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Kommentar : Im Weltkrieg

Polizisten beziehen am Freitagabend hinter einem ihrer Bulis Stellung Bild: dpa

Mit dem Islamischen Staat ist ein Ungeheuer herangewachsen, das seine Tentakel um die ganze freie Welt schlingen will. Der Westen muss nun seinen Willen und seine Fähigkeit demonstrieren, seine Werte zu schützen. Die Deutschen haben nichts gegen ein freundliches Gesicht an der Spitze ihrer Regierung. In solchen Zeiten aber wollen und müssen sie ein anderes sehen: ein hartes.

          Wieder Paris, wieder ein Anschlag auf die ganze freie Welt. Nur zehn Monate nach dem Attentat auf „Charlie Hebdo“ erschüttert eine noch blutigere Tat die französische Hauptstadt und die übrige Menschheit, jedenfalls den Teil von ihr, den man zivilisiert nennen kann. Der „11. September Frankreichs“ wird der konzertierte Terrorangriff mit seinen vielen Toten und Verletzten genannt. Schon in der perfiden Choreographie des Terrors, die auf eine maximale Öffentlichkeit des Schreckens abzielte, zeigen sich Parallelen. Man will sich nicht vorstellen, welche Bilder live um die Welt gegangen wären, wenn es die Terroristen geschafft hätten, in das Fußballstadion zu kommen.

          Die verunsichernde Wirkung des 13. Novembers übertrifft in einem noch die Wucht der Schockwellen von damals. Die Botschaft der Anschläge auf Amerika war: Der islamistische Terrorismus hat dem Westen den Krieg erklärt – und er ist dazu fähig, ihn in die Herzen der westlichen Metropolen zu tragen. Die blutige Mitteilung von Paris lautet: Ihr könnt uns auch anderthalb Jahrzehnte danach immer noch nicht daran hindern. Eure Mühen und Opfer im „Krieg gegen den Terror“, ob auf fremder oder eigener Erde, waren vergebens.

          Städte zerstören, Kulturen auslöschen

          In der muslimischen Welt ist ein Ungeheuer herangewachsen, das seine Tentakel um die ganze Welt schlingen möchte. Man kann kontrovers darüber diskutieren, aus welchem Schoß es kroch, wer es gezeugt hat und wer es immer noch füttert. Doch sollte man nicht glauben, es zöge sich friedlich zurück in seine Höhle, wenn man es nur nicht mehr reizte – es also nicht mehr mit Waffengewalt daran zu hindern suchte, ganze Volksgruppen zu massakrieren, Städte zu zerstören und Kulturen auszulöschen. Das Ungeheuer hat viele Köpfe und Arme, die immerfort nachzuwachsen scheinen, wenn man sie abschlägt. Es trägt wechselnde Namen.

          Doch sein Wesen bleibt gleich: Es ist ein Antagonist der Lebensart und der politischen Verfasstheit des Westens, die es hasst und vom Antlitz der Erde tilgen will. Es geht ihm nicht nur um die „Befreiung“ der muslimischen Welt vom Einfluss der „Ungläubigen“. Es will die ganze Welt nach Vorstellungen umgestalten, die für die liberalen Demokratien und ihre offenen Gesellschaften unerträglich sind. Deren Ideale sind die Ideale der französischen Revolution. Ihrethalben ist Frankreich angegriffen worden und mit ihm der ganze Westen. Der „Islamische Staat“ führt nach eigenem Verständnis einen Weltkrieg.

          Polizeibeamte suchen Beweismaterial in Trümmern unter einem mit Blut bespritzen Wegweiser in der Nähe des Stade de France. Bilderstrecke
          Anschläge : Terror in Paris - am Tag danach

          Frankreich hat sich im Irak und in Syrien mit militärischen Mitteln an dem Versuch beteiligt, das Ungeheuer aufzuhalten. Der Terrorangriff auf Paris ist eine Quittung dafür nach Art des IS. Die Franzosen gehören nicht zu den Nationen, die sich von solchen Vergeltungschlägen einschüchtern lassen. Hollande spricht von einem „Kriegsakt“. Das könnte schwerwiegende Folgen nach sich ziehen – für Frankreich, für die Nato und damit auch für den wichtigsten Verbündeten, Deutschland. Merkels Diktum, man müsse die Fluchtursachen schon in Syrien bekämpfen, könnte plötzlich einen von ihr nicht gewollten Bedeutungswechsel erfahren. Wie wird der Terror von Paris in Ländern wirken, die eher der Ansicht zuneigen, wer selbst nicht bombardiere, werde auch nicht bombardiert?

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