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Afghanistan : Vier Tote bei Angriff auf deutsches Konsulat in Masar-i-Scharif

  • Aktualisiert am

Standort des deutschen Generalkonsulats in Masar-i-Scharif Bild: dpa

Das deutsche Generalkonsulat in der afghanischen Stadt Masar-i-Scharif ist Ziel eines Selbstmordanschlags geworden. Vier Menschen werden getötet, fast 120 verletzt.

          Bei einem Angriff der radikalislamischen Taliban-Milizen auf das deutsche Generalkonsulat in der nordafghanischen Stadt Masar-i-Scharif mit einer Autobombe sind mindestens vier Menschen getötet worden. Das sagte der Leiter des großen Zivilkrankenhauses der Stadt, Nur Mohammed Fais, in der Nacht zum Freitag. Alle Toten seien Afghanen. Mindestens 119 Menschen seien verletzt worden. Deutsche waren nach Angaben des Auswärtigen Amtes nicht zu Schaden gekommen.

          Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes erklärte am Freitagmorgen, alle deutschen Mitarbeiter des Konsulats seien „sicher und unverletzt“. Die „schwer bewaffneten Angreifer“ seien vom Sicherheitspersonal des Generalkonsulats, von afghanischen Sicherheitskräften und Sondereinsatzkräften der Nato-Militärmission „Resolute Support“ aus dem etwa zehn Kilometer entfernten, von der Bundeswehr geführten Camp Marmal zurückgeschlagen worden. In dem Lager sind derzeit noch etwa 1000 deutsche Soldaten stationiert, darunter auch eine sogenannte Schnelle Eingreiftruppe. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte noch am späten Donnerstagabend einen Krisenstab einberufen.

          Der besondere Dank des Auswärtigen Amts gelte „den afghanischen Sicherheitskräften und den georgischen Einsatzkräften von ’Resolute Support’, die mutig, professionell und ohne Zögern zu Hilfe geeilt sind und den Angriff erfolgreich zurückgeschlagen“ hätten, erklärte der Ministeriumssprecher.

          Das deutsche Generalkonsulat in Masar-i-Sharif. Auf diesem Foto aus dem Juni 2013 ist es gerade feierlich eingeweiht worden und deshalb unversehrt. Ein aktuelles Foto des Konsulats oder vom Anschlagsort liegt noch nicht vor.
          Das deutsche Generalkonsulat in Masar-i-Sharif. Auf diesem Foto aus dem Juni 2013 ist es gerade feierlich eingeweiht worden und deshalb unversehrt. Ein aktuelles Foto des Konsulats oder vom Anschlagsort liegt noch nicht vor. : Bild: dpa

          Im Generalkonsulat, das erst im Juni 2013 eröffnet worden war, sind etwa zwei Dutzend deutsche Mitarbeiter beschäftigt. Es ist die zweite deutsche Auslandsvertretung neben der Botschaft in der Hauptstadt Kabul. Sie befindet sich im Zentrum der Stadt, unweit der berühmten Blauen Moschee. Aus Sorge vor Anschlägen ist sie streng gesichert, unter anderem durch eine etwa fünf Meter hohe Mauer.

          Angriff gegen 23 Uhr Ortszeit

          Der Angriff begann laut Einsatzführungskommando der Bundeswehr gegen 23.05 Uhr Ortszeit. Anwohner berichteten von einer gewaltigen Explosion, die einen mehrere Meter tiefen Krater in die Straße gerissen habe. Ein Sprecher des Gouverneurspalasts, Munir Farhad, sagte, sie sei so mächtig gewesen, dass in weitem Umkreis Fensterscheiben zersplitterten. Der Strom fiel aus. Ein Anwohner sagte, „wir sitzen hier im Dunkeln und haben Angst, zu fliehen. Da draußen könnten noch mehr Taliban sein.“

          Nach Angaben des Polizeichef der Provinz, Saied Sadat, handelte es sich nach bisherigen Erkenntnissen aber um nur einen Attentäter. Deutsche Truppen hätten das Gebäude durchsucht und keine weiteren Angreifer entdeckt. Auch afghanische Spezialkräfte seien vor Ort und blieben bis zum Morgen, weil das Tor und Teile der Außenmauern schwer beschädigt worden seien.

          Der Attentäter habe einen mit Sprengstoff gefüllten Lastwagen gegen eine Außenmauer des Konsulats gefahren, sagte Polizeichef Sadat weiter. Es habe sich um einen Kohlelaster gehandelt. Das Gebäude wurde bei dem Angriff schwer beschädigt, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes.

          „Invasorenland Deutschland“

          Die Taliban bekannten sich zu der Tat. Der Angriff habe sich gegen das „Invasorenland Deutschland“ gerichtet und sei Vergeltung für einen Luftangriff in der nordafghanischen Provinz Kundus. Am 3. November waren in Kundus amerikanische Streitkräfte afghanischen Streitkräften unter Beschuss mit einem Luftangriff zu Hilfe gekommen. Dabei waren mehr als 30 Zivilisten ums Leben gekommen. Der Angriff löste international Kritik aus. UNO und Nato hatten nach heftigen Protesten eine Untersuchung des Luftangriffs angekündigt. Das amerikanische Militär räumte ein, dass bei dem Einsatz „sehr wahrscheinlich“ Zivilisten getötet worden seien. Seit März ist ein kleines Kontingent deutscher Soldaten in Kundus zur Beratung der afghanischen Armee. An dem Luftangriff waren sie nach Auskunft der Bundesregierung aber nicht beteiligt.

          Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten haben Ende 2014 ihren Kampfeinsatz in Afghanistan beendet und die Verantwortung für die Sicherheit den afghanischen Sicherheitskräften übergeben. Die verbleibenden Nato-Truppen konzentrieren sich seitdem auf Ausbildung, Beratung und Unterstützung von Anti-Terror-Einsätzen. Mehrere Rückschläge im Kampf gegen die Taliban ließen allerdings Zweifel an der Schlagkraft der afghanischen Polizei und Armee aufkommen. Seit diesem Jahr beteiligen sich amerikanische Soldaten daher wieder direkter am Kampf gegen die Taliban.

          Der Anschlag in der Nacht von Donnerstag auf Freitag war einer der bisher schwersten Angriffe auf ein deutsches Ziel in Afghanistan. Im Januar 2009 war die deutsche Botschaft in Kabul bei einem Autobombenanschlag beschädigt worden. Ein Talibansprecher gab damals an, zwei deutsche Diplomatenfahrzeuge seien das Ziel gewesen. Experten hielten es damals für wahrscheinlicher, dass die Taliban ein gegenüberliegendes amerikanisches Militärcamp angreifen wollten.

          Quelle: rad./dpa/AFP

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