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Anschlag auf Kirche : Wie der Mörder des Priesters die Justiz getäuscht hat

Ein schwer bewaffneter Polizist sichert die Kirche von Saint-Etienne-du-Rouvray, nahe Rouen Bild: dpa

Schon lange hatten die französischen Behörden einen Anschlag auf eine Kirche befürchtet. Dass der als IS-Anhänger polizeibekannte Täter zuschlagen konnte, lag auch an einer Richterin.

          Vor der Kathedrale Notre-Dame-de-Paris, dem christlichen Wahrzeichen von Paris, patrouillieren am Mittwoch Soldaten mit Sturmgewehren. „Frieden, Versöhnung und Liebe“ sollten die Herzen bestimmen, „trotz des Hasses, der uns nach der dramatischen Tat zu überwältigen droht“, sagt Kardinal André Vingt-Trois, der Erzbischof von Paris nach einem Gespräch mit Präsident Francois Hollande im Elysée-Palast. 

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Überall im Land läuten am Abend die Glocken zu Ehren des ermordeten Pfarrers Jacques Hamel. In Notre-Dame-de-Paris versammelten sich die Gläubigen in Anwesenheit von Präsident Hollande zu einer Gedenkmesse.  45.000 katholische Kirchengebäude zählt Frankreich, zu viele, um alle von Soldaten oder Polizisten überwachen zu lassen.  Präsident Hollande verspricht am Mittwoch dennoch, die Sicherheitsvorkehrungen zu verbessern.

          Schon lange hatten die französischen Sicherheitskräfte einen Anschlag in einer Kirche befürchtet.  Attentatspläne auf die Basilika Sacré Coeur in Paris und auf zwei Kirchen in Villejuif im Süden der Hauptstadt wurden im vergangenen Jahr vereitelt.  Der Schock über die barbarische Tat während der Morgenmesse in der Kirche von Saint-Etienne-du-Rouvray in der Normandie sitzt dennoch tief.

          Einer der Attentäter stammte aus dem 25.000-Einwohner-Ort, einem Arbeiterviertel vor den Toren von Rouen. Der Bürgermeister von Saint-Etienne-du-Rouvray, Hubert Wulfranc, gehört der Kommunistischen Partei an.  „Wir müssen angesichts der Barbarei aufrecht bleiben“, sagt er.

          Täter stürmten nach Mord mit Geiseln aus der Kirche

          Vor dem Rathaus legen schockierte Bürger den ganzen Tag über Blumen ab, entzünden Kerzen, umarmen sich und trösten einander. Das Rathaus liegt vielen näher als die Kirche. In der Normandie ist die Säkularisierung weit fortgeschritten, der Demograph Emmanuel Todd spricht von einem „Zombie-Katholizismus“. Aber dies gilt heute nicht, am Mittwoch besinnt sich das Land auf sein christliches Erbe.

          Der 86 Jahre alte Pfarrer Jacques Hamel zelebrierte nur noch zur Urlaubszeit in Vertretung die heilige Messe, wie am Dienstagmorgen. Um 9 Uhr 25 drangen zwei junge Männer in die von fünf Gläubigen besuchte Kirche ein. Einer Nonne gelang die Flucht durch eine Seitentür in die Sakristei, sie alarmierte die Polizei.

          Schwester Danielle berichtete später sichtlich erschüttert im Fernsehen, wie die Männer den betagten Pfarrer mit einem Messer auf die Knie zwangen.  „Sie haben sich währenddessen gefilmt. Sie haben eine Art Predigt auf Arabisch vor dem Altar gehalten. Es war der Horror“, sagte die Nonne.  Sie habe nicht mehr gesehen, was dann geschah.  Die Terroristen schnitten laut Angaben des Pariser Staatsanwaltes Francois Molins  dem Pfarrer die Kehle durch.

          Als die Einsatzkräfte der Polizei die Kirche stürmten, fanden sie seine Leiche und einen schwer verletzten, ebenfalls 86 Jahre alten Gläubigen in Altarnähe. Letzterer schwebe inzwischen nicht mehr in Lebensgefahr, sagte der Staatsanwalt am Dienstagabend. Die Terroristen wurden von der Polizei erschossen, als sie mit drei Geiseln als Schutzschild  – zwei Nonnen und eine Kirchgängerin – vor die Kirchentür traten. Die beiden Männer brüllten laut Molins dabei „Allahu akbar“.  Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ brüstete sich wenige Stunden später mit dem Anschlag.

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