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Kampfeinsatz in Mali : Taktischer Rückzieher

Frankreichs Militärpräsenz in Afrika Bild: F.A.Z.

Eigentlich wollte Frankreich die militärische Präsenz in Afrika reduzieren und seine Streitmacht auf den Orient ausrichten. Die strategische Wende kam nicht richtig in Gang – heute ist die französische Armeeführung darüber erleichert.

          Vom französischen Militärstützpunkt in Abu Dhabi aus hat Präsident Hollande am Dienstag die jüngsten Entwicklungen im Mali-Kampfeinsatz kommentiert. Eigentlich sollte die 2009 mit Pomp von Nicolas Sarkozy eingeweihte Militärbasis am Persischen Golf eine strategische Wende besiegeln: Frankreich wendet sich von seinem klassischen Einflussgebiet in Afrika ab und richtet seine Streitmacht auf den neuen Krisenbogen im Orient aus.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Das entsprach den Empfehlungen des 2008 vorgelegten „Weißbuchs zu Verteidigung und nationale Sicherheit“. Frankreich wollte nicht mehr als frühere Kolonialmacht in Afrika ständig in die (militärische) Verantwortung gezogen werden. Es plante, seine ständige militärische Präsenz auf dem afrikanischen Kontinent zu reduzieren und auf zwei Stützpunkte - Dakar und Djibouti - zu beschränken.

          Doch obwohl Präsident Sarkozy versprach, die vom Weißbuch geforderten Reformen und Kosteneinsparungen durchzusetzen, blieb es größtenteils beim guten Willen. Die Schließung des seit Februar 1986 in Tschad aufgebauten französischen Militärstützpunktes nahe der Hauptstadt N’Djamena verschleppte sich. Die französischen Soldaten der Einheit „Epervier“ („Falke“) blieben vor Ort. Auch in der Elfenbeinküste blieb ein größeres Kontingent als vorgesehen.

          „Ein Garant für Schnelligkeit“

          Nach Mauretanien und Niger wurden Militärausbilder entsendet. Heute freut sich die Armeeführung in Paris darüber, dass sie noch über die „präpositionierten Streitkräfte“ in Afrika verfügt. Ein Großteil der Luftangriffe in der Anfangsphase wurde vom Stützpunkt in Tschad aus geflogen. Die Truppenverstärkung nach Bamako kann so schnell erfolgen, weil die Armeeführung nur Panzer aus der nahen Elfenbeinküste in Bewegung setzen musste.

          Frankreich gleicht damit aus, dass es nur über einen - noch dazu sehr reparaturanfälligen - Flugzeugträger verfügt. Der Generalstabschef der französischen Armee, Admiral Edouard Guillaud, bezeichnete die Truppenstützpunkte in Afrika als Voraussetzung für ein schnelles Eingreifen. Ohne die Flugzeuge in N’Djamena wäre es nicht möglich gewesen, die islamistischen Rebellen innerhalb weniger Stunden zurückzudrängen.

          Der Mali-Kampfeinsatz verspricht dabei reich an Lehren für die neue Weißbuchkommission unter Leitung des Diplomaten Jean-Marie Guéhenno zu sein, die eigentlich schon zum Monatsende ihre Ergebnisse vorstellen wollte. In Paris wird erwartet, dass sich die Veröffentlichung des Weißbuches verzögert.

          Bei einer großen Sicherheitskonferenz in Brest im September hatte Generalstabschef Guillaud schon dafür plädiert, „die Rückkehr Afrikas“ bei der Ausarbeitung der neuen französischen Verteidigungsstrategie zu berücksichtigen.

          Frankreichs Sicherheitsinteressen seien vom Erstarken des Terrornetzes Al Qaida im islamischen Maghreb (Aqim) besonders betroffen. „2008 hieß es, der Luftstützpunkt von N’Djamena sei aufgrund des neuen europäischen Transportflugzeugs A400M nicht mehr interessant“, sagte Guillaud in Brest. Das sei eine klare Fehleinschätzung gewesen.

          Die französische Armeeführung hofft nun, dass das Weißbuch 2013 trotz der Sparzwänge den Fortbestand der afrikanischen Stützpunkte empfiehlt. Die ständige Präsenz französischer Soldaten sei „ein Garant für Schnelligkeit“.

          Quelle: F.A.Z.

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