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Terror in der Elfenbeinküste : Deutsche unter den Opfern

Bild: AFP

Bei den Anschlägen auf drei Hotels in der Elfenbeinküste sind 22 Menschen ums Leben gekommen - darunter auch eine Deutsche. Verantwortlich für die Terrorserie ist wohl die Gruppe Al-Qaida im Islamischen Maghreb.

          Sechzehn Menschen, darunter nach Informationen der F.A.Z. die deutsche Leiterin des Goethe-Instituts, starben am Sonntag in Grand-Bassam, als ein islamistisches Terrorkommando das Feuer auf Badegäste und Hotelbesucher eröffnete. 90 Minuten wüteten die mutmaßlich acht Angreifer, bevor ein Sondereinsatzkommando der Gendarmerie aus Abidjan eintraf und sechs der Angreifer tötete. Zwei Gendarmen verloren dabei ihr Leben. Von zwei der Angreifer fehlte aber auch am Montag noch jede Spur.

          Thomas Scheen †

          Politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Nairobi.

          Natürlich waren nach den Anschlägen in Mali im November vergangenen Jahres und Burkina Faso im Januar die Sicherheitsvorkehrungen in Abidjan massiv verstärkt worden. Seither gibt es Leibesvisitationen an den Eingängen zu den Supermärkten und den großen Hotels der Stadt. Die Frage war damals nicht mehr, ob es zu einem Anschlag in der Elfenbeinküste kommt, sondern wann. Das Land ist Dreh- und Angelpunkt französischer Wirtschaftsinteressen in Westafrika, es beherbergt einen permanenten französischen Militärstützpunkt (43. Brigade d’Infanterie de la Marine - BIMA) und muss den Steinzeitislamisten schon aufgrund seiner demonstrativen Liberalität ein Dorn im Auge sein. Der Präsident der Elfenbeinküste ist ein Muslim, der mit einer in Algerien geborenen französischen Jüdin verheiratet ist. Den Ivorern entlockt diese Konstellation nur ein Schulterzucken.

          Der Anschlag auf drei Hotels an der Küste von Grand-Bassam forderte zahlreiche Tote und Verletzte.
          Der Anschlag auf drei Hotels an der Küste von Grand-Bassam forderte zahlreiche Tote und Verletzte. : Bild: dpa

          An Grand-Bassam aber hatte trotz der gestiegenen Bedrohung offenbar niemand gedacht, obwohl sich die halbe Stadt jedes Wochenende genau dorthin aufmacht. Das Sonderkommando der Gendarmerie musste nach dem Anschlag mit Autos nach Grand-Bassam fahren, weil offenbar keiner wusste, wie man den bereitstehenden Hubschrauber requiriert. „Eine Stunde haben wir verloren, das ist unverzeihlich“, sagte ein Offizier dieses Kommandos am Montag der F.A.Z.

          Die Terrorgruppe „Al Qaida im islamischen Maghreb“ (Aqim) aus Mali übernahm die Verantwortung für den Angriff. Das ist dieselbe Terrorbande, die im November vergangenen Jahres das Radisson-Hotel im malischen Bamako angriff (20 Tote) und im Januar das Hotel Splendid in der burkinischen Hauptstadt Ouagadougou (30 Tote). 

          Eine nur scheinbar friedliche Oase

          Grand-Bassam ist eine Oase. 40 Kilometer östlich von Abidjan am Atlantik gelegen, ist der Badeort mit seinen alten Kolonialhäusern der Gegenpol zu der turbulenten Wirtschaftsmetropole. Zahlreiche Restaurants säumen den weißen Strand, und von feiner französischer Cuisine bis hin zu rustikalen einheimischen Gerichten in den „Marquis“ genannten Strohhütten bedienen sie alle Geschmäcker und Geldbeutel.  Es gibt fangfrischen Fisch und  eisgekühlten Weißwein, während fliegende Händler aus Mali und Niger schwer beladen mit Lederwaren den Strand entlang patrouillieren.

          Grand-Bassam ist zudem ein Ort, an dem die Hierarchie der Großstadt außer Kraft gesetzt ist. Dort geben sich die ansonsten so wortkargen Diplomaten der französischen Botschaft bei der vierten Flasche Wein plötzlich redselig, während zwei Tische weiter der ivorische Justizminister zum Gespött seiner Töchter wird, weil er sein schlabbriges T-Shirt mit Pistazieneis bekleckert. Grand-Bassam ist gelebte Ungezwungenheit, die genau ein Wochenende dauert, bevor es Sonntagsabends zurück nach Abidjan geht, wo eine anstrengende Woche wartet. 

          Quelle: FAZ.NET

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