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Syrienrückkehrer vor Gericht : Ein wertvoller Angeklagter

„Null Bock, null Ziel“: Der Angeklagte Nils D. im Düsseldorfer Gerichtssaal Bild: dpa

Nils D. ging aus Dinslaken nach Syrien zum „Islamischen Staat“. Vor Gericht gibt er nun bereitwillig Auskunft. Doch will er nicht an Gewalttaten beteiligt gewesen sein.

          Dass dieses Verfahren nicht sein wird wie die vielen anderen Prozesse, die schon im Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts Düsseldorf gegen dschihadistische Terroristen stattgefunden haben, macht die Vorsitzende Richterin Barbara Havliza am Mittwochmorgen unmittelbar nach Eröffnung der Hauptverhandlung mit ihrer ersten Entscheidung deutlich. Nils D. muss nicht auf der Anklagebank hinter der Trennscheibe aus Sicherheitsglas bleiben, so wie Marco G., der hier schon seit Monaten regelmäßig sitzt, unter anderem weil er eine Bombe am Bonner Hauptbahnhof plaziert haben soll, die wahrscheinlich wegen eines technischen Defekts nicht explodierte. Auch die mitunter flegelhaften Mitglieder der Sauerland-Gruppe mussten vor einigen Jahren stets hinter der Scheibe bleiben. Nils D. aber habe sich von seiner Terrororganisation distanziert, deshalb könne die Trennscheibenanordnung aufgehoben werden, sagt die Vorsitzende Richterin. Also setzt sich D. neben seine Verteidiger.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Die Terrororganisation von Nils D. war nicht irgendeine kleine Gruppe. Nils D. aus Dinslaken am Niederrhein gehörte einst zur berüchtigten salafistischen „Lohberger Brigade“, von der mittlerweile fünf Mitglieder bei Kämpfen in Syrien oder als Selbstmordattentäter ums Leben gekommen sind. Ende 2013 reiste D. seinen Freunden nach Syrien hinterher und war dann dort selbst für einige Zeit Teil der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). Als D. Ende 2014 überraschend nach Dinslaken zurückkehrte, behauptete er, in Istanbul gewesen zu sein. Die Sicherheitsbehörden glaubten das nicht.

          „Gestapo des IS“

          Wochenlang wurde D. observiert. Am Abend des 10. Januar 2015 stoppten maskierte Spezialkräfte den Extremisten dann in seinem Auto. Freimütig hatte D. kurz zuvor einem Freund erzählt, was er so in Syrien getrieben hatte. Die Beamten hatten alles mitgehört; das Auto von D. war verwanzt gewesen. Zunächst wollte D. nicht auspacken. Doch dann stießen die Ermittler auf Handy-Fotos: Nils D. mit Sprengstoffgürtel, Nils D., wie er einem gefangenen Mann eine Pistole an den Hinterkopf hält.

          Seither spricht Nils D. auch mit den deutschen Behörden freimütig. Er hat sich als wertvoll für die Terror-Ermittler herausgestellt. Denn in den vielen seiner Vernehmungen seit seiner Festnahme und als Zeuge in Prozessen gegen andere selbsternannte Gotteskrieger gab der 25 Jahre alte Mann schon umfangreich Auskunft: über IS-Organisationsstrukturen und Zusammenhänge, die Staatsanwälte Angeklagten sonst kaum nachweisen könnten. Er selbst war demnach beim „Sturmtrupp“ des IS. Diese Spezialeinheit, die Deserteure gnadenlos verfolgt, foltert und hinrichtet, gilt wegen ihrer vielen deutschen Mitglieder als „Gestapo des IS“. Nur an Gewalttaten will D. selbst nie beteiligt gewesen sein.

          Auch die Anklage, die Bundesanwältin Carola Bitter am Mittwochmorgen im Oberlandesgericht Düsseldorf vorträgt, fußt in weiten Zügen auf den Aussagen von Nils D. Demnach erhielt der junge Mann eine Ausbildung an diversen Pistolen und Gewehren und im Umgang mit Sprengstoff. Für „den täglichen Gebrauch“ händigten IS-Leute ihm eine Kalaschnikow aus. Zeitweilig trug er einen Sprengstoffgürtel um den Bauch. Als Mitglied der IS-Spezialeinheit nahm er Spione und Deserteure mit Waffengewalt fest und brachte sie in Gefängnisse der Terrororganisation.

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