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Explosionen in Brüssel : Ein Racheakt für die Verhaftung Abdeslams?

Einsatzkräfte kümmern sich um Verletzte an der Brüsseler Metro-Station Maelbeek. Bild: AP

In der vergangenen Woche nahm die Polizei in Brüssel den mutmaßlichen Paris-Attentäter Salah Abdeslam fest. Dessen Terrornetzwerk war nach Einschätzungen französischer Experten deutlich größer als bislang angenommen - und könnte nun Rache geübt haben.

          Für französische Terrorismus-Fachleute deutet alles darauf hin, dass es sich bei den Explosionen im Flughafen Zaventem und in der Metrostation Maelbeek in Brüssel um Racheakte des verbleibenden Terrornetzwerkes des 13. November handeln könnte. „Die Behörden haben eingestanden, dass das Terrornetzwerk viel größer war als zunächst angenommen. Racheakte nach der Festnahme von Salah Abdeslam scheinen deshalb wahrscheinlich“, sagte Claude Moniquet, französischer Terrorismusexperte, dem Fernsehsender BFM-TV.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Der französische Staatsanwalt Francois Molins, der die Ermittlungen zu den Pariser Anschlägen vom 13. November leitet, hatte bei einem Besuch in Brüssel am Montag vor neuen Anschlägen gewarnt. Abdeslam und seine Komplizen hätten ein großes Waffenarsenal angehäuft. Bei Hausdurchsuchungen in den vergangenen Tagen hatten die Ermittler große Mengen an Munition und Schusswaffen sichergestellt. Molins äußerte sich an der Seite des belgischen Staatsanwaltes Frédéric Van Leeuw. „Die Tatsache, dass wir auf ausländische Kämpfer mit schweren Waffen gestoßen sind, ist beunruhigend“, sagte Van Leeuw. „Ausländische Kämpfer mit Waffen in einem Haus, ich glaube kaum, dass dies zur Vorbereitung eines Picknicks diente. Die Ermittlungen müssen zeigen, ob sie Attentate planten oder vorbereiteten“, sagte der belgische Staatsanwalt am Montag.

          Nach dem Sprengstoffexperten des Terrornetzwerkes vom 13. November, dem 24 Jahre alten Belgier Najim Laachraoui, wird intensiv gefahndet. Laachraoui ist ein Kindheitsfreund von Abdeslam, seine Fingerabdrücke wurden auf mehreren Sprengstoffwesten in einem Versteck der Terroristen in Brüssel entdeckt. Die Ermittler gehen davon aus, dass Laachraoui einer der wichtigsten Drahtzieher der Anschläge ist. So soll er in der Terrornacht am 13. November von Brüssel aus die unterschiedlichen Terrorkommandos per SMS koordiniert haben.

          Video : Serie von Explosionen erschüttert Brüssel

          Laachraoui  war im September 2015 aus Syrien zurückgekehrt und unter dem Decknamen Soufiane Kayal in Ungarn der Polizei aufgefallen. Er reiste in Begleitung des Algeriers Mohamed Belkaid (dieser gab den Decknamen Samir Bouzid) an, der bei der Aushebung des Terroristenverstecks im Stadtteil Forest in Brüssel getötet wurde. Belkaid soll der zweite Koordinator der Anschläge des 13. November gewesen sein. An seine Mobiltelefonnummer schickten die drei Franzosen des Bataclan-Kommandos  am Abend des 13. Novembers eine SMS: „Wir fangen an“.

          Neben Laachraoui ist auch der mutmaßliche Terrorist Mohamed Abrini, 31 Jahre alt, ebenfalls flüchtig. Abrini zählt ebenfalls zu den Kindheitsfreunden von Abdeslam. Nach Erkenntnissen der Ermittler hat sich Abrini im syrischen Kampfgebiet aufgehalten. Sein Bruder Suleymane wurde 2014 in Syrien getötet. Abrini soll mit der Logistik des Terrornetzwerkes betraut sein. Terrorfachmann Moniquet sagte, Abrini und Laachraoui hätten womöglich die Attentatspläne nach der Festnahme Abdeslams beschleunigt.

          Mehrere Tote : Explosionen am Brüsseler Flughafen

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