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Veröffentlicht: 15.11.2015, 08:27 Uhr

Kommentar Im Weltkrieg


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Der Westen darf sich nicht einschüchtern lassen

Mehr denn je kommt es jetzt auf die Geschlossenheit des Westens an. Und darauf, dass er seinen Willen und seine Fähigkeit demonstriert, seine Werte zu schützen. Das wird angesichts des Ausmaßes der Bedrohung und der Asymmetrien des Konflikts nicht gänzlich ohne Einschränkungen der Freiheiten möglich sein, die es zu verteidigen gilt, gegebenenfalls auch mit eigenen Truppen in Syrien. Ohne Opfer wird dieser epochale Kampf nicht zu bestehen sein. Obsiegen kann in der Konfrontation mit dem Terrorismus nur, wer sich von ihm nicht einschüchtern und erpressen lässt. Was hätte Deutschland von Helmut Schmidt gelernt, wenn nicht das?

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Die Ereignisse von Paris werden nicht nur in Frankreich die Debatten über das Verhältnis von Islamismus und Islam und über die Milieus anfachen, die den Terrorismus nähren. Der massenhafte Zustrom von jungen Männern aus den Krisen- und Kriegsgebieten des Nahen und Mittleren Ostens treibt vielen deutschen Sicherheitsfachleuten Schweißperlen auf die Stirn: nicht, weil sie fürchteten, dass die Trecks zur Hälfte aus schon zu allem entschlossenen Fanatikern bestünden. Doch kommen da zuhauf Menschen ins Land, die jene Parallelgesellschaften vergrößern könnten, die es in Deutschland gibt, mehr aber noch in den Vorstädten Frankreichs. Die sind so verschlossen, dass es selbst den wenig zimperlichen französischen Sicherheitsbehörden nicht gelingt, sie in der nötigen Weise zu durchleuchten und zu kontrollieren. Für die Werber des islamistischen Terrorismus aber sind die Ansammlungen von leicht radikalisierbaren und von Gewalterfahrungen geprägten zornigen jungen Männern ein ideales Terrain.

© reuters Bundesregierung verstärkt Sicherheitsmaßnahmen

Ein Staat, der seine raison d’être ernst nimmt, darf es ihnen nicht überlassen. Er muss Terroristen daran hindern, ihr Teufelswerk auf seinem Gebiet zu verrichten, ob als Selbstmordattentäter, Verführer oder „Schläfer“. Vor allem aber müssen die westlichen Staaten den eigenen Bürgern das geben, was die Terroristen ihnen nehmen wollen – das Gefühl von Sicherheit. Es ist vielen Deutschen schon im Verlauf der Flüchtlingskrise abhanden gekommen. Die Täter von Paris dürften kaum in einem der Züge gesessen haben, die in München mit Willkommensplakaten begrüßt wurden.

Doch kam auch mit diesen Zügen schon eine Angst ins Land: dass Deutschland sich bei dem Versuch, fremde Kulturen und Konflikte zu integrieren, hoffnungslos übernimmt und danach nicht mehr so sein kann, wie es sein will. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit (auch Solidarität mit den Armen und Verfolgten der Welt) sind längst auch deutsche Ideale. Doch noch ein vierter Wert gehört dazu, ohne den alles andere nichts ist – Sicherheit. Die Deutschen haben nichts gegen ein freundliches Gesicht an der Spitze ihrer Regierung. In solchen Zeiten aber wollen und müssen sie ein anderes sehen: ein hartes.

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Quelle: wahlrecht.de
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