12.04.2005 · Schon vor seiner Berufung zum Erzbischof von Buenos Aires galt Jorge Bergoglio, ein Sohn einfacher Einwanderer aus Italien, als Anwalt der Armen. Stets hat der Jesuit zu den politisch Mächtigen Distanz gehalten und ihnen ins Gewissen geredet.
Die Forderung nach einer intensiveren Beschäftigung der Kirche mit den Fortschritten in den Naturwissenschaften, die auch von anderen Kardinälen erhoben wird, rückt Jorge Bergoglio ins Blickfeld.
Der Erzbischof von Buenos Aires hat eine Ausbildung als Chemie-Ingenieur absolviert, und die Erwähnung dieser Station in seiner Vita wirkt allein schon dem Verdacht entgegen, bei ihm handle es sich um einen weltfremden Theoretiker.
Viel wichtiger ist allerdings, daß Bergoglio, ein Jesuit, zu den politisch Mächtigen Distanz zu halten und ihnen bei jeder sich bietenden Gelegenheit ins Gewissen zu reden pflegt. Die katholische Kirche war in Argentinien während der Militärdiktatur (1976 bis 1983) gespalten. Während jener Teil des Klerus, der den Staatsterrorismus guthieß, Schuld auf sich lud, sind viele andere Kirchenmänner, die sich der Gewalt widersetzten, selbst Opfer geworden.
Schon vor seiner Berufung zum Erzbischof im Jahr 1998 galt Bergoglio, ein Sohn einfacher Einwanderer aus Italien, als Anwalt der Armen. Er setzte sich für eine Stärkung staatlicher Sozialprogramme ein und machte die Politik der Marktwirtschaft für die Verarmung von Millionen Argentiniern verantwortlich. Die Globalisierung kümmere sich nicht um Arme und Alte und auch nicht um die ungleichen Bildungschancen, fand der Geistliche.
Nach dem finanziellen Zusammenbruch Argentiniens im Dezember 2001 fand Bergoglio viel Lob für seine beißende Kritik an der Haltung von Politikern, Parteienstreit und persönliche Ambitionen über die Probleme des Landes zu stellen.