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Sturm auf Mossul : Beten gegen den Islamischen Staat

Große Freude: Geflüchtete Christen feiern in den Straßen von Arbil. Bild: dpa

In Arbil feiern Christen die Befreiung der Stadt Karakosch. Doch der Vormarsch auf Mossul ist ins Stocken geraten – durch Sprengfallen und Heckenschützen des IS.

          Als die aus Karakosch vertriebenen Christen am Dienstagabend hörten, dass die irakische Armee und kurdische Peschmerga in ihre Stadt vorgestoßen waren und die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) vertrieben hatten, kamen sie in der Kirche des heiligen Simon in Arbil zusammen, um aus Dank zu beten und aus Freude zu tanzen. Denn sie waren im August 2014 vor den vorrückenden Kämpfern des IS geflohen und hatten in der kurdischen Hauptstadt Arbil Zuflucht gefunden.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Zunächst hatte es geheißen, die Geisterstadt Karakosch sei vom IS befreit und gesäubert. Am Mittwoch hatte sich diese Freude als verfrüht erwiesen. Zwar überfliegen Kampfflugzeuge der Anti-IS-Koalition auch die drei Städte, die zusammen Karakosch bilden – eine Stadt, in der bis August 2014 nahezu ausschließlich Christen gewohnt hatten und die Saddam Hussein in seiner Arabisierungspolitik in Hamdaniyah umbenannt hatte. Noch immer aber verhindern Heckenschützen und Sprengfallen, dass die vertriebenen Einwohner in ihre Häuser zurückkehren können.

          Erst wenn Karakosch wirklich befreit ist, können die Einheiten der Armee und die Peschmerga in weitere Orte vorrücken, wie die früher ebenfalls überwiegend von Christen bewohnte Stadt Bartella. Die 9. Division der irakischen Armee mit ihren amerikanischen Panzern des Typs Abrams hat ihren Vormarsch bei Karakosch nun aber gestoppt.

          Kampf gegen den IS : Koalition rückt Richtung Mossul vor

          Vormarsch mit Hindernissen

          Das trifft nicht nur für Karakosch zu, das gut 20 Kilometer von der Stadtgrenze von Mossul entfernt liegt, sondern auch für andere Abschnitte der Front. Am Montag waren die irakische Armee und die kurdischen Peschmerga in nur dünn besiedeltem Gebiet rasch vorangekommen. Am Dienstag kam der Vormarsch jedoch ins Stocken, als Soldaten und Peschmerga auf Siedlungen stießen, die sie zeitraubend durchkämmen und einzeln säubern müssen. Gefahren sind Heckenschützen und Selbstmordattentäter des IS sowie Sprengfallen.

          In Berlin deutete Louis Raphaël I. Sako, der Patriarch von Babylon und das Oberhaupt der chaldäisch-katholischen Kirche, an, dass er nicht mit einer raschen Rückkehr der Christen in ihre Häuser rechne. Er bat die an der Befreiung von Mossul beteiligten Regierungen, für den Schutz der Rückkehrer und die Wiederherstellung ihres Eigentums zu sorgen sowie sich am Wiederaufbau der Städte und der religiösen Stätten zu beteiligen.

          Sirwan Barzani, ein General der Peschmerga, sagte dem Nachrichtensender CNN, er rechne damit, dass die Truppen in zwei Wochen Mossul erreichen und die Schlacht um die Stadt zwei Monate dauern werde. Am Mittwoch haben die Kommandanten der Armee und der Peschmerga über das weitere Vorgehen beraten. An einigen Abschnitten der Front, etwa im Südwesten von Mossul, gab es Fortschritte.

          Bild: F.A.Z.

          Unerwartete Komplikationen sind bei den kurdischen Kämpfern aufgetreten. Denn es wurde bekannt, dass etwa 3000 Kämpfer der PKK, der Arbeiterpartei Kurdistans, mit den Peschmerga kämpfen. Die Türkei führt aber mit der PKK Krieg. Die türkische Regierung warnte daher die Kurden, sollten Kämpfer der PKK in Mossul einmarschieren, würden türkische Soldaten folgen. Der Ostteil von Mossul ist überwiegend von Kurden und Angehörigen religiöser Minderheiten besiedelt gewesen. Noch ist nicht bekannt, ob sich die bewaffneten Einheiten der syrischen Kurden, die eng mit der PKK kooperieren, an der Befreiung von Mossul beteiligen.

          Erdogan will Mossul eingliedern

          Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat neue Spannungen erzeugt, als er in einer Rede in Istanbul Anspruch auf Mossul erhoben hatte. Er verwies auf den „Misak-i Milli“, das politische Manifest der türkischen Unabhängigkeitsbewegung nach dem Ersten Weltkrieg, deren Karte Mossul eingeschlossen hatte. Bereits 1990 hatte der damalige türkische Staatspräsident Turgut Özal die Beteiligung der Türkei an der Allianz zur Befreiung Kuweits damit begründet, dass Mossul entweder in diesem Krieg oder im folgenden wieder an die Türkei fallen sollte.

          Zudem haben die proiranischen schiitischen Milizen der „Volksmobilisierung“ (hashd shaabi) angekündigt, im Westen von Mossul fliehenden IS-Kämpfern den Weg Richtung Tall Afar abzuschneiden. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte zuvor in einem Bericht diesen schiitischen Milizen schwere Menschenrechtsverletzungen gegen Zivilisten vorgeworfen, die aus dem Machtbereich des IS fliehen.

          Der Kreml gab am Mittwoch bekannt, dass der russische Präsident Wladimir Putin mit dem türkischen Präsidenten Erdogan und dem irakischen Ministerpräsidenten Haider al Abadi über die Entwicklungen in Mossul und Aleppo telefoniert habe. Türkische Medien berichteten, Erdogan und Putin seien sich einig, dass die Nusra-Front aus Aleppo vertrieben werden müsse.

          Quelle: F.A.Z.

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