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Aktualisiert: 10.01.2016, 18:07 Uhr

Frankreich Angreifer von Paris saß in Deutschland im Gefängnis

Der bei einem Angriff auf Pariser Polizisten getötete Mann nicht nur in Deutschland gewohnt, sondern auch im Gefängnis gesessen. Zudem soll er ohne Zweifel Tunesier sein. Seine Eltern klagen derweil die französische Polizei an.

© Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen Laut Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen zeigt dieses Bild den Attentäter von Paris.

Der bei einem Angriff auf Pariser Polizisten erschossene Mann soll sich laut Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve außer in Deutschland auch in der Schweiz und Luxemburg aufgehalten haben. Es sei bekannt, dass er ohne Zweifel tunesischer Herkunft sei und „dass er sich in mehreren Ländern der Europäischen Union aufgehalten haben soll, in Luxemburg, der Schweiz, Deutschland“, sagte Cazeneuve. Auf die Frage, ob der Mann möglicherweise Komplizen gehabt habe, erwiderte er in dem Interview mit den Sendern Europe 1 und iTélé sowie der Zeitung „Le Monde“: „Meines Wissens nicht.“Aus französischen Ermittlerkreisen hieß es, der Tote sei als ein Tunesier namens Tarek Belgacem identifiziert worden. Sein Selbstbezichtigungsschreiben hatte er mit Tarek B. unterzeichnet.

Er rief die Medien zur Vorsicht im Hinblick auf Informationen über den Mann auf. Dessen Aufenthalt in einer deutschen Asylbewerberunterkunft könne er nicht bestätigen, weil er nicht wisse, ob die Informationen zutreffen. Das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt hatte am späten Samstagabend mitgeteilt, dass der Mann zeitweise in einer Asylbewerberunterkunft in Recklinghausen gewohnt habe. Er war am Jahrestag des islamistischen Anschlags auf „Charlie Hebdo“ auf zwei Polizisten zugerannt und hatte ein Schlachterbeil gezogen.

Mindestens sieben verschiedene Identitäten

Der Asylbewerber spielte den deutschen Behörden mindestens sieben verschiedene Identitäten vor, verübte zahlreiche Straftaten und verbüßte im August eine einmonatige Freiheitsstrafe, wie der Direktor des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen, Uwe Jacob, am Sonntag berichtete. Gegen ihn sei unter anderem wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz, Rauschgifthandel und Körperverletzung ermittelt worden. Der Mann lebte bis Dezember in Recklinghausen. In seinen Räumen wurden zwei von ihm gefertigte Zeichnungen der Flagge der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gefunden.

Der Angreifer sei 2013 zum ersten Mal nach Deutschland eingereist und soll davor fünf Jahre illegal in Frankreich gelebt haben, sagte Jacob. Ausgegeben habe er sich als Tunesier, Marokkaner, Syrer und Georgier. „Wir sind uns nicht sicher, wer er tatsächlich ist“, sagte Jacob. Anfang August vergangenen Jahres sei er nach Recklinghausen gekommen und habe von der Stadt eine „Aufenthaltsgestattung“ bekommen.

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Die deutschen Ermittler gehen laut Jacob davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelt, der sich radikalisiert habe. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass ein Netzwerk im Hintergrund stehe. Eine 60-köpfige Ermittlungskommission arbeite unter Hochdruck an der Aufklärung der wahren Identität des Mannes, sagte Jacob. Bei Durchsuchungen in dem Recklinghäuser Asylbewerberheim seien Datentäger, Handy-Sim-Karten und Zettel in arabischer Sprache sichergestellt worden. Das Strafverfahren gegen ihn in Bezug auf die IS-Fahnen sei wieder eingestellt worden. „Wenn jemand zwei IS-Fahnen gezeichnet hat, heißt das nicht, dass wir ihn rund um die Uhr bewachen können“, sagte Jacob auf die Frage, ob die Behörden Fehler gemacht hätten.

Schon 2014 wurde der Mann zudem vom Amtsgericht Recklinghausen wegen Rauschgiftdelikten zu zwei Wochen Arrest verurteilt. Er soll auch auf einen schlafenden Obdachlosen eingetreten und ihn mit Alkohol übergossen sowie einen weiteren Mann schwer verletzt haben. In einer Kölner Diskothek soll er Frauen betatscht haben. Nach Erkenntnissen der Ermittler war der Mann in der Silvesternacht, als es zu massenhaften Übergriffen in Köln kam, wohl nicht in Deutschland. Der Mann sei einmal auch in Schweden festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert worden.

„Er hat nichts getan“

Unterdessen bestätigte ein tunesisches Paar, das sich als Tareks Eltern vorstellte, dass sich ihr Sohn kürzlich in Deutschland aufgehalten habe: Ihr Sohn habe sie von dort aus gebeten, ihm Auszüge aus dem Geburtsregister zu schicken und sei nur wegen seines Passes auf dem Pariser Kommissariat gewesen, sagte die Frau dem tunesischen Radiosender Sabra FM.

Sie selbst habe ihren Sohn gebeten, nach Hause zu kommen, da sie sich einer Handoperation unterziehen müsse und ihn sehen wolle, sagte die Frau. „Er hat nichts getan“, sagte sie weiter und warf den französischen Behörden vor, ihren Sohn grundlos getötet zu haben. Sein Vater bekräftigte, sein Sohn Tarek habe keiner extremistischen Organisation angehört.

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