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Gastbeitrag : Afghanistan, der Krieg an der falschen Front

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Müssen uns der Korruption stellen

Ich will die internen Schwierigkeiten Afghanistans nicht kleinreden: Verwaltungsprobleme, Korruption und Mängel an Staatlichkeit sind Realitäten, denen wir uns stellen müssen. Sicherlich hat die verzweifelte politische Elite, konfrontiert mit räuberischen Verhältnissen innerhalb und außerhalb der Machtstrukturen, der Mafia erlaubt, in die Politik einzudringen, die staatlichen Institutionen zu unterwandern und Rechtsstaatlichkeit zu vermindern.

Ohne Zweifel sind fehlende Vertragsklarheit und die Präsenz zweifelhafter privater Sicherheitsfirmen, welche die Privatisierung der Sicherheitsaufgaben ausweiten und so für Unsicherheit, Korruption und in manchen Fällen als Finanzquelle der Taliban fungieren, für uns und unsere internationalen Partner Grund zu großer Besorgnis. Aber der offensichtliche Grund für die fest verankerte Präsenz des internationalen Terrorismus in dieser Region kann nicht in erster Linie die Korruption in Afghanistan sein. Länder wie Großbritannien, Spanien, Türkei, China, Deutschland und Indien sind Opfer und Ziel des internationalen Terrorismus, der seinen Ursprung in Pakistan hat.

Es ist meine feste Überzeugung, dass die Schaffung eines stabilen und fähigen Staates in Afghanistan eine zentrale Voraussetzung des Frieden und Sicherheit in diesem Lande ist. Dieser Staat sollte in der Lage sein, seine öffentlichen Aufgaben wahrzunehmen, die Bevölkerung vor Terror und Gewalt zu schützen und sein Monopol auf legitimer Gewaltausübung durchzusetzen. Aber die Fortdauer des Terrors macht die Erfüllung dieser legitimen Wünsche und Erwartungen unmöglich.

Pakistan entgegentreten

Das, was Afghanistan tut, kann den internationalen Terrorismus, seine globale totalitäre Ideologie und seine regionalen Netzwerke nicht allein eliminieren. Die Auflösung der terroristischen Infrastruktur muss ein zentrales Element unserer Antiterrorstrategie sein. Und das bedeutet: dann auch dem Staat entgegenzutreten, der Terror immer noch als strategisches Mittel seiner Außenpolitik betrachtet.

Dieser Konflikt wird ein langer und teurer Krieg für uns und unsere internationalen Partner, und Opferbereitschaft und Geduld haben eine Grenze. Das afghanische Volk ist zu Recht enttäuscht und erschöpft von einem Krieg, in dem der Unterschied zwischen Freund und Feind verschwimmt. Die öffentliche Meinung in der Welt wendet sich inzwischen immer mehr gegen uns. Offenbar ist es uns nicht gelungen, die Menschen in den uns unterstützenden Ländern für ein Anliegen zu mobilisieren, bei dem der Kampf in Afghanistan stattfindet, der Gegner sich aber in einem anderen Land versteckt.

Wie können wir das afghanische Volk oder die Eltern der jungen Soldaten aus den Staaten der internationalen Koalition davon überzeugen, einen Krieg zu unterstützen, in dem unser „Partner“ an der Tötung unserer Söhne und Töchter beteiligt ist? Während wir täglich den Verlust Dutzender Menschenleben zu beklagen haben, wird der Hauptunterstützer des Terrors mit Milliarden Dollar unterstützt. Wie können wir so einen wesentlichen Widerspruch rechtfertigen?

Müssen eine klare Allianz der Opfer des Terrorismus aufbauen

Wir müssen diese Tatsache zur Kenntnis nehmen: Die Strategie des militärisch-geheimdienstlichen Establishments Pakistans gegenüber Afghanistan hat sich - trotz wiederholter gegenteiliger Behauptung - nicht geändert. Und das afghanische Volk ist nicht länger bereit, den Preis für unsere Fehleinschätzungen zu zahlen. Der Aggressor versteht nur eine Sprache: die der Stärke und der Entschlossenheit.

Wir sind Opfer des Terrorismus, neben den Vereinigten Staaten und vielen anderen Nationen. Wir müssen eine klare Allianz der Opfer des Terrorismus aufbauen. Wir können das afghanische Volk nicht mit Ungewissheit, Konfusion und Beschwichtigungspolitik gegenüber dem Hauptsponsor des Terrors mobilisieren.

Afghanistan will nicht die Ausweitung der militärischen Auseinandersetzung in der Region, aber eine klare Haltung der internationalen Gemeinschaft gegenüber Ländern, die Terroristen beherbergen, ausbilden und sie als Instrument der Außenpolitik nutzen. Wenn Afghanistan und die internationale Gemeinschaft sich nicht der Wurzel des Problems zuwenden und wenn keine Klarheit darüber herrscht, wer Verbündeter in diesem Krieg ist und wer Gegner, dann wird ein Sieg Illusion und die globalen Bemühungen werden erfolglos bleiben.

Quelle: FAZ.NET

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