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Veröffentlicht: 19.02.2016, 21:57 Uhr

Kampf um Syrien Frankreich warnt Türken vor Krieg mit Russland

Alarmierende Worte von François Hollande: Wegen ihres Eingreifens in Syrien riskiere die Türkei gerade einen Krieg mit Russland. Der türkische Präsident wirft Washington derweil Waffenlieferungen an Kurden vor.

© AFP Frankreichs Staatspräsident findet sehr alarmierende Worte.

Frankreichs Staatspräsident François Hollande warnt vor einem Krieg zwischen Russland und der Türkei. „Die Türkei ist in Syrien involviert“, sagte Hollande in einem Interview mit dem Radiosenders France Inter. „Da gibt es ein Kriegsrisiko.“ Es müsse alles getan werden, um eine Eskalation zu verhindern.

Hollande fügte in dem Gespräch am Rande des EU-Gipfels in Brüssel hinzu, dass ein solcher Konflikt kein direkter Krieg wäre. „Aber es könnte ein indirekter Krieg sein.“

 
Frankreichs Präsident schlägt Alarm: Die Türkei riskiere gerade einen Krieg mit Russland.

Die türkische Armee hatte zuvor während ihrer bisher heftigsten Angriffe auf den Norden des Landes Gebiete unter Kontrolle der Kurden-Miliz YPG beschossen, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete. Die Türkei macht (bislang) die YPG für den Anschlag auf einen Bus in der Hauptstadt Ankara am Mittwoch verantwortlich. Unklar ist, ob dies so bleibt, nachdem sich an diesem Freitag die kurdische Terrorgruppe TAK zu dem Anschlag bekannt hat, die einmal aus der verbotenen Arbeiterpartei PKK hervorgegangen war.

Erdogan schimpft mit Amerika

Moskau unterstützt das syrische Regime des Machthabers Assad. Im Falle einer Bodenoperation der Türkei in Syrien würde darum ein offener Konflikt mit Russland drohen. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern hatten sich ohnehin massiv verschlechtert, nachdem die Türkei im November einen russischen Kampfbomber im syrisch-türkischen Grenzgebiet abgeschossen hatte. Ankara warf Moskau Grenzverletzung vor. Der Kreml wies das zurück und verhängte Sanktionen im Handel und Tourismus gegen das Nato-Land.

Die Gemengelage ist aber noch viel komplizierter. Denn die kurdischen Kämpfer in Syrien sind teils auch mit westlichen Ländern, etwa den Vereinigten Staaten, verbündet im Kampf gegen die Terror-Organisation IS. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan beschwerte sich an diesem Freitag an Washington gerichtet darüber, dass die YPG-Milizen von den Amerikanern gelieferte Waffen gegen Zivilisten eingesetzt hätten. Das amerikanische Außenministerium wies Erdogans Vorwürfe zurück. Die YPG sei in keiner Form von den Vereinigten Staaten mit Waffen versorgt worden, sagte ein Sprecher dazu.

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Erdogan wiederum sagte, er habe schon vor Monaten während eines Treffens mit Präsident Barack Obama beklagt, dass die Vereinigten Staaten Waffen lieferten. Die Ladung von drei Flugzeugen sei schließlich je zur Hälfte beim IS und der PYD gelandet. Diese Waffen seien gegen Zivilisten eingesetzt worden. Erdogan bezog sich dabei offenbar auf einen Abwurf von 28 Paletten mit amerikanischen Militärgütern Ende des Jahres 2014, die für irakische Kurden im Kampf um die syrische Stadt Kobani gedacht waren. Das Pentagon erklärte damals, eine Palette sei in die Hände des IS gelangt, die anderen seien anschließend infolge eines Luftangriffs vernichtet worden.

Die Türkei sieht in der YPG einen Verbündeten kurdischer Rebellen in der Türkei. Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte, es sei ein Zeichen von Schwäche, sich im Kampf gegen den IS auf „Terrorgruppen“ wie die YPG zu stützen: „Jeder muss diesen Fehler korrigieren - insbesondere unser Verbündeter USA muss diesen Fehler sofort korrigieren.“

„So islamisch wie der Ku-Klux-Klan christlich“

Unterdessen erklärte der saudiarabische Außenminister Adel al-Dschubeir, sein Land wolle moderaten Oppositionsgruppen in Syrien Boden-Luft-Raketen zur Verfügung stellen. Dem „Spiegel“ sagte Dschubeir, diese Waffen würden es „der gemäßigten Opposition ermöglichen, Hubschrauber und Flugzeuge des Regimes auszuschalten“ - und dadurch die Machtverhältnisse in Syrien zu verändern.

Die russische Intervention werde die Regierung von Machthaber Baschar al-Assads langfristig nicht retten, so Dschubeir weiter. Assad müsse abtreten, um einen politischen Prozess zu ermöglichen. „Die andere Option ist, dass der Krieg weitergeht und Assad besiegt wird.“

Saudi-Arabien sei außerdem bereit, den Einsatz einer von Amerika geführten Koalition gegen den IS in Syrien mit Spezialkräften zu unterstützen. Eine ideologische Nähe zwischen dem IS und dem Wahhabismus, der extrem konservativen Auslegung des Islams in Saudi-Arabien, stritt der Minister ab: „Der IS ist ungefähr so islamisch wie der Ku-Klux-Klan christlich ist.“

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