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Unterwegs in Paris : Angst in der Stadt der Liebe

Die Stätten der Attentate sind noch immer Orte des stillen Gedenkens Bild: Reuters

In Paris wartet der Weihnachtsmarkt auf die Besucher, die jedes Jahr zu Tausenden in die Stadt strömen. Doch in diesem Jahr sind die Champs-Elysées so leer wie noch nie. Die Angst sitzt tief.

          Französischer Herbst. Es riecht nach Glühwein und gerösteten Kastanien. Hunderte weiße Bretterbuden säumen die Champs-Elysées. Aus Lautsprechern dudelt Musik. „Willkommen auf dem schönsten Weihnachtsmarkt der Hauptstadt“, sagte die Bürgermeisterin zur Eröffnung. Es war gerade erst dunkel geworden, die Abendluft noch ungewöhnlich lau, Champagner-Gläser wurden gereicht. Es war der 13. November. Niemand ahnte, dass in ein paar Stunden Terroristen die Hauptstadt heimsuchen werden.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          „Fluctuat nec mergitur“ ist der Wappenspruch der Stadt Paris. Sie schwankt, aber wird nicht untergehen. Anne Hidalgo, die Bürgermeisterin, sagt das nun jeden Tag. Sie ist zur Wiedereröffnung des Weihnachtsmarktes an die Champs-Elysées gekommen. Sie sagt, das Leben müsse weitergehen, und nippt an einem Glühwein. Ein Mädchen kauft Zuckerwatte, die in Frankreich „Papas Bart“ heißt. Es freut sich, dass es nicht Schlange stehen muss. Soldaten mit Gewehren schlendern vorbei. Die Verkäuferin am Stand mit französischen Käsespezialitäten seufzt: „So leer war es noch nie.“

          Die Bürgermeisterin hat gesagt, die Angst vor neuen Anschlägen dürfe nicht siegen, und lädt alle Bürger zum Weihnachtsmarktbummel ein. „Wir haben Hunderte von Überwachungskameras installiert und zusätzliche Wachmänner engagiert“, sagt Marcel Campion, der Betreiber. Das Riesenrad an der Place de la Concorde dreht sich auch wieder. Im vergangenen Jahr hatten 15 Millionen Menschen den Weihnachtsmarkt besucht, darunter viele Touristen. Wie viele werden sich dieses Jahr auf die Champs-Elysées trauen?

          Ausnahmezustand: Soldaten vor dem Louvre Bilderstrecke
          Ausnahmezustand: Soldaten vor dem Louvre :

          Frankreich ist im Krieg, bekundet der Präsident, dessen Palast nur einen Steinwurf entfernt liegt. „Jedes Mal, wenn ich das Wort Krieg höre, bin ich niedergeschlagen“, sagt Christian Mantei, der Generaldirektor von „Trumpf Frankreich“, der staatlichen Tourismusbehörde. Er glaubt, dass ein Rückgang der Besucherzahlen unvermeidlich ist. „Aber müssen wir wirklich von Krieg reden?“

          „Das Urlaubsziel Frankreich droht in Frage gestellt zu werden“

          Seit vielen Jahren ist Frankreich das mit Abstand beliebteste Reiseland der Welt, vor den Vereinigten Staaten von Amerika und Spanien. Außenminister Laurent Fabius hatte sich vorgenommen, die 100-Millionen-Besucher-Hürde zu nehmen. Doch jetzt wird daraus vermutlich nichts. „Paris est une fête“, Paris ist ein Fest, haben die Franzosen Ernest Hemingsways Hommage auf ihre Stadt („Paris is a moveable feast“) übersetzt. Generationen von Besuchern haben in diese Stadt ihre Sehnsüchte nach einem leichten, freien, genießerischen Leben projiziert. Aber Kalaschnikows und Sprengstoffgürtel passen nicht zum Mythos der Stadt der Liebe.

          „Je häufiger wir das Wort Krieg in den Mund nehmen, umso mehr machen wir den Touristen Angst“, sagt Evelyne Maes vom Arbeitgeberverband der Hoteliers (UMIH). „Das Urlaubsziel Frankreich droht in Frage gestellt zu werden, genauso wie bereits Ägypten und Tunesien.“ Die staatliche Investitionsbank BPI hat angekündigt, dass sie die fälligen Zinszahlungen für Kredite in der Hotelbranche um sechs Monate aufschiebt. Das soll den Hoteliers helfen, die Durststrecke zu überstehen. Auch die Restaurants und Cafés leiden unter der Kriegsstimmung, die von der Regierung verbreitet wird. Premierminister Manuel Valls warnte jetzt sogar in der Nationalversammlung vor „chemischen und bakteriologischen Waffen“, die von den Terroristen eingesetzt werden könnten. „Da habe ich sofort neue Stornierungen kommen sehen“, sagt Maes.

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