27.07.2004 · Nach monatelangen Verhandlungen haben die Vereinigten Staaten vier Guantanamo-Gefangene nach Frankreich ausgewiesen. Auch dort werden sie zunächst Gewahrsam genommen und verhört.
Nach monatelangen Verhandlungen haben die Vereinigten Staaten vier Guantanamo-Gefangene nach Frankreich ausgewiesen.
Die vor mehr als zwei Jahren in Afghanistan von amerikanischen Truppen gefaßten Franzosen landeten am Dienstag auf dem Militärflughafen Evreux westlich von Paris. Sie sollten zunächst von der Gegenspionage DST in Gewahrsam genommen und verhört werden, hieß es in Justizkreisen.
Die Gespräche über eine Überstellung der restlichen drei noch auf Kuba inhaftierten Franzosen gingen weiter, erklärte das Außenministerium in Paris. Gegen alle sieben Verdächtigen hat die französische Justiz Vorermittlungen wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung eingeleitet.
Die vier am Dienstag überstellten Männer dürfen 96 Stunden von der DST festgehalten werden und werden dann voraussichtlich dem Untersuchungsrichter Jean-Louis Brugière vorgeführt. Unter ihnen befinden sich Nizar Sassi und Mourad Benchellali aus der Lyoner Vorstadt Vénissieux, die als eine Hochburg des Islamismus in Frankreich gilt.
Auf Guantanamo hält die amerikanische Regierung fast 600 Gefangene aus mehr als 40 Staaten fest. Die meisten von ihnen wurden nach dem Afghanistan-Krieg Ende 2001 auf den amerikanischen Stützpunkt an der Ostspitze von Kuba gebracht. Ein Urteil des Obersten Gerichtshofs in Washington Ende Juni verschaffte ihnen das Recht, ihre Inhaftierung als „feindliche Kombattanten“ vor amerikanischen Gerichten anzufechten.