An den Universitäten in Deutschland sind etwa 1,3 Millionen Bürger eingeschrieben. Die Motive dieser Mitglieder auf Zeit sind verschieden: Einige wollen dort erfahren, "was die Welt im Innersten zusammenhält", andere wollen die Freiheit des studentischen Lebens genießen oder nutzen nur die wirtschaftlichen Vorteile des Studentenstatus. Die meisten wollen sich auf ihr Berufsleben vorbereiten und erwarten von der Universität, daß sie dort die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben. Bei so viel Einigkeit sollten die Universitäten diese Aufgabe lösen können. In der Tat: Zahllose Diplome, Bachelor-, Master-, Magister- oder Referendarstitel, die Semester für Semester verliehen werden, scheinen für eine ebenso pflichtgemäße wie erfolgreiche Organisation der Lehre zu sprechen. Ein tieferer Blick in die "Produktion" von Lehre führt indessen zur Ernüchterung.
Die Berufswelt wandelt sich ständig. Daher müssen das Was und das Wieviel der Lehrinhalte sowie das Wie der Vermittlung ständig neuen Forderungen angepaßt werden. Ein privater Dienstleister, der in diesem Sinn nicht mit der Zeit ginge und seine Leistungen also nicht an die sich wandelnde Nachfrage anpaßte, verlöre Umsatz, Marktanteile und ginge schließlich in den Konkurs. Nicht so der Professor. Seine wissenschaftliche Laufbahn beginnt mit der Suche nach einem Dissertationsthema, das nicht schon von einem anderen Aspiranten bearbeitet worden ist. Gefunden wird es in der Regel in einer Nische des Spezialgebietes, dem sich der Doktorvater zugewandt hat. Oftmals geht der Doktorand zwei Jahre seinen einsamen Weg. Wenn er zur Sicherung seines Lebensunterhalts die Stelle eines wissenschaftlichen Bediensteten annimmt, ist er nicht ganz auf sich gestellt, benötigt für die Dissertation aber bis zu fünf Jahre oder länger. Dann ist er Spezialist und wendet sich für zwei bis fünf Jahre seiner Habilitation zu, etwa als wissenschaftlicher Assistent. Dabei sammelt er "Lehrerfahrungen", das heißt, er führt in der Regel Seminare oder Übungen mit wenigen Teilnehmern in seinem Spezialgebiet durch. Nach Abschluß der Habilitation hofft der "Privatdozent" auf den Ruf an eine andere Universität. Wenn er ihn erhält, ist er im Durchschnitt 40 Jahre alt und hat die Hälfte seines Lebens kaum etwas anderes als die Universität erlebt.
Von dem frisch bestallten Professor wird erwartet, daß er sein Fachgebiet in Forschung und Lehre vertritt. Ob er jemals weitere Rufe an andere Universitäten erhält, hängt vor allem von Veröffentlichungen und seinem Auftreten auf Tagungen ab. Sein Engagement in der Lehre jedenfalls ist nebensächlich. Um Zeit zur didaktischen Aufbereitung von Lehrstoff zu sparen, steckt der Professor den "Garten" seines Spezialgebiets gegenüber den Fachkollegen ab. Von seinen acht Stunden Lehrverpflichtung je Semesterwoche wird er möglichst nicht mehr als zwei Stunden für eine Massenveranstaltung in den unteren Semestern opfern. Ist die Vorlesung schriftlich niedergelegt, wird diese später nur noch wiederholt. Die anderen sechs Deputatsstunden werden für kleinere Gruppen in den höheren Semestern mit Themen aus dem Spezialgebiet bestritten. Damit der Professor auch hier "Kundschaft" hat, müssen die Lehrangebote im Sinne der Prüfungsordnung anrechenbar sein. Daraus folgt, daß der Professor ein vitales Interesse daran hat, daß sein Spezialgebiet in der Prüfungsordnung - etwa in Gestalt eines Studienschwerpunktes - verankert ist.
Das Dienstleistungsprodukt, das der Professor erbringt, ist somit im Durchschnitt 25 Jahre lang definiert, von kleineren Neuerungen infolge wissenschaftlichen Fortschritts abgesehen. In der Organisationstheorie nennt man einen Zustand, in dem kein Organisationsmitglied mehr an Veränderungen interessiert ist, strukturellen Konservatismus. Er bestimmt die Gestaltung der Lehre auf drei Ebenen.
Zunächst die Prüfungsordnungen. Sie werden in der Regel von einem Fachbereichsrat erlassen. Darin sind die Vertreter der Professoren in der Mehrheit, ihm gehören aber auch Studenten, wissenschaftliche Bedienstete und administrativ-technisches Personal an. Der Fachbereichsrat ist jedoch nicht frei in seinen Entscheidungen. Er ist an formale gesetzliche Vorschriften ebenso gebunden wie an inhaltliche Vorgaben sogenannter Rahmenprüfungsordnungen der Kultusministerkonferenz. Mit den Rahmenordnungen soll die Gleichwertigkeit der akademischen Titel in allen Bundesländern sichergestellt werden. Die internationale Anerkennung akademischer Abschlüsse (Bachelor und Master) führt zu einer zusätzlichen Eingrenzung der Gestaltungsspielräume jeder Fachprüfungsordnung durch den Deutschen Akkreditierungsrat.
Widersinn der Hochschulpolitik.
Weiteren inhaltlichen und formalen Kriterien kann der Senat einer Universität Geltung verschaffen. Damit Fachbereichsräte sämtliche Vorgaben einhalten, stehen ihre Prüfungsordnungen unter dem Genehmigungsvorbehalt des zuständigen Landesministeriums, Bachelor- und Masterstudiengänge wegen der internationalen Anerkennung zusätzlich unter der Aufsicht des Deutschen Akkreditierungsrates. Weitsichtige Fachbereichsräte werden den Vorgaben so genau wie möglich folgen, weil jede Abweichung dazu führt, daß die Prüfungsordnung nicht genehmigt wird. Trotzdem gelingt es nur selten, eine neue Ordnung im ersten Anlauf durch alle Instanzen zu bringen. Von der ersten Initiative bis zur Genehmigung vergehen nicht selten zwei Jahre - die Beratungen im Fachbereichsrat nicht mitgerechnet. Mit ihnen können noch mehr Jahre verstreichen, bis der erste Student sein Studium nach der neuen Prüfungsordnung aufnehmen kann. Rechnet man dessen Studienzeit hinzu, gelangt das "Produkt" der gewünschten Anpassung an die sich verändernde Berufswelt mit einer Verzögerung von bis zu zehn Jahren auf den Arbeitsmarkt.
Bachelor-Studiengänge mit der Option auf ein Aufbaustudium (Master) sollen die Ausbildungszeit der meisten Studenten verkürzen. An der Verwirklichung dieses an sich begrüßenswerten Ziels läßt sich exemplarisch der Widersinn der Hochschulpolitik demonstrieren: Wer in Frankfurt Wirtschaftswissenschaften studiert, benötigt dafür acht Semester. Wer dasselbe Ziel in Kassel erreichen will, muß zehn Semester lang in den Hörsaal. Hier gibt es nämlich schon den als fortschrittlich gepriesenen gestuften Abschluß, dem zufolge er zunächst das Bachelor-, dann das Master-Examen absolviert. Gut wäre das Modell, wenn der Bachelor-Studiengang wirklich kurz wäre, also sechs Semester umfaßte. Die Professoren in Kassel meinten aber mehrheitlich, in dieser Zeit ließe sich das notwendige Wissen nicht vermitteln. Die Studenten schlugen sich mit dem Argument auf ihre Seite, die Bafög-Förderung mit sechs Semestern sei zu kurz. So einigte man sich im Fachbereichsrat auf eine Regelstudienzeit von sieben Semestern (Bachelor) plus zwei Semestern (Master). Das wiederum wurde vom Senat verworfen. Die fachfremde Mehrheit dort meinte, ein Masterstudium in Kassel müsse mindestens drei Semester dauern, andernfalls werde der Abschluß nicht ernst genommen. So muß sich jetzt ein Student in Kassel zehn Semester bis zu einem Universitätsabschluß quälen, derweil sein Frankfurter Kommilitone schon nach vier Jahren Berufserfahrungen sammeln kann.
Aus Kasseler Sicht verhalten sich die Kollegen in Frankfurt jedoch unwirtschaftlich. Inzwischen werden nämlich 80 Prozent des Universitätshaushalts nach "Studenten in Regelstudienzeit" bemessen. Daher haben die Universitäten ein elementares Interesse an möglichst langen Regelstudienzeiten - jedenfalls solange die Studenten nicht wegbleiben und die Verlängerung der Regelstudienzeit über mehr Lehrangebote, mehr Lehrpersonal und mehr Hörsäle nicht auch höhere Kosten verursacht.
Daß die Studiengänge Bachelor und Master immer mit genügend wissenschaftlichem Stoff gefüllt werden, dafür sorgen neben den Rahmenprüfungsordnungen Fachkulturen, die in den Stellenplänen der Fachbereiche festgeschrieben sind. Ein "normaler" Professor bezieht den studiengangspolitischen Maßstab aus seiner Ausbildung, schon weil sie sich in seiner eigenen Karriere bewährt hat. Und Wirtschafts-"Wissenschaften" umfassen nach dieser Meinung fundierte Kenntnisse in höherer Mathematik, Statistik oder Volkswirtschaftstheorie. Seit Jahren frage ich die Absolventen eines solchermaßen vollgestopften Studiengangs in der mündlichen Abschlußprüfung nach Form und Gliederung des Wirtschaftsteils einer Tages- oder Wochenzeitung, aus dem sie ihre Marktkenntnisse beziehen. Neun von zehn Absolventen bleiben eine klare Antwort schuldig. Auf den Studienerfolg wirkt sich dieser Mangel nicht aus. Der Versuch, die Zeitungslektüre wie in den Vereinigten Staaten dem Pflichtteil zuzuschlagen, scheiterte in Kassel am Widerstand der Professoren: Das gehöre nicht in ein wissenschaftliches Studium.
Der einzige größere Spielraum, den die Rahmenprüfungsordnungen den Fachbereichen belassen, ist die Bildung von Schwerpunkten in den höheren Semestern. Hier können die Studenten etwa zwischen Marketing, Controlling, Produktion oder Wirtschaftsinformatik wählen. Da die Professoren in der Regel auch als Spezialisten für einen solchen Schwerpunkt berufen worden sind, legen sie großen Wert darauf, daß ihr Spezialgebiet in einem Studienschwerpunkt untergebracht wird. So nahm beispielsweise in Kassel bei der Überleitung des Personals von der ehemaligen Fachhochschule zur Universität mit jedem neu berufenen Universitätsprofessor der Druck auf die Zahl der Schwerpunkte zu. Zunächst gab es 33 Professoren und vier Schwerpunkte, dann 30 Professoren und fünf, schließlich acht bei 20 Professoren (wobei elf für ihr Fachgebiet einen Lehrschwerpunkt gefordert hatten).
Ist eine dermaßen ausgeklügelte Prüfungsordnung schließlich in Kraft getreten, kostet es große Anstrengungen, dafür ein ausreichendes Lehrangebot bereitzustellen. Ausreichend heißt dabei, daß ein fleißiger Student das Studium in Regelstudienzeit absolvieren kann. Damit sind wir bei der zweiten Ebene der Dienstleistungsorientierung.
Das Engagement in Lehrveranstaltungen des Grundstudiums (erstes bis viertes Semester) macht den Professoren im allgemeinen keinen Spaß: Es handelt sich immer um denselben Stoff, der vor einer großen Hörerschar ausgebreitet werden muß. Was einen jedoch selbst langweilt, läßt sich schwerlich begeisternd vortragen. Viele Professoren haben mir gestanden, daß sie sich vor ihren Auftritten in den "Massenveranstaltungen" fürchten. Schließlich stellen sich bei manchem desillusionierten Hochschullehrer Zweifel ein, warum er diesen Stoff überhaupt "vorlesen" soll. Ist er nicht in Dutzenden von Lehrbüchern in zwanzigster Auflage mit Grafiken und Begleit-CD-ROM zum Selbststudium hervorragend aufbereitet?
Einem Quentchen Einsicht und Kooperationsbereitschaft ist es zu verdanken, daß unter diesen Voraussetzungen ein Mindestangebot von Lehrveranstaltungen im Grundstudium gesichert werden kann. Um so engagierter wendet sich der Professor den Lehrangeboten in "seinem" Schwerpunkt (fünftes bis achtes Semester) zu. In Schwerpunkten, die von einem oder mehreren Professoren ohne Rücksicht auf die Nachfrage durchgesetzt worden sind, kommen Lehrveranstaltungen mangels Hörern mitunter nicht einmal zustande. Wunderbar, dann hat man mehr Zeit für sich beziehungsweise für die Forschung.
Nach der Hochschulstatistik trägt der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften an der Universität Kassel eine "Überlastquote" von mehr als 200 Prozent, das heißt, er hat mehr als doppelt so viele Studenten wie vom Personal her gesehen zumutbar. Im Wintersemester 2001/02 gab es in diesem Studiengang 122 Lehrveranstaltungen. Knapp die Hälfte davon hatte weniger als zehn Teilnehmer, und noch 29 Veranstaltungen hatten weniger als fünf Teilnehmer. Angesichts solcher Verhältnisse läßt sich die Behauptung einer Überlast wohl kaum aufrechterhalten. Da ein beträchtlicher Teil der eingeschriebenen Studenten gar nicht wirklich studiert, reduziert sich die Überlast schon fast auf Normallast. Diese müßte allerdings besser verteilt werden.
Dank eines vor Jahren entwickelten Fachbereichs-Planungs-Systems (FPS) können wir in Kassel die Lastenverteilung und Leistung der Professoren in der Lehre messen. Hier das Ergebnis für die jeweils am schwächsten und die am stärksten belasteten der 22 hauptamtlichen Lehrkräfte: studienbegleitende Prüfungsleistungen (Klausuren, Referate, Hausarbeiten) von 112 bis 2005, Betreuung von Diplomarbeiten von 1 bis 76, mündliche Prüfungen von 2 bis 227, abgeschlossene Promotionen von 1 bis 13. Kein Zweifel: Es gibt Professoren, die in der Lehre stark gefordert sind. Andere haben - oder nehmen sich - viel Zeit für anderes.
Wenn das Engagement in der Lehre um mehr als das Zehnfache differiert, dann stimmt etwas nicht: an der fachlichen Ausrichtung der Lehrstühle, an den Studienschwerpunkten oder an der Lehrveranstaltungsplanung. An dieser Fehlsteuerung wird sich nichts ändern, solange das Profil von Lehrstühlen innerhalb eines Studiengangs primär an der Forschung anstatt an der Lehre ausgerichtet wird.
Die einen forschen, die anderen lehren.
Damit kommen wir zur dritten Ebene der Dienstleistungsorientierung von Universitätslehre: zur Qualität der Vermittlung von Kenntnissen und Fähigkeiten. Zunächst sind hier überlieferte Ideale beiseite zu räumen. Die große Vorlesung, bei der viele hundert Studenten dicht gedrängt an den Lippen des Meisters hängen, hat im verschulten Universitätsalltag keinen Platz mehr. Ihre Konzeption stammt aus einer Zeit, in der der Professor erstmals öffentlich über seine jüngsten Forschungen berichtete, sozusagen aus dem Rohmanuskript seines neuen Buches "vorlas".
Da Professoren während ihres ganzen Werdegangs nicht in Didaktik geschult werden, schlägt sich jeder entsprechend seiner "Naturbegabung" durch. Um die ist es sehr unterschiedlich bestellt, wie man an der Auswertung von Lehrveranstaltungen durch die Studenten sieht. Im Durchschnitt erhalten hier die Professoren der Wirtschaftswissenschaften in Kassel über mehrere Semester bei dem üblichen Notenspektrum von 1 (sehr gut) bis 5 (mangelhaft) die Note "noch gut" (2,28). Zwischen dem am besten und dem am schlechtesten bewerteten Professor klafft eine Spanne von 1,25 bis 3,9. Diese neuerdings gesetzlich verordneten Evaluationen könnten den einen oder anderen zu größerer didaktischer Anstrengung ermutigen, wenn die Ergebnisse zumindest im Kollegenkreis erörtert werden.
Wunder auf dem Feld der Didaktik darf man von den Evaluationen allerdings nicht erwarten. Die Form der Lehre, die in vielen Fächern zumindest im Grundstudium vorherrscht, ist wirkungslos und unzeitgemäß. Bei zwanzig und mehr Stunden Zuhören und Mitschreiben in der Woche gibt sie ein einheitliches Lerntempo vor, das die einen unterfordert, während sich die anderen den Anforderungen nicht gewachsen fühlen. Dabei liegen für die meisten Fächer vorzügliche Lehrbücher vor, die von den Absolventen höherer Schulen im Selbststudium durchgearbeitet werden könnten. So könnte im Bachelor-Studium die gesamte Wissensvermittlung aus dem Hörsaal verbannt werden. Die Rolle des Professors müßte sich darauf beschränken, die Lernziele und Unterrichtsmaterialien vorzugeben und mittels Multiple-choice-Klausuren den Lernerfolg zu kontrollieren. Die Zeit, die dadurch gewonnen wäre, könnte zur Einübung wissenschaftlichen Denkens und Schreibens in kleinen Übungs- und Seminargruppen oder für persönliche Beratung genutzt werden.
Wissenschaftliches Denken und Schreiben sind dagegen der vorherrschenden Form der Lehre zum Opfer gefallen. Die Massenveranstaltungen haben nämlich die geistige Auseinandersetzung im Gespräch verdrängt, und auch die schriftliche Äußerung wurde weitgehend auf das Ankreuzen von Kästchen hinter der Multiple-choice-Frage reduziert. So beginnt immer öfter ein Student seine Diplomarbeit, nachdem er einen zusammenhängenden mehrseitigen Text zuletzt vor mehr als vier Jahren geschrieben hat. Zeitgemäß wäre genau die umgekehrte Richtung: eine Verminderung des ohnehin schnell veraltenden und zumeist im späteren Beruf außerhalb der Universität nicht benötigten Wissens, statt dessen Vermittlung von Schlüsselqualifikationen wie effizienter Informationssuche, Systematisieren und Synthetisieren von Informationen, ihrer Aufarbeitung für die Vermittlung und der Vermittlung selbst in Form von Gesprächen, Präsentationen, Aufsätzen. Das jeweilige Fachwissen hat hier keine dominierende, sondern eine dienende Funktion: Es ist die notwendige Voraussetzung für die intellektuelle Übung.
Beruflicher Aufstieg und Berufswechsel zwingen auch Akademiker zunehmend, ihr Wissen zu vertiefen oder Neues zu lernen. Außeruniversitäre, zumeist private Einrichtungen haben sich auf diesem Weiterbildungsmarkt eingenistet. Ihren Bedarf an Lehrpersonal decken sie schon heute vielfach mit Professoren aus staatlichen Universitäten, die diese Quelle von Nebeneinnahmen gerne nutzen. Von diesen Professoren ist deshalb kaum zu erwarten, daß sie Weiterbildungsprogramme an staatlichen Universitäten entwickeln, obwohl der Gesetzgeber hierzu einen klaren Auftrag erteilt hat. Durch die Verbindung solcher Weiterbildungs-"Module" mit der grundständigen Ausbildung könnten sich die Universitäten hingegen zu Ausbildungsdienstleistern entwickeln, die den Akademiker auf seinem beruflichen Lebensweg begleiten. Der Bedarf entwickelt sich in diese Richtung. Nur merken die Universitäten und ihre Professoren kaum etwas davon. Denn sie haben den individuellen und den gesellschaftlichen Schaden ihres marktwidrigen Verhaltens nicht zu tragen.