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Jugend und Religion Und sie glauben doch

10.07.2008 ·  Religion interessiert junge Leute nicht - diese Einschätzung ist offenbar ungerechtfertigt. Weltweit bezeichnen sich vier von fünf jungen Erwachsenen als religiös. Das Resümee einer Studie: „Die These, dass Religiosität von Generation zu Generation kontinuierlich schwindet, kann eindeutig widerlegt werden.“

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Religion ist einer Studie zufolge für Jugendliche und junge Erwachsene weltweit viel wichtiger als gewöhnlich angenommen. Laut einer am Donnerstag bekannt gewordenen internationalen Sonderstudie der Bertelsmann-Stiftung aus Anlass des katholischen Weltjugendtags (15. bis bis 20. Juli) im australischen Sydney sind weltweit vier von fünf jungen Erwachsenen (85 Prozent) im Alter von 18 bis 29 Jahren religiös. 44 Prozent seien sogar tief religiös, sie beschäftigen sich also intensiv mit religiösen Fragen, beten häufig und ihre Religiosität wirkt sich auch im Alltag aus. Nur 13 Prozent haben mit Gott und Glauben nichts im Sinn.

Allerdings gebe es weltweit stark gegenläufige Trends, teilte die Stiftung mit. Besonders religiös seien die jungen Erwachsenen in islamischen Staaten und Entwicklungsländern. Der Studie zufolge sind 80 Prozent der jungen Protestanten außerhalb Europas tief religiös, immerhin 18 Prozent religiös. Unter Europas Protestanten zwischen 18 und 29 Jahren seien gerade einmal sieben Prozent tief religiös, 25 Prozent müssten dagegen als „Karteileichen ihrer Kirchen“ gelten. Ähnlich bei den jungen Katholiken, unter denen in Europa etwa ein Viertel tief religiös sei, außerhalb Europas 68 Prozent.

In Deutschland ist fast jeder Fünfte „tief religiös“

In Deutschland ist laut der Studie fast jeder Fünfte (18 Prozent) tief religiös, bei den 18- bis 29-Jährigen sind es 14 Prozent. Für den Religionsmonitor 2008 befragten Forscher im Auftrag der Stiftung zwischen Juni und Oktober 2007 rund 21.000 Menschen in 21 Ländern.
In hochreligiösen Ländern wie Nigeria oder Guatemala beten 90 Prozent der jungen Erwachsenen laut der Studie wenigstens einmal am Tag, in Indien, Marokko oder der Türkei seien es drei von vier Befragten. In Frankreich dagegen beteten nur neun Prozent der jungen Erwachsenen täglich, in Russland seien es acht und in Österreich sieben Prozent. Die Ausnahme unter den westlichen Industrieländern seien die Vereinigten Staaten; dort beten den Angaben zufolge 57 Prozent der jungen Erwachsenen täglich.

Als „typisch europäisch-westliche Vorstellung“ bezeichnete die Stiftung die Meinung, junge Menschen seien weniger religiös als ihre Eltern und Großeltern. 99 Prozent der jungen Erwachsenen in Marokko glaubten an Gott und ein Leben nach dem Tod; in Brasilien, der Türkei und Nigeria seien es 90 Prozent, in Israel, Indonesien und Italien 80 Prozent. „Die These, dass Religiosität von Generation zu Generation kontinuierlich schwindet, kann nach unseren weltweiten Erhebungen - auch in vielen Industriestaaten - eindeutig widerlegt werden“, sagte Projektleiter Martin Rieger.

Die meisten Gläubigen in Europa sehen Sexualität und Partnerschaft als Privatsache. Nur sieben Prozent der jungen Protestanten und 14 Prozent der Katholiken meinen, der Glaube habe Einfluss auf das eigene Intimleben. Außerhalb Europas sehen rund zwei Drittel der Protestanten und gut die Hälfte der Katholiken einen Zusammenhang zwischen Religiosität und Sexualität.

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