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Anschläge in Paris : Valls warnt vor Anschlägen in anderen europäischen Ländern

  • Aktualisiert am

Der französische Premierminister Manuel Valls gemeinsam mit den französischen Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Sonntag in Paris Bild: Reuters

Frankreichs Luftwaffe hat Stellungen des IS in Syrien bombardiert. Dort sitzen nach Angaben des französischen Premierministers die Hintermänner der Anschläge von Paris. Außerdem bereite der IS weitere Angriffe vor, warnt er.

          Die Anschläge in Paris sind nach Angaben des französischen Premierministers Manuel Valls in Syrien vorbereitet worden. Die Attentate „wurden von Syrien aus organisiert, erdacht und geplant“, sagte Valls am Montagmorgen dem Radiosender RTL.

          Valls warnte, dass die Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) nach den Angriffen in Paris auch Attacken in anderen europäischen Ländern vorbereite. „Wir wissen, dass Operationen vorbereitet werden, nicht nur in Frankreich, sondern gegen andere europäische Länder“, sagte er. „Wir werden noch lange mit dieser Bedrohung leben.“

          Der Drahtzieher der Anschläge von Paris könnte nach Medienberichten der polizeibekannte belgische Dschihadist Abdelhamid Abaaoud sein. Mindestens einer, wenn nicht zwei der Selbstmordattentäter seien Freunde von Abaaoud gewesen, berichtete die belgische Tageszeitung „De Standaard“ am Montag unter Berufung auf belgische Sicherheitsdienste. Der Sender RTL meldete ohne Angabe von Quellen, Ermittler hätten Abaaoud als Drahtzieher identifiziert. Abaaoud gilt bereits seit längerem als der meistgesuchte Islamist Belgiens. Er soll sich zuletzt in Syrien aufgehalten haben. Früher lebte er in dem als Islamistenhochburg bekannten Brüsseler Stadtteil Molenbeek.

          Frankreich fliegt Luftangriffe : IS-Hochburg in Syrien bombardiert

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          Bei Durchsuchungen in Lyon wurde ein Raketenwerfer und andere Waffen gefunden. Zudem seien fünf Verdächtige festgenommen worden, verlautete am Montag aus Ermittlerkreisen. In der Nacht zu Montag liefen im Rahmen des nach den Anschlägen verhängten Ausnahmezustands auch in Bobigny, Toulouse, Grenoble und anderen Städten Frankreichs dutzende Durchsuchungen im islamistischen Milieu, die aber nicht in direktem Zusammenhang mit den Anschlägen von Paris standen.

          Insgesamt habe es mehr als 150 Durchsuchungen in Frankreich gegeben, sagte Ministerpräsident Valls. Präsident François Hollande hatte am Freitagabend nach den islamistischen Anschlägen mit 129 Toten den Ausnahmezustand verhängt. Er erlaubt insbesondere Durchsuchungen ohne richterlichen Beschluss in der Nacht. Aus Ermittlerkreisen verlautete, die meisten Durchsuchungen seien nicht direkt verbunden mit den Ermittlungen zu den Hintermännern und Komplizen der Attentäter von Paris.

          Allein in der Region von Lyon und Villefranche-sur-Saône gab es 13 Durchsuchungen. Laut Ermittlerkreisen wurden bei einem Verdächtigen ein Raketenwerfer, Splitterschutzwesten, mehrere Pistolen und ein Sturmgewehr gefunden. In der Region von Grenoble wurde laut der Zeitung „Dauphiné Libéré“ „mehr als ein halbes Dutzend“ Menschen festgenommen sowie Geld und Waffen beschlagnahmt. Laut Ermittlerkreisen richteten sich die Durchsuchungen gegen Verdächtige an der Grenze von Kriminalität und politischem Extremismus.

          In Toulouse wurden in der Nacht bei Durchsuchungen drei Verdächtige festgenommen. Die Razzien fanden in dem Viertel statt, in dem der islamistische Attentäter Mohammed Merah lebte, der im März in Toulouse und Montauban drei Soldaten und einen Lehrer und drei Schüler einer jüdischen Schule ermordet hatte. Auch im Großraum Paris gab es laut Ermittlern rund 30 Durchsuchungen.

          Videografik : Die Anschläge von Paris

          De Maizière warnt vor weiteren Anschlägen

          Befürchtet wird, dass eine ganze Gruppe von Attentätern oder deren Helfern abgetaucht sein könnte. „Am besorgniserregendsten ist die Information, dass möglicherweise noch eine Tätergruppe in Frankreich unterwegs ist“, sagte auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Sonntagabend im ZDF. Der Chef der Innenministerkonferenz Roger Lewentz (SPD) forderte gegenüber der Zeitung „Die Welt“ auch die Bürger in Deutschland zu erhöhter Wachsamkeit auf.

          Frankreich kündigte am Abend zudem an, den geltenden Ausnahmezustand um drei Monate zu verlängern. Er soll unter anderem ermöglichen, verstärkt gegen radikale Imame vorzugehen. Im Kabinett solle über die Schließung von Moscheen beraten werden, „in denen Hass verbreitet wird“, kündigte Innenminister Bernard Cazeneuve am Sonntag im Fernsehsender France 2 an.

          Auch militärisch erhöht Frankreich den Druck: Die Verteidigungsminister Frankreichs und der Vereinigten Staaten vereinbarten eine stärkere Zusammenarbeit im Kampf gegen den IS und verständigten sich in einem Telefonat auf „konkrete Maßnahmen“. 

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          Reich der Dschihadisten : Der IS und seine Verbündeten

          Kurze Zeit später griff die französische Luftwaffe Stellungen der Terrormiliz in Raqqa in Syrien an und zerstörten nach eigenen Angaben eine Kommandostelle mit Waffen- und Munitionslager sowie ein Ausbildungslager. Die Franzosen setzten dabei ein Dutzend Flugzeuge ein und warfen rund 20 Bomben.

          Bild: dpa

          Über drei der mindestens sieben getöteten Angreifer sind inzwischen erste Details bekannt. Einer war ein französischer Kleinkrimineller, zwei Attentäter sind womöglich als Flüchtlinge getarnt eingereist.

          Bei den Überresten eines der Selbstmordattentäter vom Stade de France wurde ein syrischer Pass gefunden. Ob es sich um eine gezielt hinterlassene Fälschung handelt, war zunächst offen. Spekuliert wurde, dass dieser Mann und ein weiterer Attentäter als Flüchtlinge getarnt in die EU eingereist sein könnten.

          Quelle: dpa/Reuters/AFP

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