http://www.faz.net/-gpf-8jwjb

Gottesdienst in Rouen : Christen und Muslime trauern gemeinsam um ermordeten Priester

  • Aktualisiert am

Muslime trauern am Sonntag in der Kathedrale von Rouen um die von IS-Sympathisanten ermordeten Priester Jaques Hamel Bild: AFP

Vereint gegen den Terror: Katholiken und Muslime beten bei einem Trauergottesdienst im französischen Rouen gemeinsam für den ermordeten Priester Jacques Hamel. Imame wollen den Tätern offenbar ein islamisches Begräbnis verweigern.

          Katholiken und Muslime haben bei einem Trauergottesdienst im französischen Rouen des ermordeten Priesters Jacques Hamel gedacht. Unter den rund 2.000 Teilnehmern in der Kathedrale von Rouen waren mehr als hundert Menschen muslimischen Glaubens. Der muslimische Kultusrat hatte die Muslime dazu aufgerufen, ihre Solidarität und ihr Mitgefühl mit den Christen zu zeigen.

          Der 85-jährige Geistliche Hamel war am Dienstag beim Überfall zweier Islamisten auf seine Kirche im normannischen Saint-Etienne-du-Rouvray brutal mit einem Messer ermordet worden. Die Angreifer wurden kurz darauf von der Polizei erschossen. Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) beanspruchte die Tat für sich.

          Der Erzbischof von Rouen, Dominique Lebrun, dankte den Muslimen für ihre Teilnahme an dem Gottesdienst. Die Ermordung eines einfachen Priesters sei grauenhaft und gegen jede Gerechtigkeit. Aber, so Lebrun wörtlich: „Wie wir aus ihrem Mund gehört haben - und wir halten das für ehrlich -, ist das nicht der Islam.“ Am Schluss umarmte der Erzbischof die Repräsentanten der Muslime sowie die drei Ordensschwestern, die zum Zeitpunkt des Überfalls mit Hamel die Messe feierten. Der ermordete Priester soll am Dienstag in Rouen bestattet werden.

          Derweil berichteten französische Medien am Wochenende, örtliche Imame wollten den beiden Attentätern ein islamisches Begräbnis verweigern.

          Auch in Italien kamen Vertreter islamischer Gemeinden und Verbände zu Solidaritätsbezeigungen in zahlreiche katholische Kirchen. Der Vorsitzende der „Gemeinde der Arabischen Welt in Italien“, Fuad Audi, sprach laut der Zeitung „Repubblica“ (Onlineausgabe) von mehr als 15.000 Muslimen, die landesweit an christlichen Sonntagsgottesdiensten teilgenommen hätten.

          Der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz Kardinal Angelo Bagnasco äußerte sich in einer Stellungnahme „sehr froh und sehr dankbar“ über die Geste. Eine solche Verurteilung der Gewalt „ohne Wenn und Aber“ sei von Muslimen in Italien bislang nicht immer so einhellig zu vernehmen gewesen, erklärte der Genueser Erzbischof vom Weltjugendtag in Krakau aus.

          Weitere Themen

          Trump sagt Betroffenen Hilfe zu Video-Seite öffnen

          Hurrikan „Florence“ : Trump sagt Betroffenen Hilfe zu

          Was auch immer getan werden könne, werde getan, versprach Präsident Donald Trump bei einem Besuch in South Carolina. Auch mehrere Tage nach dem Durchzug des Wirbelsturms standen in Conway immer noch Gebiete unter Wasser.

          EU will mit Ägypten reden Video-Seite öffnen

          Kurz zu Flüchtlingsfragen : EU will mit Ägypten reden

          In Salzburg sind die Vertreter der EU-Staaten zum zweiten Tag eines informellen Gipfels zusammengekommen. In Flüchtlingsfragen soll es Gespräche mit Ägypten und anderen nordafrikanischen Staaten geben, so Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz

          Topmeldungen

          Es geht auch ohne : Diese Start-ups haben genug vom Plastik

          Plastik verbannen ist das eine, Alternativen schaffen das andere. Drei junge Unternehmen versuchen genau das – und stehen damit für eine boomende und zukunftsweisende Industrie.

          Morddrohung nach AfD-Satire : Der Vernichtungsreflex

          Wegen eines Satirevideos bekommt Schlecky Silberstein, der Kopf des „Bohemian Browser Ballett“, Hausbesuch von der AfD. Und eine Morddrohung. Die Partei zeigt, was wirklich in ihr steckt.

          Platzverweis für Ronaldo : „Rot und Tränen“

          Weltweit wird die Rote Karte für Cristiano Ronaldo diskutiert. Die Medien kommentieren den tränenreichen Abgang und kritisieren den deutschen Schiedsrichter Felix Brych. Ronaldos Schwester reagiert polemisch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.