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Veröffentlicht: 31.08.2016, 17:48 Uhr

Schlimmer als Gebietsverluste Warum der Tod Adnanis den IS hart trifft

Er koordinierte Anschläge in Europa. Seine Reden stachelten Muslime zu Anschlägen auf. Abu Muhammad al Adnanis Ende ist für die Terrormiliz „Islamischer Staat“ ein schwerer Schlag. Eine Analyse.

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© dpa Gesicht der Terrormiliz: Im Juni 2014 rief IS-Propagandachef al Adnani das „Kalifat“ aus.

Ein Wettstreit darüber ist entbrannt, wer den Propagandachef des „Islamischen Staats“ (IS), Abu Muhammad al Adnani, getötet hat. Erst hatte das Pentagon erklärt, von einer amerikanischen Drohne sei in der Nähe der syrischen Stadt Al Bab auf einen Wagen geschossen worden, in dem sich Adnani befunden habe, ohne aber zu sagen, dass Adnani dabei auch getötet worden sei.

Rainer Hermann Folgen:

Dann erklärte am Mittwochnachmittag das russische Verteidigungsministerium, Adnani habe zu einer Gruppe von bis zu 40 IS-Kämpfern gehört, die bei Luftangriffen in der Region Aleppo getötet worden seien. Dass Adnani tot ist, daran besteht indes kein Zweifel. Der IS selbst gab den Tod über seine Agentur Amaq bekannt.

Der Tod Abu Muhammad al Adnanis ist für den IS ein größerer Schlag als der Verlust von Territorium. Das Kerngebiet des IS ist seit der Eroberung von Mossul im Juni 2014 von einer Fläche mit der Größe von Großbritannien auf die Fläche der Größe Irlands geschrumpft. Von einer drohenden Niederlage wollte Adnani dennoch nichts wissen.

Adnani war zuständig für Anschläge in Europa und Asien

Im vergangenen Mai hatte er in einer seiner letzten größeren Reden rhetorisch gefragt: „Glaubst du denn, Amerika, dass der Verlust von Städten und von Land wirklich Niederlage bedeutet?“ Und antwortete: „Nein, den Willen zu verlieren und den Wunsch, zu kämpfen, das ist die wahre Niederlage.“

© AP, reuters Propaganda-Chef des „Islamischen Staats“ getötet

Adnani, der offizielle „Sprecher“ des IS und zuständig für die „externen Operationen“, also für die Anschläge in Europa und in Asien, war in der Hierarchie des IS die Nummer zwei. Der „Kalif“ des IS, Abu Bakr al Bagdadi, tritt äußerst selten in der Öffentlichkeit auf.

Sein Charisma bezieht Bagdadi weitgehend aus seiner Unsichtbarkeit. Abu Muhammad al Adnani hingegen hatte die Öffentlichkeit gesucht, sein Gesicht und seine Stimme wurden bekannt. Er galt als der wahrscheinlichste Nachfolger des „Kalifen“.

Nicht nur Propagandachef, sondern auch an der Front

Ob es nun eine amerikanische Drohne oder ein russisches Flugzeug war – jedenfalls kannte Adnani das Gebiet, in dem er getötet wurde, gut. Er wurde 1977 in einem Dorf in der syrischen Provinz Idlib geboren.

Tödlich getroffen wurde er, als er weniger als 100 Kilometer entfernt in der Stadt Al Bab unterwegs war. Noch herrscht der IS über diese Stadt im Osten Aleppos. Seit der Eroberung von Manbidsch rücken aber kurdische Truppen auch auf Al Bab vor.

Selbst wenn Adnani vor allem als Propagandist wirkte, war er offenbar oft an der Front. So hatte er 2004, als er im Irak an der Seite von Abu Musab al Zarqawi in einer Vorläufermiliz des IS gegen die Amerikaner kämpfte, als einer der Letzten die Stadt Falludscha vor den einrückenden amerikanischen Soldaten verlassen.

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Während er von 2005 bis 2010 im irakisch-amerikanischen Militärgefängnis Cam Bucca inhaftiert war, lernte er Bagdadi kennen. Noch 2011, zu Beginn des Aufstands gegen das Regime Assad, kehrte er in den Norden Syriens zurück, um die Opposition zu infiltrieren.

Alle wichtigen Propagandaansprachen des IS hielt Adnani selbst. Im Juni 2014 rief er das „Kalifat“ aus, und am 22. September 2014 forderte er die Tötung von Bürgern der Staaten, die sich an der Anti-IS-Koalition beteiligen. Sicherheitsfachleute sehen einen Zusammenhang zwischen Adnanis Reden und der Radikalisierung von Einzeltätern.

Gefährlich war er auch, weil er die Attentate in Europa und in Asien koordinierte und an der Ausbildung der Attentäter beteiligt war. Bei Anschlägen des IS sind seit der Eroberung Mossuls mehr als 650 Menschen getötet worden – etwa in Brüssel, Paris, Dhaka und Istanbul. In dieser Doppelrolle, als Propagandist und als Planer von Anschlägen, wird Adnani, das ist die gute Nachricht, nicht zu ersetzen sein.

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Von Volker Zastrow

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Quelle: wahlrecht.de
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