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Kampfpanzer in der Ostukraine : Nato dokumentiert russische Intervention

Militärlager in Rostow am Don: In der linken Aufnahme vom 30. Mai soll eine größere Anzahl von gepanzerten Fahrzeugen zu sehen sein. In der mittleren Aufnahme vom 6. Juni sind diese Fahrzeuge verschwunden, dafür nach Nato-Angaben aber acht Kampfpanzer hinzugekommen. Auf der rechten Aufnahme vom 11. Juni sollen zehn Kampfpanzer zu sehen sein. Bild: Nato

Die Nato hat Aufnahmen veröffentlicht, die offenbar russische Panzer und gepanzerte Fahrzeuge zeigen. Sie sollen die Grenze zur Ukraine überschritten haben - und dort auf Seiten der Separatisten zum Einsatz kommen.

          Die Nato erhebt schwere Vorwürfe gegen Russland, die zu einer erheblichen Verschärfung der Ukraine-Krise führen könnten: Russische Panzer und gepanzerte Fahrzeuge sollen die südöstliche Grenze zur Ukraine überschritten haben und dort zur Unterstützung der Aufständischen im Einsatz sein. Die westliche Allianz hat dazu am Samstag Aufnahmen veröffentlicht.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für die Frankfurter Allgemeine Woche und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik (F.A.Z.).

          Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hatte am Freitag nur von Berichten über solche Vorgänge gesprochen, aber schon da hinzugefügt, dass es eine „ernsthafte Eskalation der Krise“ darstellen würde, sollten sie sich als wahr herausstellen. Einen Tag später präsentierte die Nato dann selbst Material, das die russische Intervention belegen soll.

          Die Allianz hat dazu eine Indizienkette zusammengestellt, die aus mehreren Satelliten- und Bodenaufnahmen besteht. Es handelt sich um frei verfügbares Bildmaterial kommerzieller Anbieter und aus Internetforen. Die Nato hat nach Auskunft eines Offiziers eigene Aufnahmen von den fraglichen Ereignissen, die sie aber nicht freigeben will. Diese sollen eine höhere fotografische Qualität haben als das nun veröffentlichte Material.

          Rostow am Don: Unten links werden drei Panzer auf einen Transporter verladen, wie sie üblicherweise zum Panzertransport über Land verwendet werden. Bilderstrecke

          Die Indizienkette beginnt mit drei Satellitenaufnahmen eines Militärlagers in Rostow am Don, das etwa 75 Kilometer Luftlinie oder 90 Kilometer mit dem Auto vom nächsten Grenzübergang zur Ukraine entfernt liegt. In einer ersten Aufnahme vom 30. Mai ist dort nach Ansicht der Nato eine größere Anzahl von gepanzerten Fahrzeugen zu sehen. In einer zweiten Aufnahme vom 6. Juni sind diese Fahrzeuge verschwunden, dafür sind acht neue Objekte zu erkennen, die die Nato für Panzer hält. Auf einer dritten Aufnahme sind am 11. Juni zehn Fahrzeuge zu sehen, die Panzer sein sollen.

          Auf einem weiteren Bild hat die Nato mehr Details dieser Situation herausgearbeitet. Unten links auf dieser Aufnahme sieht man nach ihrer Auswertung, dass drei Panzer auf einen Transporter verladen wurden, wie sie zum Panzertransport über Land verwendet werden. Das nächste Bild ist angeblich eine Aufnahme aus der ukrainischen Stadt Makijiwka, auf der zwei russische Panzer auf dem Weg zu einer Straßenkreuzung zu sehen sind. Vorweg fährt ein Fahrzeug mit russischer Fahne. Es gibt eine weitere Aufnahme vom 11. Juni, die aus der ukrainischen Stadt Sneschnoje stammen soll, auf der ein Panzer ohne Hoheitsabzeichen zu sehen ist.

          Um deutlich zu machen, dass es sich um einen russischen Panzer handelt, hat die Nato ihrem Material Fotos des Panzertyps T-64 hinzugefügt, den sowohl die russische als auch die ukrainische Armee benutzen. Der russische Panzer hat erkennbar ein anderes Tarnmuster und eine andere Panzerung als die ukrainische Version. Danach wäre der Panzer in Sneschnoje russischer Herkunft. Es handelt sich um ein Modell, das die russischen Streitkräfte selbst schon ausgemustert haben, von denen aber noch gut 2000 vorhanden sein sollen. 

          Ein Offizier des Bündnisses legte dieser Zeitung dar, dass die Bilder folgenden Ablauf nahelegten: Zunächst habe Russland wie angekündigt tatsächlich seine Truppenpräsenz an der Grenze zur Ukraine abgebaut, wie der Abzug der gepanzerten Fahrzeuge auf den ersten Bildern aus Rostow zeigt. Danach tauchten aber Panzer auf dem Militärgelände auf, die zum Weitertransport verladen wurden. Einen Tag später habe die ukrainische Regierung berichtet, dass drei russische Panzer und mehrere gepanzerte Fahrzeuge die Grenze am Übergang Dovzhansky überquert hätten, der unter Kontrolle der Aufständischen der selbsternannten „Volksrepublik Luhansk“ steht. Die Bilder aus Makijiwka und Sneschnoje seien als Beleg dafür zu werten, dass die Panzer tatsächlich die Grenze überschritten hätten und in der Südostukraine im Einsatz seien.

          Nach Ansicht der Allianz ist das ein Vorgehen, wie es die russische Führung schon auf der Krim praktiziert hat. Denn die Panzer tragen keine Hoheitszeichen, so wie das auch bei den „grünen Männchen“ auf der Krim der Fall war, die sich im Nachhinein als russische Einsatzkräfte erwiesen. Sie waren die Vorhut, mit der Moskau die Annexion der Halbinsel vorbereitete.

          Ob es womöglich noch weitere russische Panzer auf ukrainischem Gebiet geben könnte, teilte die Nato nicht mit. Der russische Truppenabzug von der Grenze, der mehrfach vom Kreml angekündigt und immer wieder verschoben worden war, scheint allerdings nicht vollständig erfolgt zu sein. Der Großteil der vormals bis zu 40.000 Soldaten sei aus dem Gebiet in der Nähe zur Grenze abgezogen worden, heißt es aus der Nato. Eine Einheit unter 1000 Mann sei aber zurückgelassen worden. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass auch sie verlegt werden soll.

          Auch das amerikanische Außenministerium wies auf die Bilder der Panzer hin. „Die Russen werden sagen, dass die Panzer aus den ukrainischen Streitkräften stammen, aber es operieren keine ukrainischen Panzereinheiten in diesem Gebiet. Wir sind überzeugt davon, dass es sich um russische Panzer handelt“, sagte eine Sprecherin. Sie beschuldigte Russland außerdem, Raketenwerfer nach Luhansk geliefert zu haben, eine der Hochburgen der Aufständischen.

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