidigt, was ihm Sympathien bei den Konservativen im Kollegium der Kardinäle eingebracht haben dürfte.
Die Gunst des richtigen Ortes erlebte er als Erzbischof von Genua: Beim Weltwirtschaftsgipfel im Sommer 2001 schaute die ganze Welt auf die Hafenstadt und die Demonstrationen der Globalisierungskritiker. Tettamanzi gab ihnen verbalen Beistand und bezweifelte öffentlich, daß die Globalisierung auch den arbeitenden Menschen von Nutzen sei.
„Wir erleben einen deutlichen Kontrast zwischen Kapital und Arbeit“, schrieb Tettamanzi damals in „Avvenire“, der Tageszeitung der italienischen Bischofskonferenz. „Im Basar des globalen Dorfes zahlen nicht die Industriellen den Preis, sondern die arbeitenden Männer und Frauen.“
Tettamanzi ist Spezialist für die Soziallehre der Kirche. 1959 wurde er an der Päpstlichen Gregorianischen Universität promoviert, der ersten akademischen Adresse in der Welt des Vatikans. Der Theologe wirkte an zwei der wichtigsten Enzykliken Johannes Pauls II. mit, 1993 an der Moralenzyklika „Veritatis splendor“ und 1995 an dem vor allem gegen Abtreibung und Geburtenkontrolle gerichteten Lehrschreiben „Evangelium vitae“.
Im Juli 2002, vier Jahre nach der Ernennung zum Kardinal, schickte Johannes Paul II. ihn nach Mailand. An der Spitze dieser angesehenen Erzdiözese zieht Tettamanzi nun ins Konklave ein. Als ein Nachteil wird ihm zugeschrieben, daß er nicht genügend Charisma hat. Auch ist er nicht so weit in der Welt herumgekommen wie andere Kardinäle. Aber Tettamanzi weiß, wie er die ihm anvertrauten Menschen erreichen kann. „Ich bin der erste, der eine Rede vergißt“, sagte er einmal der Zeitung „Corriere della Sera“. „Aber ich werde nie einen Händedruck vergessen.“