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Kämpfer Ouattaras stehen vor Abidjan

 ·  Heftige Gefechte / UN-Sanktionen gegen Gbagbo / Ivorischer Machthaber in Panik

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tos. JOHANNESBURG, 31. März. Der Sturz des international geächteten Machthabers in der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo, scheint nur eine Frage von Tagen zu sein. Am Donnerstagabend waren die Kämpfer des international anerkannten ivorischen Präsidenten Alassane Ouattara noch rund hundert Kilometer von Abidjan entfernt. Dort hieß es, dass im Stadtteil Koumassi schon Rebellen in den Straßen patrouillieren. Aus Abidjan wurden heftige Gefechte gemeldet, französische Soldaten sollen in einem Viertel aufmarschiert sein, um Plünderungen zu unterbinden.

Zuvor hatten Kämpfer Ouattaras mehrere Städte, darunter die politische Hauptstadt Yamoussoukro erobert, ohne dass die Truppen Gbagbos nennenswerten Widerstand geleistet hätten. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verhängte am Mittwochabend Sanktionen gegen Gbagbo, dessen Frau und vier weitere Gefolgsleute des ivorischen Machthabers.

Selbst aus dem sogenannten Kakaogürtel, der Heimatregion Gbagbos, hatten sich dessen Truppen längst abgesetzt, wenn sie nicht gleich zu den "Forces républicaines" genannten Rebellen übergelaufen waren, die seit Beginn des ivorischen Bürgerkrieges 2002 die nördliche Landeshälfte kontrollieren. Armeechef Philippe Mangou, einer der Hardliner des Gbagbo-Regimes, suchte am Mittwochabend Zuflucht in der südafrikanischen Botschaft in Abidjan, wie die Regierung in Pretoria am Donnerstag mitteilte.

Das Gbagbo-Lager, das einen sofortigen Waffenstillstand gefordert hatte, der aber von Ouattara abgelehnt worden war, reagierte panisch auf den ungewöhnlich schnellen Vormarsch der Rebellen. Es begann am Mittwoch mit der Rekrutierung von Angehörigen der Miliz der "Jeunes Patriotes" für die Armee. Damit will das Regime die alte Kampfstärke wiederherstellen, die durch massenhafte Desertionen empfindlich geschwächt worden war. Die "Jeunes Patriotes" werden für zahlreiche Morde an Regimegegnern verantwortlich gemacht. Mutmaßlich wurde die Miliz am Donnerstag ebenso mit Waffen ausgerüstet wie zumindest ein Teil der knapp 5000 Insassen des größten Gefängnisses des Landes, die allesamt freigelassen wurden. Damit drohte ein blutiges Ende der Pattsituation, die seit der Wahl Ende vergangenen Jahres besteht.

Nach Auffassung der internationalen Gemeinschaft hat Alassane Ouattara die Präsidentenwahl mit deutlichem Vorsprung gewonnen. Gbagbo hingegen hatte Widerspruch gegen die Wahlergebnisse aus dem Norden eingelegt, wo es zu massiven Fälschungen zugunsten Ouattaras gekommen sein soll. Der ivorische Verfassungsrat war dieser Auffassung gefolgt, hatte die Wahlergebnisse aus den umstrittenen Bezirken annulliert und Gbagbo zum Sieger erklärt. Seither hat die Elfenbeinküste zwei Präsidenten: Gbagbo im Präsidentenpalast und Ouattara, der sich unter dem Schutz von UN-Soldaten in einem Luxushotel in Abidjan verschanzt. Mehr als 500 Personen kamen bei Zusammenstößen der beiden Lager ums Leben. Eine Million Ivorer sind außer Landes geflohen.

Bei den Rebellen, die im Stadtteil Koumassi von Abidjan in den Straßen patrouillieren sollen, handelt es sich offenbar um das sogenannte "unsichtbare Kommando" unter Ibrahim Coulibaly. Es führt seit mehreren Wochen innerhalb Abidjans einen Abnutzungskrieg gegen die Sicherheitskräfte. In Adjamé im Norden der Stadt kam es ebenfalls am Donnerstag zu heftigen Gefechten rund um eine Gendarmeriekaserne. Die UN-Mission in der Elfenbeinküste, Onuci, flog derweil ihr Personal mit Hubschraubern in das Nachbarland Ghana aus und nach Bouaké, der Hochburg der Rebellen im Norden der Elfenbeinküste. Onuci verfügt über 10 000 Soldaten, Polizisten sowie zivile Angestellte in der Elfenbeinküste, die von 600 französischen Elitesoldaten der "Opération Licorne" unterstützt werden.

Im Verlauf des Bürgerkrieges von 2002 bis 2007 hatten die Rebellen zwei Mal versucht, Abidjan mit seinen fünf Millionen Einwohnern unter ihre Kontrolle zu bringen. Sie waren aber jedes Mal am Widerstand der paramilitärisch organisierten Gendarmerie gescheitert. Ob diese auch heute noch zu Gbagbo steht, ist fraglich. Bei der Gendarmerie hat es wie bei der Polizei in den vergangenen Wochen massenhafte Krankmeldungen gegeben, womit sich die Beamten selbst aus der Schusslinie zu bringen versuchten, um nicht in Abobo oder Yopougon eingesetzt zu werden. In beiden Stadtvierteln von Abidjan toben seit Wochen heftige Gefechte.

Unklarheit herrschte am Donnerstag über den Verbleib von Gbagbo selbst. Eine für Mittwochabend angesetzte Rede an die Nation war ohne Angaben von Gründen abgesagt worden. Gerüchte, wonach Gbagbo am Donnerstag nach Angola abgereist sei, wurden vom Präsidialamt dementiert. Vor allem der Fall von Yamoussoukro am Mittwoch hatte das Gbagbo-Lager entmutigt und den Desertionen Vorschub geleistet. Yamoussoukro ist ein Symbol für das nationale Selbstverständnis der Ivorer, weil dort der Staatsgründer Félix Houphouët-Boigny geboren wurde, auf dessen Erbe sich beide Seiten berufen. Mit San Pedro fiel der größte Hafen für Kakao in die Hände der "Forces républicaines". Die Elfenbeinküste ist der größte Kakaoproduzent der Welt.

Die Wahlen vom November 2010 sollten das Ende einer seit zehn Jahren dauernden politischen Krise markieren, die mit Gbagbos umstrittener Wahl zum Präsidenten im Jahr 2000 begann. Ouattara war von dieser Wahl ausgeschlossen worden, weil er angeblich kein richtiger Ivorer sei, weil seine Eltern im Nachbarland Burkina Faso geboren wurden. Im September 2002 waren zuvor desertierte ivorische Soldaten von Burkina Faso aus in die Elfenbeinküste einmarschiert. Im Verlauf dieses Krieges, der erst mit dem Friedensvertrag von Ouagadougou 2007 endete, war das Land zweigeteilt worden. Ouattara hatte stets bestritten, hinter diesen Rebellen zu stehen.

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