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Kampf gegen Terror Ansar al Islam - längst nicht mehr nur im Nordirak

Es überrascht nicht, daß die Warnung vor drohenden Anschlägen von Mitgliedern der islamistischen Terrorgruppe Ansar al Islam vom amerikanischen Geheimdienst kam. Besonders im Norden des Iraks sind amerikanische Soldaten und Agenten ...

Es überrascht nicht, daß die Warnung vor drohenden Anschlägen von Mitgliedern der islamistischen Terrorgruppe Ansar al Islam vom amerikanischen Geheimdienst kam. Besonders im Norden des Iraks sind amerikanische Soldaten und Agenten schon seit längerer Zeit hinter ihnen her - mit wachsender Beunruhigung: Ranghohe Vertreter des amerikanischen Verteidigungsministeriums bezeichnen sie mittlerweile als die "wichtigsten organisierten Gegner unter den Terroristen" im Irak.

Hans-Christian Rößler Folgen:  

Was nicht nur Sicherheitsfachleute in Washington beunruhigt, ist, daß Ansar al Islam seine Ausgangsbasis im Nordirak verlassen hat: Mitglieder seien längst auch in anderen Landesteilen sowie außerhalb des Iraks aktiv. Dafür haben sie sich offenbar mittlerweile gut vernetzt: Amerikanische Militärs schließen nicht aus, daß sie Anschläge sogar mit Izzat Ibrahim al Duri koordinieren; nach der Festnahme Saddam Husseins steht der Iraker heute an der Spitze der amerikanischen Fahndungsliste im Irak.

Es ist nicht ganz klar, welche Anschläge im Irak der Terrorgruppe zuzuschreiben sind. Einige machen sie für das Selbstmordattentat auf die jordanische Botschaft in Bagdad im vergangenen August mit 17 Toten verantwortlich. Nach den Selbstmordanschlägen in Istanbul im November 2003 vermuten Fachleute zudem Beziehungen zwischen der türkischen Hizbullah, die vor allem in der Südosttürkei operiert, und den Ansar al Islam im Nordirak.

Besonders beunruhigen aber Unterstützung und Kontakte, die die Gruppe von Anfang an zum Terrornetzwerk Al Qaida und zu Usama Bin Ladin unterhalten hat. Sie ist aus der im September 2001 im Nordosten des Iraks gegründeten Gruppe "Jund al Islam" (Soldaten des Islams) hervorgegangen. Wenige Monate später benannte sie sich in "Helfer des Islams" um, wie die Übersetzung ihres arabischen Namens heißt. Usama Bin Ladin ließ den kurdischen Islamisten wohl finanzielle Hilfe zukommen.

Nach amerikanischen Informationen wirkte auch Al-Qaida-Führer Abu Musab al Zarqawi bei der Gründung der Ansar mit. Zarqawi, bei den Kämpfen in Afghanistan verletzt, soll sich zeitweise im Irak aufgehalten haben - wie zahlreiche andere Al-Qaida-Mitglieder auch, die von Ansar al Islam im Nordirak Unterschlupf oder Hilfe bei der Durchreise bekommen haben sollen. Ansar-Aktivisten wurden nach Geheimdienstinformationen wiederum in Al-Qaida-Lagern unter anderem im Umgang mit Giftgas geschult. Kurz vor Kriegsbeginn im Irak sagte ein Ansar-Mitglied dieser Zeitung, daß die Organisation über Raketen mit chemischen Sprengköpfen verfüge. Unter den heute etwa tausend Ansar-Aktivisten sind mehr als hundert "arabische Afghanen", die zuvor am Hindukusch gekämpft hatten. Nach Angaben kurdischer Politiker wurde Ansar al Islam zudem zu Beginn aus Iran unterstützt. Damit sei es aber schnell vorüber gewesen, als Amerika seinen Kampf gegen den internationalen Terrorismus intensivierte und die iranische Regierung nicht abseits stehen wollte.

In Kurdistan hatte die Ansar sich in den von ihnen beherrschten Gebieten ähnlich verhalten wie die Taliban: Frauen mußten ihr Gesicht verhüllen, Musik wurde genauso verboten wie Satellitenfernsehen. In den kurdischen Gebieten im Nordirak richtete sich ihre Gewalt zunächst vor allem gegen Vertreter der Patriotischen Union Kurdistans (PUK), gegen die sie auch Selbstmordattentate verübten. Nach amerikanischen Luftangriffen im März brachten PUK-Kämpfer die von Ansar al Islam gehaltenen Gebiete nahe der iranischen Grenze weitgehend unter ihre Kontrolle. Dabei sollen mehrere hundert Ansar-Aktivisten umgekommen sein.

Die Organisation konnten sie jedoch nicht zerschlagen. So lebt Ansar-Führer Mullah Krekar schon seit längerer Zeit im norwegischen Exil. Versuche, ihn auszuweisen, scheiterten bisher. Von Norwegen aus reiste Krekar, der Bin Ladin einmal "das Juwel in der Krone des Islams" genannt haben soll, durch Europa und warb wohl auch in Deutschland für Unterstützung. In München hatte die Polizei erst im Dezember mehrere Ansar-Mitglieder verhaftet, von denen es nach Angaben des Verfassungsschutzes in Deutschland insgesamt etwa hundert gibt. Den Festgenommenen wurde vorgeworfen, Selbstmordattentäter in den Irak geschleust zu haben.

Quelle: hcr., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.01.2004, Nr. 1 / Seite 3

 
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