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Islamismus in NRW : Die Spur von „Millatu Ibrahim“

Brigade-Chef Philip B. ist mittlerweile tot. Bei einer „Märtyreroperation“ gegen kurdische Einheiten in der Nähe der irakischen Stadt Mossul soll er als Selbstmordattentäter zwanzig Menschen mit aus dem Leben gerissen haben. Sein letzter Facebook-Eintrag lautete: „Wir wollen für Allah sterben. Denn das Jenseits ist für die Gläubigen die wahre Wohnstätte.“ Mustafa K., die Brüder Hassan und Hüssein D., Yunus E. und andere Brigadisten aus Dinslaken sind bei Kämpfen ums Leben gekommen.

Einen „harten Kern“ hat die Gruppe seither nicht mehr. Neben Nils D. sollen es noch fünf weitere Syrien-Reisende nach Dinslaken zurückgeschafft haben. Die nordrhein-westfälischen Sicherheitsbehörden bewerten sie nicht als akute Gefahr. Sie seien „desillusioniert“ vom „Heiligen Krieg“, heißt es. Allerdings gibt es nach Auskunft des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes noch einige Salafisten in Dinslaken und im nahen Duisburg, die mit „Brigadisten“ in Syrien bekannt sind. Es bestehe also die Gefahr, dass sich weitere Salafisten aus der Region radikalisierten und ausreisten.

Im Islamismus fand Mahmoud Halt

Glaubt man Mahmoud, dann existiert „Millatu Ibrahim“ weiter - in Syrien. „Millatu Ibrahim ist hier im Islamischen Staat“, ließ er im März wissen, als er wieder einmal eine seiner üblen Drohungen im Internet verbreitete. Der 1985 als Sohn ägyptischer Eltern in Wien geborene Mahmoud nennt sich „Abu Usama al-Gharib“ (der Fremde).

Mahmoud war ein schwacher Schüler, der sich in Österreich ausgegrenzt fühlte. Früh fand er im Islamismus Halt. Im Sommer veröffentlichte der IS ein Video, in dem Mahmoud neben einem deutschen „Bruder“ zu sehen ist. Es war eine doppelte Premiere: Erstmals stellte der IS einen Propagandastreifen nur auf Deutsch ins Netz. Zudem war es das erste Mal, dass ein deutscher Dschihadist vor laufender Kamera einen Mord verübte.

Zunächst rufen Mahmoud und der als „Abu Umar al-Almani“ bezeichnete andere Extremist Muslime auf, sich entweder dem IS anzuschließen - oder „ihr führt den Dschihad in Deutschland und Österreich durch ... Unsere Rache wird bei euch vor Ort sein.“ Man brauche nicht viel dazu. „Nimm ein großes Messer und schlachte jeden Kafir (Ungläubigen)“, äußert Mahmoud. Das Video endet damit, dass Mahmoud und „Abu Umar al-Almani“ ihre Sturmgewehre laden und die zwei vor ihnen knienden Gefangenen erschießen.

Der Arbeitgeber informierte die Sicherheitsbehörden

Nach der Veröffentlichung des Gräuelvideos dauerte es ein paar Tage, bis die deutschen Sicherheitsbehörden „Abu Umar al-Almani“ identifiziert hatten. Die Dschihadisten-Spur führt nach Nordrhein-Westfalen. Bei „Abu Umar al-Almani“ soll es sich um den 28 Jahre alten Yamin A.-Z. handeln. Er lebte mit seiner Frau in Königswinter, hatte in Bonn bei einem großen Telekommunikations-Konzern eine kaufmännische Ausbildung begonnen.

Als er offen Sympathien für Terroristen bekundete, informierte sein Arbeitgeber die Sicherheitsbehörden. Ende 2014 erschien A.-Z. nicht mehr zur Arbeit, bekam schließlich seine Kündigung. Im Frühjahr zog er mit seiner Frau aus der gemeinsamen Wohnung aus - in einer Nacht- und Nebelaktion, wie sich Nachbarn erinnern. Vermutlich führte auch sein Weg über die Türkei nach Syrien, wo er sich dann Mahmouds „Millatu Ibrahim im Islamischen Staat“ anschloss.

Der Dschihad sei „tatsächlich der Urlaub für uns“, behauptet der Dschihadist aus Königswinter in dem IS-Propagandavideo. Auch er ruft Gesinnungsgenossen in Deutschland zu Terrorattacken auf. Greift die Ungläubigen an, sagt der junge Deutsche. „In ihren eigenen Häusern. Tötet sie dort, wo ihr sie findet!“.

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